Rekordstrafen drohen: Deutsche Bank soll sich im Libor-Skandal schuldig bekennen

Rekordstrafen drohen: Deutsche Bank soll sich im Libor-Skandal schuldig bekennen

Die USA erhöhen den Druck bei den Ermittlungen gegen die Deutsche Bank. Wegen der Manipulation von Libor und Euribor drohen heftige Strafen.

Die USA und Großbritannien machen bei den Ermittlungen gegen die Deutsche Bank Druck. Wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen wollen die angelsächsischen Behörden das größte deutsche Geldhaus in den kommenden Monaten zu einer beträchtlichen Strafe verdonnern, wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete. Wahrscheinlich sei ein Abschluss des Verfahrens Ende 2014 oder Anfang 2015, schrieb das Blatt unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zählt zu den größten Altlasten der Deutschen Bank. Im Gegensatz zu vorangegangenen Vergleichen mit Geldhäusern erwägen die Ermittler laut "New York Times", dass sich die Deutsche Bank oder eine ihrer US-Niederlassungen im Rahmen der Einigung schuldig bekennen muss, den Libor manipuliert zu haben. Endgültig entschieden sei das aber noch nicht.

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Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den Zeitungsberichten nicht äußern. Das Institut kooperiere bei den Libor-Ermittlungen mit den Behörden, erklärte ein Banksprecher. Einige Mitarbeiter hätten auf eigenen Initiative gegen Richtlinien der Bank verstoßen und seien dafür bestraft worden. Frühere oder aktuelle Vorstandsmitglieder seien nicht betroffen.

Auch im Skandal um Manipulationen am Devisenmarkt hätten die Behörden Dokumente von der Bank angefordert. Das Institut arbeite hier ebenfalls mit den Regulierern zusammen und werde disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter ergreifen, falls dies erforderlich sei.

USA wollen Banken wegen Devisenskandal verklagen

Wegen der Devisenmarkt-Affäre wollen die US-Behörden laut "New York Times" bis Ende des Jahres mindestens gegen eine Bank Anklage erheben. Im Gegensatz zu anderen Fällen könnten die Ermittler dabei nicht nur gegen die Geldhäuser, sondern gegen einzelne Mitarbeiter vorgehen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Anwälte. In Online-Chats, mit deren Hilfe sich die Händler den Ermittlern zufolge abgesprochen haben, gebe es genügend belastendes Material.

Die Deutsche Bank will wegen der anstehenden Vergleiche Finanzkreisen zufolge mehr Geld für mögliche Strafen zurücklegen. Das werde das Ergebnis im dritten Quartal belasten, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Montag berichtet. Besonders den Libor-Fall möchten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen baldmöglichst aus der Welt schaffen.

In den Skandal sind Großbanken weltweit verstrickt. Einzelne Händler hatten sich nach Erkenntnissen der Ermittler bei wichtigen Referenzzinsen wie Libor und Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne einzustreichen. Die EU hat ihre Strafen bereits Ende vergangenen Jahres verhängt: Der Deutschen Bank wurden damals 725 Millionen Euro aufgebrummt. Eine Sonderprüfung der deutschen Finanzaufsicht BaFin läuft noch.

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Die Deutsche Bank zählt auch zu den Instituten, die wegen schon länger zurückliegender umstrittener Geschäfte mit dem Iran im Visier der US-Behörden stehen. Zunächst erwarten Branchenkenner jedoch, dass sich hier die Commerzbank mit den Behörden vergleicht.

Eine Einigung im Devisenmanipulations-Skandal steht dagegen vorerst nicht auf der Prioritätenliste der Deutschen Bank, wie Insider berichteten. Das liege auch daran, dass die internen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Insofern komme auch eine Art "Sammelvergleich" mit anderen Finanzinstituten nicht infrage, über den zuletzt berichtet wurde.

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