Porsche Dekabank: Deka verzichtet auf Milliardenklage gegen Porsche

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exklusivPorsche Dekabank: Deka verzichtet auf Milliardenklage gegen Porsche

von Martin Seiwert, Cornelius Welp und Melanie Bergermann

Die Fondsgesellschaft der Sparkassen wollte keine Schadensersatzklage gegen Porsche einreichen. Das Nachsehen haben die Deka-Kunden.

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Gebäude der Deka-Bank. Die Bank sieht "mangelnde Erfolgsaussichten" für eine Klage gegen Porsche

Die Fondsgesellschaft Deka hat, wie erst jetzt bekannt wurde, durch Kursturbulenzen der VW-Aktie im Jahr 2008 einen Schaden von weit über einer Milliarde Euro erlitten. Die Fondsgesellschaft der Sparkassen sieht die Schuldigen für den Verlust bei Porsche, doch von einer Schadensersatzklage gegen den Autobauer wollte die Deka-Konzernführung um den damaligen Vorstandschef Franz Waas und den Verwaltungsratschef Heinrich Haasis aus unersichtlichen Gründen nichts wissen. Für die Deka-Kunden ist das Geld verloren, denn die Ansprüche gegen Porsche sind inzwischen verjährt.

Schadensersatzklagen gegen Porsche in Deutschland

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Ursache der Kursturbulenzen war die Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche, in der – so sieht es heute die Stuttgarter Staatsanwaltschaft – nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter sollen den Kurs der VW-Aktie mithilfe falscher Angaben manipuliert haben. Die Staatsanwälte erhoben im Dezember Anklage. Porsche und die Beschuldigen weisen alle Vorwürfe zurück.

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Die Deka ermittelte nach den Kursturbulenzen ihren Schaden und stellte ihn Porsche in Rechnung. Sie verlangte die Einleitung eines Güteverfahrens, aber auf dieses freiwillige Schlichtungsverfahren wollte sich der Sportwagenbauer nicht einlassen. „Nach einer sorgfältigen Abwägung sämtlicher rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte“, so heißt es bei der Deka, habe man sich entschlossen, mit der Forderung nicht vor Gericht zu ziehen. Es seien vor allem die „mangelnden Erfolgsaussichten“ der Klage und die drohenden Prozesskosten gewesen, die die Deka von einer Klage abgehalten hätten, so die Begründung heute.

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Dutzende andere Fondsgesellschaften sahen das anders und reichten Klage ein (siehe Grafik). Durch die Anklage der Stuttgarter Fahnder fühlen sie sich in der Einschätzung bestätigt. Auch die Prozesskosten konnten viele Kläger nicht schrecken: Die meisten fanden Finanzierer, zumeist aus den USA, die das Geld vorstreckten. Sollte später Schadensersatz fließen, werden sie daraus bedient.

Warum die Deka die Klage scheute, will Ex-Chef Waas nicht sagen. Er musste im April 2012 gehen, als er nachträglich Boni für 2008 und 2009 forderte. Nun streitet er sich mit der Deka vor Gericht um das Geld. Am 5. April will das Frankfurter Landgericht ein Urteil verkünden. Damit ist für Waas das Kapitel Deka jedoch nicht unbedingt erledigt. Denn Deka-Kunden könnten ihn verklagen, weil er mit der Milliardenforderung gegen Porsche nicht vor Gericht zog. Möglicher Vorwurf laut Wirtschaftsrechtlern: Vernachlässigung der Vermögenbetreuungspflicht.

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