Prozess: Die Fehler im System Deutsche Bank

Prozess: Die Fehler im System Deutsche Bank

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Gelogen und betrogen? Rolf Breuer, Josef Ackermann und der aktuelle Vorstand Jürgen Fitschen unter Verdacht.

von Cornelius Welp

Der Strafprozess gegen Jürgen Fitschen und vier frühere Vorstände sowie die Rekordstrafe für die Libor-Manipulation zeigen die mehr als zweifelhafte Kultur der Deutschen Bank.

Manchmal sieht man Rolf Breuer in Frankfurt. Er taucht bei Kongressen im Foyer auf, er flaniert durch die Altstadt, er trägt immer Anzug, immer Einstecktuch.

Breuer ist 77 Jahre alt, längst hat er kein bedeutendes Amt mehr, aber ihn umschwebt die Aura des Wichtigen. Er ist ein gejagter Mann, aber er lächelt das fort mit seinem professionellen Deutsche-Bank-Lächeln, maskenhaft, halb verlegen, halb arrogant. Es ist das Lächeln des Machers, des Großbankers, der es gewohnt ist, von oben auf die Welt zu blicken.

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An diesem Dienstag wird Breuer sein Lächeln im Saal 273/II des Münchner Landgerichts anknipsen. Neben ihm sitzen sein Nachfolger Josef Ackermann und dessen Nachfolger Jürgen Fitschen.

Die drei Bankchefs haben das vielleicht wichtigste deutsche Unternehmen insgesamt 18 Jahre geführt. Mit ihnen sind Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und der frühere Personalvorstand Tessen von Heydebreck wegen versuchten Betrugs im besonders schweren Fall angeklagt. Sie sollen im Zivilprozess mit dem Medienunternehmer Leo Kirch gelogen oder die Wahrheit zurückgehalten haben, um die Bank vor Schadensersatz zu bewahren.

Auf dem Rückzug

Es ist ein Verfahren von beispielloser Symbolkraft, das wie im Brennglas zeigt, was bei der Bank schiefgelaufen ist. Das Institut hat an seine Unverwundbarkeit geglaubt, Kunden vernachlässigt und sich in rechtlichen Grauzonen bewegt. Das hat zu einer Flut von Prozessen geführt und sich nicht ausgezahlt. In dieser Woche werden Fitschen und sein Co-Chef Anshu Jain wohl eine neue Strategie vorstellen, die auch ein Rückzug aus Schwäche ist.

Der Neustart wird nicht nur durch den Prozessauftakt belastet. Am Donnerstag verhängten britische und US-amerikanische Aufseher die Rekordstrafe von 2,2 Milliarden Euro für die Manipulation der Referenzsätze Libor und Euribor. Ihre Begründungen geben tiefe Einblicke in die Abgründe der Bank. Das Fehlverhalten sei systemisch und allgegenwärtig. „Die Deutsche Bank hatte eine Kultur der Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die Integrität der Märkte“, heißt es in der Veröffentlichung der britischen FCA.

Chronologie: Kirch und die Deutsche Bank

  • Februar 2002

    Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer stellt die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview sagt er: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

  • April 2002

    Die Kirch-Gruppe stellt Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft. Später folgt die Dachgesellschaft Taurus-Holding.

  • Januar 2006

    Der Bundesgerichtshof (BGH) stellt fest, die Bank und Breuer seien dem Medienunternehmer Leo Kirch grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet. Eine Haftung der Bank für den Zusammenbruch des gesamten Medienimperiums verneinen die Richter.

  • 14. Juli 2011

    Leo Kirch stirbt im Alter von 84 Jahren.

  • November 2011

    Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt den damaligen Bank-Chef Josef Ackermann, im Kirch-Prozess falsche Angaben gemacht zu haben. Auch Ex-Chef Breuer und andere Manager sind im Visier der Behörde - später auch der heutige Co-Chef Jürgen Fitschen.

  • 14. Dezember 2012

    Das Oberlandesgericht (OLG) München verurteilt die Deutsche Bank zu Schadenersatz für Verluste in Folge der Pleite des Kirch-Imperiums. Die Höhe soll von zwei Gutachtern bestimmt werden.

  • 20. Februar 2014

    Die Deutsche Bank zahlt den Kirch-Erben in einem Vergleich 925 Millionen Euro.

  • 23. September 2014

    Die Münchner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Fitschen, seine Vorgänger Breuer und Ackermann, den ehemaligen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie wirft ihnen unrichtige Zeugenaussagen vor und geht von versuchtem Betrug in einem besonders schweren Fall aus.

  • 2. März 2015

    Das Landgericht München lässt die Anklage in vollem Umfang zu.

  • 28. April 2015

    Prozessbeginn vor dem Landgericht München. Für die Verhandlung hat das Gericht zunächst 16 Verhandlungstage bis zum 22. September angesetzt.

Kontrollen hätten so gut wie keine existiert. Das habe sich selbst dann nicht geändert, als die Aufseher bereits ermittelten. Besonders verärgert sind die Behörden über den fehlenden Kooperationswillen und die Verzögerungstaktik der Bank. Sie soll wiederholt getäuscht und wichtige Dokumente zurückgehalten haben.

Überheblichkeit, Ignoranz und Missachtung von Regeln haben auch dazu beigetragen, dass der Bank das Thema Kirch entglitten ist. Dabei geht es hier nur um einen Satz des damaligen Bankchefs Breuer. Der bezweifelte in einem Fernsehinterview vor 13 Jahren die Kreditwürdigkeit des Medienunternehmens. Doch was danach kam, zeigt einmal mehr die Fehler im System Deutsche Bank.

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