Quartalszahlen: Commerzbank verordnet sich drastische Schrumpfkur

Quartalszahlen: Commerzbank verordnet sich drastische Schrumpfkur

, aktualisiert 05. November 2011, 10:55 Uhr
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Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Das Institut stellt riskante Geschäftsfelder auf den Prüfstand.

Quelle:Handelsblatt Online

Neuer Tiefschlag für die Commerzbank: Die Schuldenkrise bringt ihr einen empfindlichen Quartalsverlust, die Prognose fürs Gesamtjahr ist hinfällig. Als Reaktion will die Bank ihre Risiken eindämmen.

FrankfurtDie Commerzbank will ihre verlustreichen Sparten drastisch eindampfen, um nicht zum dritten Mal seit der Finanzkrise den Staat anzapfen zu müssen. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo soll das Neugeschäft zeitweise ganz einstellen, auch das Kreditneugeschäft ohne Bezug zu Deutschland und Polen soll vorerst eingestellt werden, teilte die Bank am Freitag in Frankfurt mit.

Außer dem Internet-Broker Comdirect und der florierenden BRE Bank in Polen stehen alle Beteiligungen auf dem Prüfstand. Damit sollen die Risiken in der Bilanz um weitere 30 Milliarden Euro gesenkt werden, damit die Bank bis dahin die fehlenden 2,9 Milliarden Euro Eigenkapital wettmachen kann. Sie hatte im Frühjahr einen Großteil ihrer mehr als 18 Milliarden Euro Staatshilfen zurückgezahlt.

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Die Griechenland-Krise hat die teilverstaatlichte Commerzbank voll erwischt. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus rutschte im dritten Quartal wegen neuer Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen tief ins Minus. Bank-Chef Martin Blessing muss seine Prognosen zurücknehmen - auch wegen Problemen im Kerngeschäft.

Vor allem im Investmentbanking musste die Commerzbank Federn lassen, blieb aber im Unterschied zu vielen Konkurrenten knapp in den schwarzen Zahlen.

Zudem stoppt die Commerzbank das Neugeschäft bei der Problemtochter Eurohypo, die wegen der erhaltenen Staatshilfen in den kommenden Jahren verkauft werden muss. Blessing will so die Risiken verringern. Doch das reicht nicht aus, um die in der vergangenen Woche neu beschlossenen härteren Kapitalvorschriften für große europäische Banken zu erfüllen.

Die in der Krise vom Steuerzahler mit Milliarden gerettete Bank korrigierte den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen um weitere 798 Millionen Euro nach unten. Bereits im zweiten Quartal hatte das Institut ein Viertel des Wertes abgeschrieben und dafür eine Belastung von 760 Millionen Euro verbucht. Grund für die neue Abwertung ist die Ankündigung der Finanzbranche beim jüngsten Euro-Gipfel, freiwillig bei einem 50-prozentigen Schuldenschnitt für Griechenland mitzumachen.

Die Commerzbank hat das Engagement in den besonders hoch verschuldeten Staaten bereits deutlich reduziert und will dies weiter tun: Seit Jahresbeginn hat sie ihr Engagement in Staatsanleihen von Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien um mehr als 20 Prozent auf 13 Milliarden Euro gesenkt.

Die Commerzbank-Prognosen sind jetzt hinfällig: Für dieses Jahr sei für den Gesamtkonzern das Ergebnis nicht verlässlich zu prognostizieren, entscheidend sei die Entwicklung im europäischen Schuldendrama, schreibt Blessing in einem Brief an die Aktionäre.

Ziel war es bislang, den operativen Gewinn „signifikant“ über den Vorjahreswert von 1,4 Milliarden Euro zu steigern. Auch das Ziel für 2012, einen operativen Gewinn von 4 Milliarden Euro zu erwirtschaften, gab die Bank auf.

Der geplante Stopp des Eurohypo-Neugeschäfts soll die Risiken der Bank senken. Auch das Kreditgeschäft außerhalb Deutschlands und Polens wird auf Eis gelegt. Blessing will unter allen Umständen vermeiden, dass er noch einmal zum Staat gehen muss, um die Kapitallücke von knapp drei Milliarden Euro bis Mitte 2012 zu füllen. Die Schritte sollten nicht zulasten der deutschen Wirtschaft gehen.

Zudem will die Bank nicht zum Kerngeschäft gehörende Finanzierungen so schnell wie möglich abbauen und Finanzbeteiligungen verkaufen. Diese Schritte sollen der Bank dabei helfen, die vor einer Woche beschlossenen härteren Kapitalauflagen für große europäische Banken zu erfüllen.

Neben der Zurückhaltung beim Neugeschäft will die Bank Gewinne einbehalten und die Kosten weiter drücken. „So werden beispielsweise auch alle externen Beratungsleistungen und eingekaufte Serviceleistungen auf den Prüfstand gestellt.“

Der jetzt ausgewiesene Verlust hat weit reichende Folgen: Die Commerzbank wird aller Voraussicht nach auch 2011 keine Zinsen für ihre Staatshilfen zahlen. „Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) einen Gewinn ausweisen werden“, sagte Finanzchef Eric Strutz bei einer Analystenkonferenz.


Gehälter der Vorstände in Gefahr

Doch ein Gewinn nach dem deutschen Bilanzrecht HGB ist eine Voraussetzung dafür, dass die Bank Zinsen auf die stillen Einlagen des Bundes zahlen darf. Strutz betonte, er habe die Hoffnung auf einen HGB-Gewinn noch nicht endgültig aufgegeben. Angesichts der noch immer großen Verwerfungen an den Finanzmärkten gilt es allerdings als unwahrscheinlich, dass dies gelingen kann.

Das wiederum könnte sogar Bankchef Blessing und seine Kollegen persönlich treffen. Denn der eigene Aufsichtsrat hat die Vergütung für die Manager so lange gedeckelt, bis die Commerzbank die Stille Einlage voll bedient. So könnte die griechische Krise auch dazu führen, dass sich die Vorstände erneut mit einer halben Million Euro Gehalt begnügen müssen.

Schon in den vergangenen zwei Jahren hatte die Commerzbank die Zinsen auf die Staatshilfe nicht gezahlt. Nach der Tilgung von fast 90 Prozent der Stillen Einlage mit Hilfe einer Mega-Kapitalerhöhung schien der Rest aber ein Klacks - bis die Griechenland-Krise Blessing und seinen Kollegen in die Quere kam. Angesichts der gedrückten Stimmung an den Kapitalmärkten glauben Analysten schon, dass der scheidende Finanzvorstand Eric Strutz am Freitag endgültig Abschied von der Prognose nehmen wird, die Commerzbank 2012 werde operativ einen Gewinn von vier Milliarden Euro schreiben.

Dabei sieht es operativ nach Expertenschätzungen gar nicht so schlecht aus: Die Risikovorsorge für faule Kredite sei im dritten Quartal zwar höher als in den drei Monaten davor, aber ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Zins- und Provisionsüberschuss seien stabil, die Kosten rückläufig. Nur im Handel müsse die Bank in der Krise deutliche Abstriche machen - aber weil die Kapitalmarktsparte stark geschrumpft ist, fehlen da nicht einmal 200 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Eurohypo aber hängt wie ein Mühlstein an Blessings Hals - und ein Befreiungsschlag in Form eines Verkaufs ist umso weniger in Sicht, je länger die Krise dauert.

So bleiben auch dem neuen Finanzvorstand nur die kleinen Erfolge: Der Verkauf des „Silberturms“, der von der Deutschen Bahn genutzten früheren Dresdner-Bank-Zentrale in Frankfurt, bringt im vierten Quartal Finanzkreisen zufolge einen Extra-Gewinn. Doch vielleicht reicht das gerade noch dafür, dass es mit dem Geld für die Bundesregierung und der Gehaltserhöhung für den Vorstand doch klappt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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