Quartalszahlen : Bank of America schummelt sich in die Gewinnzone

Quartalszahlen : Bank of America schummelt sich in die Gewinnzone

, aktualisiert 18. Oktober 2011, 14:36 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die US-Großbank hat im dritten Quartal seit langem wieder Gewinn gemacht - jedoch vor allem dank Sondereffekten. Die Anleger reagierten enttäuscht: Die Aktie brach in Frankfurt ein.

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Eine Niederlassung der Bank of America im US-Staat Kalifornien.

Als vierte große US-Bank hat heute die Bank of America ihre Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Die Bank hat vor allem dank Sondereffekten die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Das Ergebnis wurde vor allem von einer besseren Bewertung der eigenen Verbindlichkeiten und Erlösen aus dem Verkauf von Geschäftsteilen getrieben. Das Institut hatte zudem offenbar Derivate aus ihrer angeschlagenen Merill Lynch Bank ausgelagert.

Unter dem Strich verdiente das Institut 5,9 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal hatte die Großbank noch ein Rekordminus von 9,1 Milliarden Dollar verbucht, nachdem sie einen Schlussstrich unter alte windige Hypothekengeschäfte gezogen hatte. Die Umsätze stiegen auf 28,5 Milliarden US-Dollar von 26,7 US-Dollar im Vorjahresquartal. Mit dem Gewinn übertraf die Bank of America die Schätzungen von Analysten zwar bei weitem. Dennoch brach die Aktie der Bank of America (in Frankfurt) um 3,7 Prozent ein.

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Damit dürfte der Bank of America-Chef Brian Moynihan dem Ziel, seine Bewährungsprobe zu bestehen, ein Stück näher gekommen zu sein. Er hatte im Januar vergangenen Jahres einen Scherbenhaufen von seinem Vorgänger übernommen. Seine Aufgabe war es, Schluss zu machen mit den milliardenschweren Zukäufen und Spekulationsexzessen der Vergangenheit und das schwer angeschlagene Geldhaus gesundzuschrumpfen.

Die Investoren jedenfalls sind skeptisch, ob er diese Erwartungen erfüllen kann: Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um die Hälfte eingebrochen und macht nicht den Anschein, sich bald zu erholen. Die Ratingagentur Moody’s stufte die Bank herab. Gleichzeitig versucht Moynihan zu sparen, wo es nur geht, etwa durch den Verkauf von Einheiten und den Abbau von Arbeitsplätzen. Bis zu 40.000 von insgesamt 300.000 Stellen sollen es sein, so der Plan.

Moynihan kämpft an mehreren Fronten, Grund dafür ist vor allem das Erbe, das ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Lewis hatte im Krisenjahr 2008 erst den taumelnden Immobilienfinanzierer Countrywide übernommen, dann die angeschlagene Investmentbank Merrill Lynch. Die vermeintlichen Schnäppchen entpuppten sich als Desaster, Ende 2008 musste der Staat mit 45 Milliarden Dollar einspringen. Auch wenn sie die Einlage zurückgezahlt hat - die BofA hat sich bis heute nicht davon erholt.

Insgesamt hat die Bank of America in den vergangenen vier Quartalen in dieser Sparte mehr als 22 Milliarden Dollar verloren, vor allem wegen der Klagen. Wie viel die Bank am Ende zahlen wird, kann niemand sagen. „Das ist genau das, was uns Sorgen bereitet“, sagte Bankenanalyst Paul Miller der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Kläger könnten Firmen wie Countrywide so lange heimsuchen, wie sie wollten. „Die Frage ist, wie weit sie bereit sind zu gehen“.

Fünf-Milliarden-Dollar-Sparprogramm

Doch Moynihan hat noch mehr Sorgen. Abgesehen von den Unwägbarkeiten der lahmenden US-Konjunktur und der Schuldenkrise in Europa ist es vor allem die strengere Regulierung, die das Kapitalmarkt- und  Privatkundengeschäft gefährden. Moynihan sagte kürzlich in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNBC, allein die neuen Finanzmarktregeln des Dodd-Frank-Gesetzes könnten seine Bank Milliarden kosten.

Die Folge all dieser Unsicherheiten: Eine massive Vertrauenskrise bei den Anteilseignern der Bank. Manche fürchten gar, das Institut könne unter den ganzen Klagen zusammenbrechen. Daran änderte auch der Einstieg von Investorenlegende Warren Buffett nichts. Er hatte mit seiner Investition von fünf Milliarden Dollar der Bank vor kurzem eine Art Gütesiegel verliehen.

Doch selbst der Star-Investor ist alarmiert. „Die Bank hat ein wunderbares Basisgeschäft“, sagte Buffett Ende September. „Aber es gibt eine Menge Probleme“. Deshalb werde es vermutlich deutlich länger dauern, sie alle zu lösen. Mit Blick auf Moynihan sagte er: „Ich möchte nicht, dass er zurücktritt. Brian, bleib bei der Arbeit“.

Derweil hat Moynihan die Flucht nach vorn angetreten. Er setzte ein Programm auf, mit dem er jährlich fünf Milliarden Dollar einsparen will. Und baut den Konzern grundlegend um. So entließ er kürzlich mit der Starbankerin Sallie Krawcheck das Aushängeschild des Privatkundengeschäfts und machte mit Tom Montag einen auf das Firmenkundengeschäft spezialisierten Investmentbanker zum neuen starken Mann.


"Verlasst diese Bank"

Damit dürfte sich der Geschäftsschwerpunkt verschieben. „Die Bank zieht sich aus dem immer stärker regulierten Privatkundengeschäft zurück und setzt auf Firmenkunden“, sagte Dick Bove, Analyst bei Rochdale Securities. Das Geschäft mit Privatkunden und mit den Kapitalmärkten ist in den USA durch die stärkere Regulierung nach der Finanzkrise und durch die steigenden internationalen Eigenkapitalanforderungen (Basel III) weniger attraktiv geworden.

Das Umfeld für Moynihan könnte derweil günstiger sein – denn BofA steht einmal mehr am Pranger, und zwar nicht nur bei den Protestlern von „Occupy Wall Street“. Der Bankchef hatte vergangenen Monat verkündet, sein Institut werde künftig seinen Kunden monatlich fünf Dollar berechnen, wenn sie mit ihrer Debit-Karte einkaufen. Seitdem ist die Wut groß. Der demokratische Abgeordnete Dick Durbin riet Kunden, ihr Konto zu kündigen. „Stimmt mit den Füßen ab und verlasst diese Bank“.

Das wäre besonders fatal für Moynihan. Denn der als ruhig und uneitel charakterisierte Vorstandschef will ja gerade weg vom glitzernden Finanzgiganten und hin zum klassischen Geschäft. Als er Ende 2009 in einem New Yorker Hotel Mitglieder des Verwaltungsratstraf traf, die einen Chef suchten, hatte nur einen Zettel dabei. Darauf stand nicht viel mehr als: Let’s get back to banking.

Quelle:  Handelsblatt Online
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