Sal.-Oppenheim-Prozess: Angeklagte bitten das Gericht um Milde

Sal.-Oppenheim-Prozess: Angeklagte bitten das Gericht um Milde

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Der ehemalige Banker Matthias Graf von Krockow steht im Landgericht in Köln.

Die Angeklagten im Sal.-Oppenheim-Prozess bitten das Gericht um einen Verzicht auf Haftstrafen. In der kommenden Woche wird das Urteil gegen vier Ex-Bankiers gesprochen.

Zum Abschluss des Strafprozesses um den Niedergang des Bankhauses Sal. Oppenheim haben die Angeklagten das Gericht um einen Verzicht auf Haftstrafen gebeten. Er habe sein Versprechen nicht halten können, die traditionsreiche Privatbank an eine neue Generation zu übergeben, sagte der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter der Bank, Matthias Graf von Krockow, am Donnerstag vor dem Kölner Landgericht.

"Daran trage ich schwer." Er habe viele Fehler gemacht, wolle aber nun helfen, die Folgen abzumildern. "Ich bitte sie, mir diese Perspektive nicht zu nehmen."

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Die fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

  • Matthias Graf von Krockow

    ... ist mit den Oppenheims verschwägert und war seit 1998 der Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter - und somit eine Art Vorstandschef. Kurz vor der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank schied er 2009 aus. Seinem Anwalt zufolge übernimmt er im unternehmerischen Sinne die Verantwortung für seine Entscheidungen, sieht aber keine strafrechtliche Relevanz. Durch die Beinahe-Pleite habe auch er selbst den Großteil seines eigenen Vermögens verloren.

  • Friedrich Carl Janssen

    ... war ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter. Der frühere Wirtschaftsprüfer kam 2002 zu Sal. Oppenheim, war ab 2004 für das Risikomanagement verantwortlich. Vier Jahre später wurde er vorübergehend Aufsichtsratschef beim später pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. Im Strafprozess hat er sich als einen erst spät Hinzugekommenen „ohne Führungsanspruch“ dargestellt. Im Nachhinein werte er seinen Wechsel zu Sal. Oppenheim als „Fehler“.

  • Dieter Pfundt

    ... war Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte das Investmentgeschäft Riesenverluste. Auch er hat im Strafverfahren seine Rolle als eher klein dargestellt.

  • Chirstopher Freiherr von Oppenheim

    ... war der Namensträger im früheren Topmanagement, er ist Ururururenkel des Bankengründers. CvO war zuständig für das exklusive Privatkunden-Geschäft. Er wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das dafür nötige Kapital fehlte aber. Janssen und Pfundt sagten im Strafprozess aus, die eigentliche Macht habe bei CvO und dem Grafen gelegen. Doch von Oppenheim selbst sah sich nach eigener Aussage zunehmend von Entscheidungsprozessen abgeschnitten.

  • Josef Esch

    ... ist ein Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn. Zusammen mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Im Prozess präsentierte er sich als Außenstehender, der in die inneren Bankvorgänge nicht einbezogen gewesen sei. Dagegen schilderten ihn Zeugen wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und die Großaktionärin Madeleine Schickedanz als zentralen Entscheidungsträger.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die vier angeklagten Ex-Bankiers Haftstrafen wegen schwerer Untreue in zwei Fällen gefordert. Hintergrund waren Investments in den späteren Pleite-Konzern Arcandor und eine umstrittene Immobilien-Transaktion.

Auf der Anklagebank sitzen neben Krockow auch Dieter Pfundt, Christopher von Oppenheim und Friedrich Carl Janssen, die alle persönlich haftende Gesellschafter der Bank waren. Für Krockow fordert die Anklage drei Jahren und drei Monate Gefängnis, für Oppenheim zwei Jahre und acht Monate, für Pfundt zwei Jahre und zehn Monate sowie für Janssen drei Jahre und sechs Monate.

Die Verteidiger bestritten, dass sich ihre Mandanten der schweren Untreue schuldig gemacht haben. Krockow und Oppenheim hatten in dem Prozess, der sich über mehr als zwei Jahre hinzog, Fehlverhalten eingeräumt. Janssen betonte, er sei davon ausgegangen, "dass wir Arcandor erfolgreich sanieren können".

Die Ankläger hatte den Ex-Bankiers Pflichtverletzungen beim Arcandor-Engagement des Bankhauses vorgeworfen. Sie hätten sich unter anderem notwendige Informationen nicht beschafft, gegen Geschäftsordnungen der Bank verstoßen und persönliche Interessen mit denen des Bankhauses vermischt.

Die fatale Beziehung zwischen Karstadt-Quelle und der Sal. Oppenheim

  • Juni 2001

    Madeleine Schickedanz erhöht ihren Anteil an Karstadt-Quelle mit einem ersten Kredit von Sal. Oppenheim

  • Oktober 2004

    Zweiter Millionenkredit an Schickedanz

  • April 2005

    Sal. Oppenheim gibt Schickedanz über eine Tarngesellschaft in der Schweiz einen weiteren Kredit von 380 Millionen Euro für die Übernahme der Mehrheit an dem Handelskonzern. Einige Gesellschafter und Josef Esch bürgen persönlich

  • 2008

    Kursverfall des 2007 in Arcandor umgetauften Handelskonzerns. Das Risikomanagement der Bank fordert weitere Sicherheiten für die Kredite, die Bankführung ignoriert die Warnungen

    September: Arcandor steht erstmals vor der Pleite, Sal. Oppenheim steigt als Großaktionär ein und gibt einen Rettungskredit

  • 2009

    März Der Ex-Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick löst Thomas Middelhoff als Arcandor-Chef ab

    Juni Arcandor meldet Insolvenz an

    August Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim beginnen Verhandlungen über eine Beteiligung

    Oktober Die Deutsche Bank gibt die Komplettübernahme von Sal. Oppenheim bekannt

    Dezember Matthias Graf von Krockow tritt als Chef zurück

Durch die Billigung eines Kredits und einer Beteiligung an Arcandor im Jahr 2008 sei der Bank allein ein Schaden von rund 80 Millionen Euro entstanden. Die Bank hatte sich der Anklage zufolge ab 2001 über Engagements ihrer Großkundin Madeleine Schickedanz mit immer neuen Krediten eng mit dem damaligen Karstadt-Quelle-Konzern verbunden, dem Vorgänger von Arcandor.

Die Bank habe darauf gesetzt, das Unternehmen von der Börse zu nehmen und Immobilien der Karstadt-Warenhäuser unter Einbindung des fünften Angeklagten Josef Esch verwerten zu können. Diese Pläne hätten sich aber zerschlagen - wie auch die Hoffnung auf Kursgewinne der Arcandor-Aktien, mit denen Kredite der Bank besichert waren.

Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, geriet Sal. Oppenheim in den Sog. Die Privatbank wurde letztlich von der Deutschen Bank aufgefangen. Dem ehemaligen Sal-Oppenheim-Geschäftspartner Esch droht nach dem Willen der Staatsanwaltschaft nun eine Geldstrafe. Das Urteil soll kommenden Donnerstag, dem 9. Juli, verkündet werden.

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