Raimund Röseler: "Manche Banken werden schrumpfen"

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InterviewRaimund Röseler: "Manche Banken werden schrumpfen"

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Das Exekutivdirektor der Bankenaufsicht, Raimund Röseler

von Cornelius Welp und Angela Hennersdorf

Deutschlands wichtigster Bankenaufseher Raimund Rösler warnt vor Risiken bei der Kreditvergabe an Unternehmen und Hauskäufer und fordert die Branche auf zu schrumpfen.

WirtschaftsWoche: Herr Röseler, haben Sie und Ihre Kollegen bei der BaFin jetzt ein ruhiges Leben?

Raimund Röseler: Wir klagen sicher nicht über zu wenig Arbeit, derzeit ist es sogar besonders viel.

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Die EZB hat Ihnen aber doch viel abgenommen. Seit November kontrolliert sie die 21 größten deutschen Banken...

...und wir wie bisher alle kleineren. Das sind rund 1800. Die EZB will regelmäßig Informationen über deren Lage, die müssen wir liefern. Und auch bei den anderen sind wir nicht raus. Über die großen deutschen Banken wachen jetzt internationale Aufsichtsteams. In denen sind Mitarbeiter der BaFin reichlich vertreten.

Sie sind dabei, haben aber nichts mehr zu sagen. Schmerzt Sie das?

Die Entscheidungen zu den großen Banken treffen tatsächlich nicht mehr wir, sondern die EZB. Aber bei der Vorbereitung haben wir weiter eine wichtige Rolle. Zudem sind wir jetzt auch in die Aufsicht über Banken anderer Länder eingebunden. Die BaFin ist nicht unwichtiger als vorher.

Europas Bankentests in Zahlen

  • 8 Prozent...

    ...hartes Kernkapital müssen Banken am Ende von Bilanzcheck und Stresstest mindestens vorweisen. Kapital also, das im Falle von Verlusten uneingeschränkt zur Verfügung steht.

  • 24 Institute...

    ...aus Deutschland hat die EZB unter die Lupe genommen: 23 deutsche plus den Deutschland-Ableger der schwedischen SEB.

  • 48 Stunden

    Spätestens 48 Stunden vor Veröffentlichung der Daten am Sonntag, 26. Oktober, 12.00 Uhr, wollen die Aufseher die Institute über ihre jeweiligen Resultate informieren.

  • 120 führende Banken im Euroraum...

    ...werden vom 4. November an zentral von der EZB überwacht.

  • 124 Banken...

    ...hat die Bankenaufsicht EBA im Stresstest untersucht, darunter auch in Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Dänemark.

  • 130 Institute...

    ...nahm die EZB unter die Lupe.

  • 2000 Aufseher und Wirtschaftsprüfer...

    ...waren allein in Deutschland mit der Überprüfung der Banken beschäftigt.

  • 2013 ist das Ausgangsjahr...

    ...für die Bankentests, anhand der Daten zum Bilanzstichtag 31. Dezember wurde gerechnet.

  • 6000 Aufseher und Prüfer...

    ...waren in ganz Europa mit den Tests befasst - plus zahlreiche Mitarbeiter bei den einzelnen Banken.

  • Im zweistelligen Millionenbereich...

    ...sehen viele Banken die Kosten für die Übung.

  • Fast 500 Millionen Euro...

    ...kosten die Bankenchecks nach Berechnungen der „Financial Times“ allein die EZB und Aufsichtsbehörden aus 8 Ländern.

Wie viele Aufseher sind von Ihnen zur EZB gewechselt?

Etwas mehr als 30. Wir besetzen alle Stellen nach – mit sehr guten Kandidaten.

Vor der Übernahme der Aufsicht hat die EZB die Banken im Stresstest geprüft. Die deutschen haben alle bestanden, trotzdem sind Aufseher besorgt. Warum?

Der Stresstest war eine erfolgreiche Übung. Er hat die Banken schon vorab dazu gebracht, ihre Kapitalbasis zu stärken und die Aufseher mit einer Fülle wertvoller Informationen versorgt. Auf denen können sie aufbauen. Aber er war eben eine Simulation und nicht das wirkliche Leben.

Sind Sie besorgt um deutsche Banken?

Es gibt die bekannten Risiken, etwa aus der Finanzierung von Schiffen und Gewerbeimmobilien oder aus Gerichtsprozessen. Die halte ich alle für beherrschbar. Gravierender ist, dass etlichen Banken auch angesichts dauernder Niedrigzinsen ein überzeugendes Geschäftsmodell fehlt. Sie brauchen aber eine gesunde Ertragsbasis, um stabil zu sein.

Woran hakt es?

Unsere Sorge ist der Herdentrieb. Aktuell stürzen sich zum Beispiel alle auf das Geschäft mit Mittelständlern. Es gibt aber gar nicht genug Unternehmen, an denen sie alle ausreichend verdienen können. Der Wettbewerb führt dazu, dass die Verdienstspannen sinken. Die Banken nehmen das in Kauf, weil sie glauben, dass sie den Unternehmen zusätzliche Produkte verkaufen können. Das funktioniert aber nur sehr eingeschränkt. Wir nähern uns der Grenze, ab der die Konditionen der Firmenkredite das Risiko nicht mehr angemessen spiegeln. Die Ampel steht auf Gelb.

Wie könnten Sie gegensteuern?

Wir werden nicht tatenlos zusehen. Wir könnten verlangen, dass Banken eingegangene Risiken mit mehr Kapital unterlegen müssen. Das macht das Geschäft teurer.

Gibt es eine Preisblase bei Immobilien?

Die Preise in einigen Ballungsgebieten sind bekanntermaßen stark gestiegen. Die Banken haben die Vergabe-Konditionen bisher aber nicht flächendeckend gelockert. Noch sind die Finanzierungen ganz überwiegend solide. Bei einem Preisverfall müssten deshalb die Immobilienkäufer bluten, aber nicht zwingend die Banken.

Finanzaufsicht BaFin rüffelt Vergütungssystem der Deutschen Bank

Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat das Vergütungssystem der Deutschen Bank gerügt und Deutschlands größtes Finanzinstitut aufgefordert, die gesetzlichen Regelungen einzuhalten.

Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin rügt das Vergütungssystem der Deutschen Bank. Quelle: REUTERS

Mögliche Fehlentwicklungen entstehen dadurch, dass die Zinsen so niedrig sind und auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. Wie hart trifft das die deutschen Banken?

Es ist eine enorme Herausforderung, auch für kleinere Institute. Die leben in erster Linie von Zinserträgen, also der Spanne zwischen Einlagen- und Kreditzinsen. Das bringt im derzeitigen Umfeld kaum noch Erträge. Viele haben zudem in der Vergangenheit aktiv Fristentransformation betrieben, indem sie ihnen kurzfristig anvertrautes Geld langfristig teurer verliehen haben. Bei Instituten, die dies in großem Stil gemacht haben, haben wir gegengesteuert.

Die derzeitige Lage erinnert an die Zeit vor der Finanzkrise ab 2007. Damals vergaben Banken Kredite zu lax und legten überschüssige Mittel in riskanten Wertpapieren an. Die Folgen waren desaströs. Droht eine Wiederholung?

Die Banken haben damals im Inland nicht genug verdient und sind deshalb in riskante Anlagen im Ausland oder das sogenannte Kreditersatzgeschäft ausgewichen. Wir beobachten deshalb sehr genau, wo ihr Geld hinfließt. Im Augenblick sehen wir diese Entwicklung aber noch nicht. Das Finanzsystem ist deutlich stabiler als 2008. Die Aufseher sind besser vorbereitet. Das heißt aber nicht, dass wir wissen, wo die nächste Krise herkommt.

Einige Institute wissen offenkundig nicht mehr, was sie mit dem Geld ihrer Kunden anfangen sollen, und erheben Negativzinsen für Einlagen. Trifft das neben Unternehmenskunden bald auch Sparer?

Als Aufsicht halten wir uns aus dem Thema raus. Zumindest bei Privatkunden werden das vermutlich Ausnahmen bleiben, dafür ist der Wettbewerb schlicht zu hart.

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