Risikomanagement: Wie die Deutsche Bank den Ernstfall probt

Risikomanagement: Wie die Deutsche Bank den Ernstfall probt

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Paul Fraser, der Chef des Risikozentrums, zeigt sich kampferprobt. 22 Jahre lang diente er in der britischen Armee.

von Cornelius Welp

Staatsschuldenkrise und weltweite Regulierung verändern das Bankgeschäft in den Grundfesten. Wie sich die Finanzbranche anpasst, zeigt beispielhaft das Risikozentrum der Deutschen Bank in Berlin.

Ankit Mathur klickt sich durch ein Gewirr von Zahlen, die Datenkolonnen fliegen über den Bildschirm. Es geht um Staatsanleihen, deren Wert in den Büchern der Deutschen Bank Mathur auf den Marktpreis reduziert. Der Inder nimmt das vor, was 2011 zur allseits beliebten Disziplin geworden ist: In einem Stresstest berechnet er, wie viel die Bank in einem verschärften Krisenszenario verlieren würde. Mathur sitzt im Risikozentrum der Deutschen Bank. Was derzeit in der Nähe des Bahnhofs Zoo im Gebäude der 2006 übernommenen Berliner Bank entsteht, ist ein für die Finanzbranche wegweisendes Projekt. Große Teile des bisher weltweit über Standorte und Abteilungen verstreuten Risikomanagements rücken unter einem Dach zusammen, die Zahl der Stellen erhöht sich deutlich.

Der Umbau soll Deutschlands dominierender Bank einen dicken Panzer gegen die Unbehaglichkeiten einer schwankungsanfälligen und stärker regulierten Finanzwelt verschaffen. „In Berlin sehen wir die Zukunft der Finanzindustrie“, sagt Risikovorstand Hugo Bänziger. „Techniker sind wichtiger als Vertriebsleute, und quantitative Fähigkeiten bedeuten den Eintritt in die Branche.“ Was er damit meint, atmet den Charme des Unfertigen. Die Räume sind nur teilweise besetzt, 500 Leute sollen hier arbeiten, 300 sind seit dem Startschuss Mitte 2010 gekommen. Sie sitzen aufgereiht an langen Tischen, klicken sich durch Datenkolonnen und juristische Dokumente, Gespräche sind selten. Sie sind jung – das Durchschnittsalter ist 33 – und bunt gemischt.

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Zukunft der Finanzindustrie

Sie kommen aus 23 Nationen, gerade mal ein Drittel stammt aus Deutschland. Die Teppiche sind Deutsche-Bank-blau, ein großes Logo des Arbeitgebers und eine Stellwand mit Fotos neuer Kollegen sind nahezu der einzige Schmuck in der Nüchternwelt. Damit sich alle verstehen, ist Englisch Umgangssprache. Im „Quant-Institut“ im zweiten Stock würden sich die meisten Menschen auch auf Deutsch schwer tun, den Ausführungen der dort Arbeitenden zu folgen. Schon die an den Wänden aufgehängten Illustrationen zeigen, worum es geht: Ein Motiv, karges Schwarz auf Weiß, lautet schlicht „Zahl 5678“. Alle 60 hier Beschäftigten haben Mathe, Physik oder theoretische Computerwissenschaft studiert, fast die Hälfte hat promoviert.

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