Privatbank Sal. Oppenheim: Das Leben der Oppenheims nach dem Absturz

Privatbank Sal. Oppenheim: Das Leben der Oppenheims nach dem Absturz

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Abstieg einer Privatbank: Der Schriftzug Sal. Oppenheim am Eingang in Köln

von Cornelius Welp, Jürgen Berke, Henryk Hielscher und Ina Karabasz

Drei Jahre nach der Beinahepleite der Privatbank stehen die einst reichen und angesehenen Eigentümerfamilien vor dem Abgrund. Das Geld ist weg, das gesellschaftliche Ansehen auch. Innerhalb der Familie kommt es immer häufiger zu Streit. Das Leben der Kölner Adelssippe nach dem Absturz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich Matthias Graf von Krockows aus Pommern geflüchteten Eltern in ihrer neuen Heimat bei Trier nieder und bauten sich mit Eiern aus dem heimischen Hühnerstall eine neue Existenz auf.

Nun erlebt die Familie erneut das Drama von Verfall und Neubeginn. Denn der Reichtum, den von Krockow als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Kölner Privatbank repräsentierte, ist größtenteils perdu. In dem adligen Frontmann selbst sehen viele den Hauptschuldigen für das Ende von Europas einst größter unabhängiger Privatbank. Deren Untergang verhinderte 2009 nur die von Politik und Bankenaufsicht forcierte Notübernahme durch die Deutsche Bank. Sal. Oppenheim lebt als Tochterunternehmen fort, aber die früheren Eigentümer haben bei dem Institut nichts mehr zu sagen.

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Villen, Kunstwerke und Statussysmbole

Rund 40 Gesellschafter hatte die Bank zum Zeitpunkt ihres Nahtods. Einige haben mit dem Institut ihre Existenzgrundlage verloren. Zwar zahlte die Deutsche Bank rund eine Milliarde Euro Kaufpreis an die Altgesellschafter. Jedoch übernahm sie zugleich hohe Kredite, die die Bank ihren Alteigentümern gewährt hatte. Viele Villen, Kunstwerke und Statussymbole dienen nun als Sicherheiten für die vor dem Niedergang angehäuften Verbindlichkeiten.

Über Jahrzehnte lieferte das 1789 gegründete Institut verlässlich Millionengewinne, überstand Kriege und Revolutionen. Das ermöglichte seinen Eigentümern ein Leben zwischen Galopprennen, Kunstsammlung und Geschäftsdinner. Mit einem Vermögen in Milliardenhöhe rangierten sie in den Ranglisten der reichsten Deutschen stets weit oben. Dieser Glanz sollte auch auf die Oppenheim-Kunden abfärben. Sie erhielten Zutritt zu einer Parallelwelt des unbescheidenen Reichtums. Zu von der Bank gesponserten Poloturnieren flogen indische Maharadschas ein, die Gartenfeste, die bis zu eine Million Euro gekostet haben sollen, bekochten Spitzengastronomen. Sogar Ehen sollen mithilfe der Bank gestiftet worden sein.

Finanziell schwierig

Mit der Herrlichkeit ist es für die ehemaligen Gesellschafter vorbei. Zwar wohnen die meisten noch in ihren angestammten Villen, leben viele, als wäre nichts geschehen. Doch: „Für alle, die kein Einkommen neben der Bank oder nicht reich geheiratet haben, sieht es finanziell schwierig aus“, sagt ein Insider. Denn bei vielen übersteigen die aufgenommenen Kredite das vorhandene Vermögen deutlich. Im Grunde sind etliche Familienangehörige wohl längst Kandidaten für eine Privatinsolvenz. Dass es dazu bisher nicht kam, ist der zögerlichen Verwertung der Sicherheiten durch die Deutsche Bank zu verdanken. Doch die Folgen sind allseits spürbar. Schon werden erste Villen und Kunstwerke verkauft.

Sal. Oppenheim war für beteiligte Familien wie von Oppenheim, Ullmann, Pferdmenges, Marx, Strasoldo und von Wrede mehr als eine materielle Versorgungsgrundlage. Die Bank war auch Identitätsstifter, ihre wechselvolle, aber letztlich stets erfolgreiche Geschichte verlieh den Eigentümern eine Aura der Unverwundbarkeit.

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