Sal. Oppenheim-Prozess: Der Mammutprozess endet, mit Beigeschmack

KommentarSal. Oppenheim-Prozess: Der Mammutprozess endet, mit Beigeschmack

von Cornelius Welp

Das Urteil im Sal. Oppenheim-Prozess ist ausführlich, gründlich, gut formuliert. Und ungerecht.

„Soll ich heute auf Knien reinkommen?“, murmelt der frühere Bankchef Matthias Graf von Krockow zu sich selbst, als er begleitet von seinen Verteidigern pünktlich um zehn Uhr den Sitzungssaal des Kölner Landgerichts betritt. In den vergangenen zwei Jahren ist der so etwas wie die unfreiwillige Heimat des früheren Vormanns der Privatbank Sal.Oppenheim geworden.

Er und seine ehemaligen Partner an der Spitze müssen sich hier wegen Untreue verantworten, sie haben hier deutlich mehr als hundert Verhandlungstage verbracht, Stunde um Stunde den Aussagen früherer Mitarbeiter und Geschäftspartner zugehört. Nun ist das Ende da. Es sind noch mal eine Menge Fotografen gekommen, der Zuschauerraum ist gut gefüllt, als Richterin Sabine Grobecker mit der Verlesung des Urteils beginnt.

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Die fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

  • Matthias Graf von Krockow

    ... ist mit den Oppenheims verschwägert und war seit 1998 der Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter - und somit eine Art Vorstandschef. Kurz vor der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank schied er 2009 aus. Seinem Anwalt zufolge übernimmt er im unternehmerischen Sinne die Verantwortung für seine Entscheidungen, sieht aber keine strafrechtliche Relevanz. Durch die Beinahe-Pleite habe auch er selbst den Großteil seines eigenen Vermögens verloren.

  • Friedrich Carl Janssen

    ... war ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter. Der frühere Wirtschaftsprüfer kam 2002 zu Sal. Oppenheim, war ab 2004 für das Risikomanagement verantwortlich. Vier Jahre später wurde er vorübergehend Aufsichtsratschef beim später pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. Im Strafprozess hat er sich als einen erst spät Hinzugekommenen „ohne Führungsanspruch“ dargestellt. Im Nachhinein werte er seinen Wechsel zu Sal. Oppenheim als „Fehler“.

  • Dieter Pfundt

    ... war Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte das Investmentgeschäft Riesenverluste. Auch er hat im Strafverfahren seine Rolle als eher klein dargestellt.

  • Chirstopher Freiherr von Oppenheim

    ... war der Namensträger im früheren Topmanagement, er ist Ururururenkel des Bankengründers. CvO war zuständig für das exklusive Privatkunden-Geschäft. Er wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das dafür nötige Kapital fehlte aber. Janssen und Pfundt sagten im Strafprozess aus, die eigentliche Macht habe bei CvO und dem Grafen gelegen. Doch von Oppenheim selbst sah sich nach eigener Aussage zunehmend von Entscheidungsprozessen abgeschnitten.

  • Josef Esch

    ... ist ein Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn. Zusammen mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Im Prozess präsentierte er sich als Außenstehender, der in die inneren Bankvorgänge nicht einbezogen gewesen sei. Dagegen schilderten ihn Zeugen wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und die Großaktionärin Madeleine Schickedanz als zentralen Entscheidungsträger.


Schon nach wenigen Minuten kann zumindest Graf Krockow der Justiz ziemlich dankbar sein. Wegen zweifacher Untreue erhält er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, sie wird jedoch zur Bewährung ausgesetzt. Auch seine Ex-Mitstreiter Dieter Pfundt (zwei Jahre) und Christopher von Oppenheim (ein Jahr und elf Monate) müssen nicht ins Gefängnis. Nur der einst für Finanzen und Risikomanagement verantwortliche Friedrich Carl Janssen muss mit einer Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten einrücken - soweit das Urteil Bestand hat.

Am besten kommt der der Bank über gemeinsam aufgelegte Fonds einst eng verbundene Immobilienunternehmer Josef Esch davon. 30 Tagessätze zu jeweils 5000 Euro sind für den kräftigen Mann verkraftbar, für die teilweise Einstellung des Verfahrens hat er bereits zuvor sechs Millionen gezahlt.

Die Geschichte von Sal. Oppenheim

  • 1789

    Salomon Oppenheim gründet in Bonn eine Bank

  • 1798

    Umzug nach Köln

  • ab 1837

    Mit der Finanzierung von Eisenbahnen und dem Einstieg ins Versicherungsgeschäft steigt die Bank auf

  • 1938

    Auf Druck der Nazis Umbenennung in Pferdmenges & Co. (bis 1947)

  • 1964

    Alfred von Oppenheim (gest. 2005) wird Chef und baut die Betreuung reicher Privatkunden auf

  • 1989

    Verkauf der Anteile an der Colonia Versicherung, Beginn der Zusammenarbeit mit Josef Esch

  • 1993

    Ex-Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl führt Sal. Oppenheim.

  • 1998

    Matthias Graf von Krockow folgt ihm.

  • 2005

    Mit dem Kauf der BHF Bank wird Sal. Oppenheim zur größten Privatbank Europas. Esch-Projekte wie der Neubau der Kölner Messe geraten in die Kritik.

  • 2008

    Die Bank macht erstmals Verlust

  • 2009

    Durch die Pleite des Handelskonzerns Arcandor, mit dem die Bank über Kredite und Aktienbeteiligung eng verbunden ist, gerät Sal. Oppenheim in eine existenzbedrohende Krise

  • 2010

    Die Deutsche Bank übernimmt Sal. Oppenheim komplett.

  • 2012

    Zahlreiche Prozesse von Anlegern wegen Verlusten bei Oppenheim-Esch-Fonds. Die Staatsanwaltschaft Köln erhebt Anklage gegen die Ex-Bankführung und Josef Esch, Prozessbeginn wohl Anfang 2013


Als Richterin Grobecker die Strafen verkündet, wird es unruhig im Saal. Einige Anwesende können sie offenbar nicht nachvollziehen. Die Richterin verspricht, dass sich diese Fragen klären würden, wenn sie erst das Urteil verlesen hat. Und so trägt sie es denn vor, das ist eine dem Fall angemessen ausführliche Veranstaltung, der Richterspruch ist äußerst detailliert und sorgfältig, allein für die Wiedergabe der letztlich fatalen Beziehung der Bank zum 2009 in die Insolvenz gegangenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor braucht die Richterin mehr als zwei Stunden.

Auch wenn man die Geschichte schon oft gehört hat, hört man immer noch ungläubig zu, wie die Bankmanager ihr Engagement bei dem zunehmend angeschlagenen Konzern - angetrieben von Esch und dem damaligen Vorstandschef Thomas Middelhoff - immer weiter ausdehnten, Bedenken ihrer Mitarbeiter ignorierten und die Bankenaufsicht anschwindelten.

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