Sal. Oppenheim: Der tiefe Sturz der Oppenheims

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Sal. Oppenheim: Der tiefe Sturz der Oppenheims

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von Cornelius Welp und Henryk Hielscher

Der Prozess nähert sich dem Ende, den früheren Chefs der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim drohen Gefängnis und wirtschaftlicher Ruin. Die Macht? Das Geld? Der gute Ruf? Alles verloren. Der tragische Fall einer großen Unternehmer-Familie.

Um ihn ist alles braun, mausbraun, tiefbraun, holzbraun, der Teppichboden, die Sesselpolster, die Wandvertäfelung. Mittendrin in dieser Gerichts-Tristesse sitzt Matthias Graf von Krockow und weiß nicht, wie ihm geschieht. Einst hat er Masse und Macht in einer Person verkörpert, jetzt ist nur noch Masse übrig. Der graue Anzug sitzt schlecht, das Hemd rutscht ihm beim Aufstehen aus der Hose, sein Gang ist schwer. Manchmal nur, für ein paar Momente, ist er fast der Alte, jener Banker, der so gerne flotte Sprüche klopfte. Dann blitzen seine Augen auf, suchen, aber sie finden nichts. Früher haben sich alle um ihn geschart, aber jetzt, da er auf der Anklagebank sitzt, erwidert niemand den Blick. Und in der Pause steht der Graf allein auf dem Flur und wartet, dass sein Prozess weitergeht.

Drinnen, im Saal 210 des Kölner Landgerichts, versucht Richterin Sabine Grobecker seit mehr als zwei Jahren zu klären, wie von Krockow und seine vier Mitangeklagten jene Bank heruntergewirtschaftet haben, die als unzerstörbar galt: Sal. Oppenheim, 1789 gegründet, unbeschadet durch Kriege und Revolutionen gegangen und dann 2009 spektakulär knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Die Deutsche Bank musste die nach eigenem Bekunden damals größte Privatbank Europas retten, auf einmal war diese nicht mehr selbstständig.

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Die fatale Beziehung zwischen Karstadt-Quelle und der Sal. Oppenheim

  • Juni 2001

    Madeleine Schickedanz erhöht ihren Anteil an Karstadt-Quelle mit einem ersten Kredit von Sal. Oppenheim

  • Oktober 2004

    Zweiter Millionenkredit an Schickedanz

  • April 2005

    Sal. Oppenheim gibt Schickedanz über eine Tarngesellschaft in der Schweiz einen weiteren Kredit von 380 Millionen Euro für die Übernahme der Mehrheit an dem Handelskonzern. Einige Gesellschafter und Josef Esch bürgen persönlich

  • 2008

    Kursverfall des 2007 in Arcandor umgetauften Handelskonzerns. Das Risikomanagement der Bank fordert weitere Sicherheiten für die Kredite, die Bankführung ignoriert die Warnungen

    September: Arcandor steht erstmals vor der Pleite, Sal. Oppenheim steigt als Großaktionär ein und gibt einen Rettungskredit

  • 2009

    März Der Ex-Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick löst Thomas Middelhoff als Arcandor-Chef ab

    Juni Arcandor meldet Insolvenz an

    August Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim beginnen Verhandlungen über eine Beteiligung

    Oktober Die Deutsche Bank gibt die Komplettübernahme von Sal. Oppenheim bekannt

    Dezember Matthias Graf von Krockow tritt als Chef zurück

Jeder kämpft für sich allein

220 Jahre unabhängige Bank- und Familiengeschichte waren ausradiert, das steckt man nicht so einfach weg. Allseitige Abneigung ist im Gerichtssaal, wo der Bankclan sich jetzt regelmäßig trifft, spürbar. Jeder kämpft für sich allein: Ex-Bankchef von Krockow, die anderen früheren Top-Manager Christopher von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt und auch der mit angeklagte Immobilienunternehmer Josef Esch. Die Nerven liegen blank, nicht nur bei ihnen. Das Verfahren hat eine traumatisierende Wirkung auf alle Beteiligten. Angeklagte, Angehörige. Selbst Staatsanwälte und Richterin. Sie alle sehnen schon lange das Ende herbei.

In den kommenden Wochen beginnen die Plädoyers, möglichst noch im Mai will Richterin Grobecker das Urteil verkünden. Sie hat schon erklärt, dass sie die Bankiers für schuldig hält, die Strafen sollen zwischen 20 Monaten und drei Jahren liegen, von Krockow muss wohl am längsten büßen. Wenn er Glück hat, kommt er gerade so mit Bewährung davon, doch die Staatsanwälte wollen ihn im Gefängnis sehen. Im Zweifel gehen sie dafür in Berufung.

Die Geschichte ist eigentlich auch zu groß und zu tragisch, um einfach auszuklingen.

Sal. Oppenheim-Übernahme Deutsche Bank zahlt Millionen an Alt-Eigentümer

Die Deutsche Bank zahlt den Alteigentümern der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim einen Nachschlag zum Kaufpreis der im Oktober 2009 für rund eine Milliarde Euro übernommenen Bank.

Die Zentrale der Sal. Oppenheim spiegelt sich in einer Filiale der Deutschen Bank Quelle: dpa

Sal. Oppenheim war ja nicht nur das bevorzugte Geldhaus der Reichen und Mächtigen. Bank und Familie waren seit Jahrhunderten eine Kölner Institution. Sie hatten mitgewirkt beim Bau der ersten Eisenbahn, der Gründung des Zoos, dem Aufbau des Dombauvereins. Sie waren Wohltäter, förderten Kunst und Kultur, aber am wohltätigsten waren sie doch zu sich selbst. Ihr Fall ist der Stoff, aus dem aufwendige TV-Mehrteiler sind. Wo steckt eigentlich Dieter Wedel, wenn er mal gebraucht wird?

Distanz zwischen früheren Kollegen

Der Niedergang ist auch ein Lehrbeispiel dafür, was mit Familiendynastien passiert, wenn ihre Tugenden zu Sünden pervertieren. Dann wird die Nähe so groß, dass es keine wirksamen Kontrollen mehr gibt, dann vermengen sich persönliche Interessen so sehr mit denen des Unternehmens, dass sie diesen schließlich entgegenstehen. Und das Erreichte gilt als so selbstverständlich, dass man es laufen lässt, bis es auf einmal weg ist. Für immer.

Seine eigene Vergangenheit trifft Krockow heute nur noch vor Gericht. Aus der Bank selbst haben die neuen Eigentümer von der Deutschen Bank ihn und seine Kollegen nach der Übernahme schnell vertrieben. Nun sehen sie sich immer mittwochs und donnerstags um Punkt zehn Uhr im Gericht. Krockow hat der Niedergang ebenso sichtbar mitgenommen wie von Oppenheim, Abkömmling der einst dominierenden Eignersippe. Auch die beiden familienfremden Ex-Top-Manager Janssen und Pfundt sind angespannt, sie bemühen sich um Distanz zu ihren früheren Kollegen, denen sie die Hauptschuld zuschieben wollen.

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1 Kommentar zu Sal. Oppenheim: Der tiefe Sturz der Oppenheims

  • Bestimmt nicht wünschenswert, aber es könnte sein, daß den
    Verursachern eine Begegnung mit dem Gründer der Oppen-
    heim Bank, Salomon Oppenheim, im Jenseits noch bevorsteht.

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