Riskanter Schlussverkauf: Banken verschieben Milliarden an unregulierte Fonds

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Riskanter Schlussverkauf: Banken verschieben Milliarden an unregulierte Fonds

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Renner auf der Resterampe: Von der Commerzbank finanzierter Heron Tower in London

von Cornelius Welp

Schnell weg mit dem Schrott: Deutsche Banken werden Altlasten zurzeit deutlich besser los als erwartet. Die Folge: Finanzierungen in Milliardenhöhe wandern zu unregulierten Fonds.

Mit 46 Stockwerken und mehr als 200 Metern ragt der Heron Tower mächtig in den Himmel über London. Der imposante City-Bau ist auch ein Mahnmal für hochfliegende Pläne deutscher Immobilienbanken. 2007 hatte ihn die zur Commerzbank gehörende Eurohypo über einen Kredit von 250 Millionen Euro mitfinanziert.

Sieben Jahre später sind die Wachstumsträume der Eurohypo geplatzt, neues Geschäft macht sie schon lange nicht mehr. Was übrig ist, wird abgewickelt. Das einstige Renommierprojekt Heron Tower ist schon weg. Im Sommer 2013 verkaufte die Commerzbank den Kredit zusammen mit anderen britischen Immobilienfinanzierungen auf einen Schlag: Die besseren gingen an die US-Bank Wells Fargo, die schlechteren an Finanzinvestor Lone Star.

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Das war der Auftakt zum beschleunigten bilanziellen Großkehraus. Die Altlasten in den Abbauabteilungen der Banken schrumpfen seitdem wie Eisberge im August. Was vor einem Jahr noch als Schrott und Giftmüll galt, flutscht problemlos weg – und das zu Preisen, mit denen die Institute selbst in optimistischen Szenarien kaum zu rechnen wagten. Doch der Ausverkauf hat auch eine Schattenseite: Werte in Milliardenhöhe wandern vor allem zu schwach regulierten und kontrollierten Fonds.

Ein gefundenes Fressen

Die Aufseher sehen dem Treiben mit gemischten Gefühlen zu. „Der Verkauf von Vermögenswerten an alternative Investoren ist nicht per se schlecht“, sagt der für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Allerdings könnten so außerhalb des Bankensystems systemische Risiken entstehen. „Für Deutschland lässt sich ein Aufbau solcher Risiken nicht feststellen, die Situation sollte aber weiter beobachtet werden“, sagt Dombret.

Die Brosamen vom Bankentisch sind ein willkommenes Fressen für Fonds auf Renditesuche. „Einige Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften haben Mittel eingeworben, die zum Teil spezifisch in notleidende Kredite in Europa angelegt werden sollen. Das Angebot der Verkäufer trifft auf große Nachfrage“, sagt Björn Storim, Bankenexperte bei Credit Suisse in Frankfurt. Die Käufe lohnen sich schon deshalb, weil Banken den Fonds oft die Hälfte und mehr des Kaufpreises leihen. Mit dem sogenannten Hebeleffekt durch die Fremdfinanzierung steigern die Fonds die Rendite auf das von ihnen eingesetzte Kapital.

Banken Commerzbank räumt Altlasten auf

Die Quartalszahlen von Deutschlands zweitgrößter Bank sind nicht gut, aber besser als erwartet. Der Hoffnungsschimmer reicht, um Aktionäre jubeln zu lassen.

Die heute präsentierten Geschäftszahlen regen die Hoffnung, dass die angeschlagene Commerzbank auf dem Weg der Erholung ist. Quelle: dpa

Die Papiere lassen sie liegen oder verkaufen sie häppchenweise weiter. Sie sind damit zwar aus den Bankbilanzen verschwunden. Doch über die Kaufkredite an die Fonds sind die Banken weiter im Risiko. Gerät ein Fonds in Schwierigkeiten – etwa weil Papiere deutlich an Wert verlieren –, drohen dem finanzierenden Institut Abschreibungen auf seinen Kredit. Das schreckt die Banken jedoch kaum. Ihre Finanzierungsbedingungen sind wieder ähnlich lax wie vor der Krise 2007.

Damals waren die Preise vieler Vermögenswerte in der allgemeinen Panik ins Bodenlose gestürzt. Ganz so übel waren die Papiere oft aber doch nicht. Vor allem Verbriefungen von US-Krediten haben sich erholt. Einige, die in der Krise Wertabschläge von rund 60 Prozent erlebten, notieren heute wieder bei mehr als 90 Prozent. Die Schuldner waren nicht ganz so zahlungsschwach wie gedacht.

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