Sal. Oppenheim-Prozess: Freiheitsstrafen für vier Ex-Bankchefs

Sal. Oppenheim-Prozess: Freiheitsstrafen für vier Ex-Bankchefs

, aktualisiert 09. Juli 2015, 14:44 Uhr
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Freiheitsstrafen für Ex-Bankchefs.

Im Sal. Oppenheim-Prozess sind alle vier angeklagten Ex-Chefs zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Ins Gefängnis soll allerdings nur einer von ihnen - die übrigen Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Spitze der einst größten Privatbank Europas habe sich der gemeinschaftlich begangenen Untreue in besonders schwerem Fall schuldig gemacht, sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker am Donnerstag nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer. Die Banker hätten dem Geldinstitut einen hohen Millionenschaden zugefügt, urteilte sie in dem Verfahren um den Niedergang der ehemals noblen Privatbank.

Die fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

  • Matthias Graf von Krockow

    ... ist mit den Oppenheims verschwägert und war seit 1998 der Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter - und somit eine Art Vorstandschef. Kurz vor der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank schied er 2009 aus. Seinem Anwalt zufolge übernimmt er im unternehmerischen Sinne die Verantwortung für seine Entscheidungen, sieht aber keine strafrechtliche Relevanz. Durch die Beinahe-Pleite habe auch er selbst den Großteil seines eigenen Vermögens verloren.

  • Friedrich Carl Janssen

    ... war ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter. Der frühere Wirtschaftsprüfer kam 2002 zu Sal. Oppenheim, war ab 2004 für das Risikomanagement verantwortlich. Vier Jahre später wurde er vorübergehend Aufsichtsratschef beim später pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. Im Strafprozess hat er sich als einen erst spät Hinzugekommenen „ohne Führungsanspruch“ dargestellt. Im Nachhinein werte er seinen Wechsel zu Sal. Oppenheim als „Fehler“.

  • Dieter Pfundt

    ... war Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte das Investmentgeschäft Riesenverluste. Auch er hat im Strafverfahren seine Rolle als eher klein dargestellt.

  • Chirstopher Freiherr von Oppenheim

    ... war der Namensträger im früheren Topmanagement, er ist Ururururenkel des Bankengründers. CvO war zuständig für das exklusive Privatkunden-Geschäft. Er wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das dafür nötige Kapital fehlte aber. Janssen und Pfundt sagten im Strafprozess aus, die eigentliche Macht habe bei CvO und dem Grafen gelegen. Doch von Oppenheim selbst sah sich nach eigener Aussage zunehmend von Entscheidungsprozessen abgeschnitten.

  • Josef Esch

    ... ist ein Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn. Zusammen mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Im Prozess präsentierte er sich als Außenstehender, der in die inneren Bankvorgänge nicht einbezogen gewesen sei. Dagegen schilderten ihn Zeugen wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und die Großaktionärin Madeleine Schickedanz als zentralen Entscheidungsträger.

Dass die gesamte Führungsriege einer Bank angeklagt und verurteilt wird, ist in Deutschland bisher ein spektakulärer Sonderfall. Die härteste Strafe sprach das Gericht gegen den früher für das Risikomanagement zuständigen Friedrich Carl Janssen (71) aus: zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis. Er soll als einziger der vier ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter hinter Gitter.

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Der Ex-Sprecher der Bank, Matthias Graf von Krockow (66), und der einst für das Investmentgeschäft zuständige Dieter Pfundt (62) erhielten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Christopher von Oppenheim (49), ein Nachkomme des Bankgründers, bekam ein Jahr und elf Monate. Alle drei Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Den damaligen Geschäftspartner der Ex-Bankführung, Josef Esch, verurteilte das Gericht wegen des „fahrlässigen unerlaubten Betreibens von Bankgeschäften“ zu einer Geldstrafe von 495 000 Euro.

Aufstieg und Niedergang von Sal. Oppenheim

  • 1789

    Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

  • 1798

    Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

  • 1904

    Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

  • 1929

    Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

  • 1938

    Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

  • 1947

    Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

  • 1964

    Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

  • 1993

    Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

  • 1999

    Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

  • 2005

    Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

  • 2008

    Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

  • 2009

    Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten können binnen einer Woche Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) einlegen. Die Beteiligten äußerten sich am Verkündungstag zunächst nicht, ob sie Rechtsmittel einlegen wollen.

Grobecker sagte, das gesamte Verfahren sei ein „Kraftakt“ gewesen. Im Mittelpunkt des Prozesses standen ein umstrittenes Immobiliengeschäft in Frankfurt sowie Kredite in dreistelliger Millionenhöhe. Diese gewährte die Bankspitze dem damals schon angeschlagenen und inzwischen pleitegegangenen Arcandor-Konzern und dessen früherer Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Die von den Angeklagten zu verantwortenden Transaktionen sollen Sal. Oppenheim hohe Millionenschäden eingebrockt haben.

Graf von Krockow und von Oppenheim hatten in einem der größten Wirtschaftsprozesse Geständnisse abgelegt. Sie hatten eingeräumt, den Niedergang der Bank mit verschuldet zu haben, Reue gezeigt und um Milde gebeten. Janssen und Pfundt hatten die Vorwürfe dagegen zurückgewiesen. Sie schoben die Verantwortung von sich, stellten sich als Randfiguren dar und verlangten einen Freispruch.

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Von Krockow zeigte sich in einer Mitteilung seiner Anwälte erleichtert. Das Urteil lasse ihm „mit Blick auf die Zukunft eine Lebensperspektive“. Er hoffe, dass damit für ihn die strafrechtliche Aufarbeitung seiner Tätigkeit als Bankchef insgesamt zu einem Abschluss geführt werden könne.

Die Staatsanwaltschaft hatte für das Ex-Führungsquartett durchweg Gefängnisstrafen verlangt. Für Esch forderte sie eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 4650 Euro, also insgesamt 418 500 Euro. Gegen ihn war - gegen Zahlung einer Geldbuße von sechs Millionen Euro - ein Teil des Verfahrens eingestellt und der Vorwurf der Beihilfe zur Untreue fallengelassen worden.

Sal. Oppenheim war in der Finanzkrise 2008 als Arcandor-Großaktionär mit in den Abwärtssog geraten und nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Seit Anfang 2010 gehört das Geldhaus in stark verkleinerter Form zur Deutschen Bank.

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