Pleitebank Anglo Irish: Das Symbol des irischen Untergangs

Pleitebank Anglo Irish: Das Symbol des irischen Untergangs

, aktualisiert 25. November 2011, 11:38 Uhr
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Eine Filiale der Anglo Irish Bank in Dublin.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Die Anglo Irish Bank wollte ein ganz großes Rad drehen. Doch nur bis die Finanzkrise kam. Dann sorgte Sean FitzPatricks vermeintliches Erfolgsrezept für den großen Absturz der Skandalbank - und letztlich sogar für seinen eigenen.

LondonSean FitzPatrick ist so etwas wie die Symbolfigur der Irland-Krise, und dürfte zu den bestgehassten Bankern in ganz Europa gehören. Dafür ist vor allem die dubiose Rolle verantwortlich, die der 63jährige beim Aufstieg und vor allem beim Fall der Anglo Irish Bank spielte, jenem Institut, das als Epi-Zentrum des irischen Bebens gilt.

Auch beinahe drei Jahre nach der Verstaatlichung von Anglo Irish stehen die Banken noch immer im Zentrum der Wirtschaftskrise, und obwohl die Regierung mittlerweile rund 70 Milliarden Euro, das sind mehr als 40 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Irlands, in die Sanierung des Finanzsektors gesteckt hat, gehören die Geldhäuser noch immer zu den Sorgenkindern der Regierung in Dublin.

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FitzPatrick war gerade einmal 38 Jahre alt, als er 1986 die Führung des Provinzinstituts Anglo Irish übernahm. 42 Millionen Euro Gewinn machte die Bank damals, 2007 kurz vor dem Ende des Booms waren es 1,2 Milliarden. Euro. Mit einer stolzen Eigenkapitalrendite von 30 Prozent spielte Anglo Irish plötzlich im Konzert der ganz Großen mit. FitzPatricks Erfolgsrezept war simpel: Der ehrgeizige Banker öffnete hemmungslos die Kreditschleusen und finanzierte mit vollen Händen die Bau- und Immobilienhausse der irischen Tigerjahre.

Den Großteil ihrer Geschäfte machte die Bank mit einer kleinen Gruppe von Baulöwen und Spekulanten, die Fitzpatrick den "golden circle" nannte. Der irische Volkswirt David MacWilliams beschrieb Anglo Irish bereits 2006 als "Hedge-Fonds, der das Geld der Sparer für Wetten auf überbewertete Immobilien einsetzt". Damit unterschied sich Anglo Irish allerdings nicht so sehr von den anderen großen irischen Banken. Als die Finanzkrise die gigantische Immobilienblase zum Platzten brachte, gerieten auch die Bank of Ireland und Allied Irish Banks in Not und mussten von der Regierung gerettet werden.

Am Ende blieb der Regierung in Dublin nichts anderes übrig, als vor der Bankenkrise zu kapitulieren. Im November 2010 musste die Insel unter den Rettungsschirm der EU und des Internationalen Währungsfonds schlüpfen. 85 Milliarden Euro schwer war das Rettungspaket, 34 Milliarden davon waren allein für die Rettung der Banken bestimmt. Für 2010 musste Anglo Irish einen Verlust von 17,6 Milliarden Euro melden, ein Minus, das beinahe ein Drittel des irischen Budgetdefizits ausmachte.


Ein kleiner Trost

Inzwischen ist längst klar, dass das Skandalinstitut keine Zukunft mehr hat, die Bank wird abgewickelt. Die Vertrauenskrise erfasste aber nicht nur Anglo Irish sondern den gesamten Bankensektor. 2010 zogen die Kunden rund 110 Milliarden Euro an Einlagen aus den irischen Geldhäusern ab, das entspricht 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Für Ihre Refinanzierung waren die Institute auf die Hilfe der Europäischen Zentralbank und die Unterstützung der heimischen Notenbank angewiesen.

Künftig sollen nun die Bank of Ireland und die Allied Irish Bank das Rückgrad des irischen Finanzsektors bilden. Allied Irish wird derzeit ebenfalls quasi vollständig vom Staat kontrolliert, lediglich das größte Geldhaus der Insel, die Bank of Ireland, konnte diesem Schicksal entkommen. Allerdings ist das Institut in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wieder in die roten Zahlen gerutscht. Vor Steuern fiel ein Verlust von 556 Millionen Euro an.

Trotz der gewaltigen Anstrengungen zur Sanierung des Finanzsektors sieht die Ratingagentur Moody’s noch immer erhebliche Risiken für die Geldhäuser. Die Institute hätten nach wie vor Probleme bei der Refinanzierung und das wirtschaftliche Umfeld bleibe „sehr herausfordernd“, warnen die Bonitätswächter. Diese Schwächen könnten auch die verbesserte Kapitalposition der Banken nicht ausgleichen.

Auch in irischen Regierungskreisen erwartet man, dass weitere Kreditausfälle die Banken belasten werden. Allerdings werde sich die Lage voraussichtlich nicht weiter zuspitzen als in den rigorosen Stresstests unterstellt, denen sich die Institute stellen mussten.

Den irischen Steuerzahlern mag es wenigstens ein kleiner Trost sein, dass auch Ex-Anglo Irish-Chef FitzPatrick zu den Opfern der Bankenkrise gehört. Zwei Jahre nachdem der Chairman aus dem Amt gejagt wurde, musste er Privatinsolvenz anmelden. Seine Selbsteinschätzung, dass er deshalb und wegen der öffentlichen Anfeindung „eines der größten Opfer“ der Finanzkrise sei, brachte ihm allerdings keine Sympathiepunkte ein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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