Personalchef Leithner: Der Blitzableiter der Deutschen Bank

Personalchef Leithner: Der Blitzableiter der Deutschen Bank

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Hier kommt der Aufräumdienst: Personalvorstand Stephan Leithner. So wie er schon ist, soll die ganze Deutsche Bank werden.

von Cornelius Welp

Stephan Leithner hat den vermutlich härtesten Job im Vorstand der Deutschen Bank. Er muss die Skandale des größten deutschen Geldhauses aufarbeiten und für eine saubere Zukunft sorgen.

Dann will der Manager beim Treffen in der Moskauer Filiale vom aus dem fernen Frankfurt angereisten Vorstand doch mal wissen, was das alles überhaupt soll. Das ganze Gerede vom Kulturwandel. Dieser Würfel, den alle Spitzenmanager der Deutschen Bank in die Hand gedrückt bekommen haben und bei dem auf jeder Seite ein Leitwert des Unternehmens steht. Integrität, Partnerschaft, Disziplin, Innovation, Kundenfokus, Nachhaltigkeit – all das mag ja in der Zentrale eine tiefere Bedeutung haben. Aber was bitte heiße es hier, in Russland?

Stephan Leithner hört dem Vortrag in aller Ruhe zu. Dann bittet der Personalvorstand die anwesenden Manager zum Diskurs. Sie sollten doch mal genauer überlegen, was sie im Alltag so machen. Und was diese Normen für sie bedeuteten. Welche Geschäfte sie in Zukunft noch so wie bisher machen können, welche sie anders machen müssten – und welche gar nicht mehr gingen. Zwei Stunden später sind bei Weitem nicht alle Fragen geklärt. Und doch sehen die Versammelten etwas klarer, berichtet einer, der bei jener Sitzung in der vorvergangenen Woche dabei war. Es sei jedenfalls gut gewesen, darüber einmal geredet zu haben.

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Eine Bank bei der Traumatherapie

Es ist eine Zeit des Übergangs in der Deutschen Bank. Eine Zeit der Gruppendiskussionen, der Gesprächskreise und der Selbstfindung. Eine Art Traumatherapie, nachdem immer neue Vorwürfe, immer neue Ermittlungen und immer neue Schadensersatzprozesse das Image des mit Abstand größten deutschen Instituts schwerstens lädiert haben.

Alles besser machen soll der von der Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen ausgerufene Kulturwandel. Das vage Versprechen ist ihr Großprojekt, an dessen Erfolg sie sich messen lassen wollen. So wie ihr Vorgänger Josef Ackermann am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Und selbstverständlich ist der Wandel Chefsache. Alle internen Mitteilungen kommen von Jain und Fitschen, in den Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat tragen sie regelmäßig den aktuellen Stand vor.

Leithner steht vor einer "Herkulesaufgabe"

Stephan Leithner bleibt da im Hintergrund. Dabei hängt das Gelingen der Neuorientierung ganz wesentlich von ihm ab. Als Personalvorstand muss er dafür sorgen, dass es nicht bei schönen Worten bleibt. Als Rechtsvorstand muss er die Sünden der Vergangenheit möglichst rasch und geräuschlos abarbeiten und neue Regeln einführen, die künftig Fehltritte verhindern. Und als Europachef muss er sich auch noch um die großen Kunden außerhalb Deutschlands kümmern.

"Es ist eine Herkulesaufgabe", sagt ein früherer Vorstand. "Ich habe mich gefragt, wie der Aufsichtsrat ihm alle Großbaustellen auf einmal zumuten kann", sagt ein langjähriger Vertrauter Leithners.

Als Jain und Fitschen vor eineinhalb Jahren ihr Führungsteam vorstellten, war der Posten für Leithner eine Überraschung. Denn der Österreicher war vorher Investmentbanker, Spezialist für die Beratung großer Unternehmensübernahmen. Den Job füllte er mit Leistung und Leidenschaft aus. "Weichen zu stellen, an großen strategischen Themen zu arbeiten, das war seine Welt", sagt einer, der ihn seit Jahren kennt. "Dies aufzugeben ist ihm schwergefallen."

Andererseits, so ein anderer Insider, sei ein Sitz im Vorstand immer das Ziel des 47-Jährigen gewesen. Die Chance habe er ergreifen müssen. Deshalb sitzt er nun in Tarif- statt in Übernahmeverhandlungen, muss sich mehr um Frauenförderung als um die Finanzen deutscher Großkonzerne kümmern, Trainings organisieren, Regeln zum korrekten Verhalten einführen und Vorgaben der Regulierer aus Brüssel und Berlin umsetzen. Dinge, die gemacht werden müssen, aber wenig Glamour bieten.

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