Postbank: Mehr Bürde als Bonus

Postbank: Mehr Bürde als Bonus

von Cornelius Welp

Es gibt durchaus Argumente für einen  Verkauf der Postbank durch die Deutsche Bank. Ob es tatsächlich so weit kommt, ist aber offen.

Auf den ersten Blick scheint es abwegig, dass sich die Deutsche Bank nach gut sechs Jahren schon wieder von der Postbank trennen könnte. Zu sehr klingen noch die Worte des damaligen Chefs Josef Ackermann im Ohr, der seinen Neuerwerb und die damit gestiegene Verwurzelung im Heimatmarkt stets in den höchsten Tönen lobte. Zu tief scheint die vor allem im Geschäft mit einfacheren Privatkunden aktive Postbank mit der Hinwendung der Deutschen Bank weg vom Investmentbanking hin zu solideren Formen des Geldgewerbes verknüpft. Und zu eng scheint das Bonner Institut mittlerweile auch in den Konzern eingebunden. Seit Jahren arbeiten hunderte Mitarbeiter an einer gemeinsamen IT-Plattform, die als Standard für die Branche gilt. Die Bank hat dafür hunderte Millionen investiert.

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Konzernumbau Erwägt die Deutsche Bank den Verkauf der Postbank?

Der Vorstand der Deutschen Bank will das Geldhaus neu ausrichten. Unter anderem wird ein Verkauf der Postbank diskutiert. Die Ziele für 2015 sollen einkassiert werden.

Das Logo der Deutschen Bank als verzerrtes Spiegelbild in einer gegenüberliegenden Hochausfassade. Quelle: dpa

Doch so abwegig ist eine Trennung nicht. Tatsächlich gibt es entsprechende Gerüchte in Frankfurter Finanzkreisen schon länger. Das Dementi, mit dem die Bank heute der Meldung des Manager Magazins entgegentrat, ist denn auch auffallend ausweichend. Es sei „verantwortungslos, über den Verkauf zu spekulieren“, heißt es da. Dass ein solcher Verkauf nicht erwogen werde, sagt die Bank nicht. Sie verweist stattdessen auf die bereits angekündigte Überprüfung ihrer Strategie.

Tatsächlich sind viele Überlegungen, die 2008 zum Kauf des Bonner Instituts führten, heute deutlich weniger wichtig. Ein entscheidendes Argument waren damals die Milliarden von Einlagen, die die Postbankkunden brav auf ihre Sparkonten eingezahlt hatten. Sie sollten die Finanzierung des gesamten Konzerns auf stabilere Füße stellen. Heute sind sie mehr Bürde als Bonus. Die Niedrigzinsen führen dazu, dass die Bank sie kaum profitabel anlegen kann und die Finanzaufsicht Bafin verhindert die unbegrenzte Nutzung im gesamten Konzern. Allein schon deshalb halten etliche Banker den Erwerb für einen Fehlkauf.

Das Management der Deutschen Bank steht ganz schön unter Druck. Die Aktie hat dieses Jahr schmerzhaft an Wert verloren und die Aktionäre wollen jetzt Ergebnisse sehen. Nun tauchen Gerüchte auf, die Deutsche Bank denke über einen Postbank-Verkauf nach

Zudem sind die weiteren Aussichten eher wolkig. Selbst hochrangige Manager aus dem Privatkundengeschäft räumen mittlerweile ein, dass die Postbank schwereren Zeiten entgegengeht.  Während die Deutsche Bank mit ihrem auf die Beratung wohlhabenderer Kunden bei Wertpapieren fokussierten Privatkundengeschäft die Belastungen durch die Niedrigzinsen einigermaßen auffangen kann, existieren solche Auswege für die Postbank nicht. Ihre Erträge werden nahezu zwangsläufig schrumpfen, Einsparungen scheinen unausweichlich. Dabei wären eigentlich hohe Investitionen erforderlich, um die Bank fit für das digitale Zeitalter zu machen. Das Geld geht aber mehr für die Vergangenheit in Form von Gerichtsverfahren als für die Zukunft drauf.

Eine Überprüfung des Engagements ist deshalb durchaus sinnvoll. Ob es tatsächlich zum Verkauf kommt, ist aber völlig offen. Denn trotz aller Belastungen liefert die Postbank deutlich weniger schwankende Erträge als das volatile Investmentbanking. Mit einem Verkauf würde sich die Bank vom Modell der Universalbank entfernen, das bei Investoren eigentlich geschätzt ist. Und nicht zuletzt beliebt die Frage, ob sich überhaupt ein Käufer findet, der einen angemessenen Preis zahlt. Letztlich wird sich die Frage im Zusammenhang mit den anderen Prüfungen entscheiden. So sollen auch Beteiligungen in Asien auf dem Prüfstand stehen.

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Dass sich die Frage überhaupt stellt, zeigt einmal mehr, dass die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain die Lage bei ihrem Amtsantritt 2012 viel zu optimistisch eingeschätzt haben. Ihre Strategie, mit den Altlasten aufzuräumen und dann alle vorhandenen Geschäfte auszubauen,  ist gescheitert. Wie viele Wettbewerber wird sich auch die Deutsche Bank deutlich stärker fokussieren müssen als bisher. Und zwar auf das, was sie wirklich gut kann. Alles andere hat keine Zukunft mehr.

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