
Deutschlands zweitgrößte Bank ist mit schlechten Zahlen ins Jahr 2012 gestartet. Im ersten Quartal blieb dem Frankfurter Institut im operativen Geschäft ein Plus von nur 584 Millionen Euro. Während des entsprechenden Zeitraums im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank noch gut doppelt so viel erwirtschaftet.
Für Wehklagen an den Märkten sorgt das jedoch nicht, denn aus Sicht von Aktionären und Gläubigern der Bank ist aktuell eine andere Nachricht viel wichtiger als die Quartalszahlen: Die Commerzbank hat bestätigt, dass sie die Kapitalhürde aus dem Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht nicht nur einhalten kann, sondern mit einem deutlichen Abstand von rund einer Milliarde Euro überspringen wird.
Diesem Ziel hat das Management alles untergeordnet. Schrumpfen um jeden Preis ist zum Teil des Geschäftsmodells der Commerzbank geworden. Dagegen ist der neue Kurs für das Tagesgeschäft vorübergehend in den Hintergrund getreten. Allein im ersten Quartal 2012 hat die Bilanz 14 Milliarden Euro Gewicht verloren. Das konsequente Abspecken lässt sich nur auf Kosten der Profitabilität erreichen, wie der aktuelle Gewinneinbruch zeigt. „Im ersten Quartal lag unsere Priorität auf der Erreichung des EBA-Kapitalziels“, sagte CEO Martin Blessing. Beim Abbau von Risikoanlagen oder Krediten dürfte im Vordergrund gestanden haben, die Bilanz zu entlasten. Dabei mussten wegen des Zeitdrucks Verluste in Kauf genommen werden, denn die Deadline der Bankenaufsicht läuft Ende Juni aus.
Bild: dpaMartin Blessing -Commerzbank
Ein Mann, ein Mikrofon und viele markige Sprüche. „Mit meinen Commerzbank-Aktien habe ich mehr verloren als ich in vier Jahren netto verdient habe“, sagte er beispielsweise auf der Bilanz-PK am 23. Februar 2012. Bei der selben Veranstaltung äußerte er sich folgendermaßen: „Der Schuldenschnitt für Griechenland ist so freiwillig wie das Geständnis bei der spanischen Inquisition.“
Bild: dpaMartin Blessing
„Geldausgeben ist das Beste, um das Privatvermögen vor der Krise zu retten – mir fällt das ja nicht schwer“. Die Commerzbank darf Blessing und anderen Vorständen wegen der Staatshilfen nicht mehr als 500.000 Euro jährlich zahlen.
Bild: dpaMartin Blessing
Und noch einmal Martin Blessing: "Eigentlich zahlen wir ganz gerne Dividende“, sagte der Commerzbank-Chef auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz zu den Aussichten einer Gewinnausschüttung für die seit Jahren darbenden Aktionäre des Instituts.
Bild: dpaHochtief - Manfred Wennemer
So offene Worte hört man selten auf einer Hauptversammlung. Dem Aufsichtsratschef des Bauriesen Hochtief rutschte auf die Frage eines Aktionärs bezüglich der Entwicklung von Hochtief-Geschäft und mehrfachen Gewinnwarnungen folgendes heraus: „Dass wir alle frustriert sind, brauche ich Ihnen nicht zu erklären.“
Bild: ReutersDeutsche Bahn - Rüdiger Grube
"Ich muss nicht lernen, wie man Kaffee ausschenkt und Zeitungen verteilt. Wir zeigen mit dem Servicetag Interesse an der Arbeit unserer Mitarbeiter und Respekt und Wertschätzung für ihre Leistungen." Grube zum Einsatztag, den jeder Vorstand mindestens einmal pro Jahr im Tagesgeschäft in einem Bereich absolvieren muss.
Bild: REUTERSLufthansa - Christoph Franz
Für defizitäre Töchter gibt es keine Gnade. Franz droht, dass er seine Österreich-Tochter Austrian Airlines zusperrt, wenn sie nicht bald schwarze Zahlen schreibt. „Wir füttern auf Dauer niemanden durch.“ Aber auch im Mutterkonzern muss sich einiges tun, sagt der Lufthansa-Chef und verspricht radikale Veränderungen. Denn, kalauert Franz, „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“
Bild: dpaVolkswagen AG - Martin Winterkorn
"Ich möchte dem Berufsstand der Banker ja nicht zu nahe treten", erklärte Winterkorn süffisant auf die Frage einer Journalistin, ob die Vorstände in Anbetracht ihrer üppigen Gehälter die neuen Banker seien, "ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich im Falle von VW um reale Gewinne handelt". Betonung auf real.
Bild: dpa... und dann gibt es noch einen kleinen Tritt gegen die japanische Konkurrenz:,„Ich bin mir sicher, dass das, was Toyota passiert ist", und meint damit die Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen der Japaner, "uns nicht passiert.“ Sicher hatte Winterkorn, seines Zeichens auch Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, bei dieser Äußerung nicht bedacht, dass der Sportwagenbauer nur kurz zuvor 100.000 Cayenne-Modelle zurück in die Werkstätten rufen musste, weil sich Scheinwerfermodule gelöst hatten.
Bild: REUTERSE.On - Johannes Teyssen
„Eine qualitative Bewertung der Energiewende ist entbehrlich“, sagte er fast fröhlich, „wir müssen sie begleiten“, sagt er gespielt einsichtsvoll, um als nächstes den Hammer herauszuholen. „Was nützt es, wenn wir die Energiewende nicht gut finden und sie nicht gut finden?“ Das „Opfer ist dann Deutschland“, und das ist Teyssen entschieden zu viel. Ob die Energiewende gut oder schlecht sei, schlängelt sich Teyssen vordergründig wohlmeinend, in Wirklichkeit ätzend, werde sich „sowieso erst in einer Generation entscheiden“.
Bild: REUTERSFrank Stieler - Hochtief
Hochtief-Vorstandschef Frank Stieler verpasste seinem Konkurrenten Bilfinger Berger einen Seitenhieb. Auf die Frage, warum sein Unternehmen das Dach der Hamburger Elbphilharmonie ohne Einigung mit der Stadt und auf eigene Verantwortung verstärkt: „Wir sind nicht bereit das Risiko einzugehen, dass uns das passiert, was der Stadt Köln passiert ist im U-Bahn-Bau.“
Derzeit wird geklärt, ob Bilfinger Berger zum Teil Schuld am Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 trägt.
Martin Blessing -Commerzbank
Ein Mann, ein Mikrofon und viele markige Sprüche. „Mit meinen Commerzbank-Aktien habe ich mehr verloren als ich in vier Jahren netto verdient habe“, sagte er beispielsweise auf der Bilanz-PK am 23. Februar 2012. Bei der selben Veranstaltung äußerte er sich folgendermaßen: „Der Schuldenschnitt für Griechenland ist so freiwillig wie das Geständnis bei der spanischen Inquisition.“
Obwohl die von der Finanzaufsicht geforderte Kapitalquote jetzt übererfüllt ist, wird der Abbau von Geschäftsvolumen weitergehen. Große Teile des Mammutportfolios der Tochterbank Eurohypo muss die Commerzbank auf Weisung der Europäischen Kommission loswerden, um die während der Finanzkrise eingeheimste Staatshilfe zu kompensieren. Staatsanleihen und Teile der gewerblichen Immobilienfinanzierung müssen auf den Markt geworfen werden, sofern die Verträge nicht vor Ende der EU-Deadline 2013 auslaufen. Das ist eine Herkulesaufgabe für den neuen Finanzchef Stephan Engels, der seine Premiere bei der Vorstellung der Quartalszahlen souverän meisterte. „Zunächst geht es mir darum, die richtigen Fragen zu stellen und intensiv zuzuhören“, sagte Engels in einer Telefonkonferenz auf die Frage nach seinem Credo für den neuen Job.
Zum Erreichen der Kapitalquote hat der Nachfolger von Ex-Finanzchef Eric Strutz nach eigener Einschätzung keinen nennenswerten Beitrag leisten können. Kein Wunder, Engels ist erst seit April im Amt. Doch der ehemalige Autobanker aus dem Daimler-Konzern wird genügend Gelegenheiten haben, sich bei der Commerzbank zu bewähren. Neben der Beerdigung der Eurohypo muss er sich um die Rückzahlung der restlichen Staatshilfen kümmern. Neben einem Aktienanteil von einem Viertel ist noch ein Rest der Stillen Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin zurückzuführen.
Löst Engels diese Aufgabe, kann er sich auch bei seinen neuen Kollegen beliebt machen. Der Gehaltsdeckel für das Management wird erst aufgehoben, wenn die Commerzbank den Soffin ausbezahlt hat.
























