Sal. Oppenheim: Staatsanwalt ermittelt gegen Kunden und Mitarbeiter

Sal. Oppenheim: Staatsanwalt ermittelt gegen Kunden und Mitarbeiter

Bild vergrößern

Der Eingang des Bankhauses Sal. Oppenheim.

Bei Sal. Oppenheim hat es eine Razzia gegeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kunden und Mitarbeiter der Bank. Der Verdacht: Steuerhinterziehung und Beihilfe dazu.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim ist erneut in die Schlagzeilen geraten: Wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft gegen Kunden der Bank - und wegen Beihilfe-Verdachts gegen Beschäftigte des Geldhauses.

Zu einem entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Oberstaatsanwalt Daniel Vollmert auf Anfrage, die Bank selbst habe „Vorgänge gemeldet, die wir prüfen“. Da es sich um mögliche Steuerhinterziehung handele, könne die Behörde aufgrund des Steuergeheimnisses aber keine genauen Angaben machen. Er bestätigte, dass es in der vergangenen Woche Durchsuchungen von Wohnungen und Büros gegeben habe.

Anzeige

Die fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

  • Matthias Graf von Krockow

    ... ist mit den Oppenheims verschwägert und war seit 1998 der Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter - und somit eine Art Vorstandschef. Kurz vor der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank schied er 2009 aus. Seinem Anwalt zufolge übernimmt er im unternehmerischen Sinne die Verantwortung für seine Entscheidungen, sieht aber keine strafrechtliche Relevanz. Durch die Beinahe-Pleite habe auch er selbst den Großteil seines eigenen Vermögens verloren.

  • Friedrich Carl Janssen

    ... war ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter. Der frühere Wirtschaftsprüfer kam 2002 zu Sal. Oppenheim, war ab 2004 für das Risikomanagement verantwortlich. Vier Jahre später wurde er vorübergehend Aufsichtsratschef beim später pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. Im Strafprozess hat er sich als einen erst spät Hinzugekommenen „ohne Führungsanspruch“ dargestellt. Im Nachhinein werte er seinen Wechsel zu Sal. Oppenheim als „Fehler“.

  • Dieter Pfundt

    ... war Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte das Investmentgeschäft Riesenverluste. Auch er hat im Strafverfahren seine Rolle als eher klein dargestellt.

  • Chirstopher Freiherr von Oppenheim

    ... war der Namensträger im früheren Topmanagement, er ist Ururururenkel des Bankengründers. CvO war zuständig für das exklusive Privatkunden-Geschäft. Er wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das dafür nötige Kapital fehlte aber. Janssen und Pfundt sagten im Strafprozess aus, die eigentliche Macht habe bei CvO und dem Grafen gelegen. Doch von Oppenheim selbst sah sich nach eigener Aussage zunehmend von Entscheidungsprozessen abgeschnitten.

  • Josef Esch

    ... ist ein Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn. Zusammen mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Im Prozess präsentierte er sich als Außenstehender, der in die inneren Bankvorgänge nicht einbezogen gewesen sei. Dagegen schilderten ihn Zeugen wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und die Großaktionärin Madeleine Schickedanz als zentralen Entscheidungsträger.

Welcher Personenkreis von den Ermittlungen betroffen ist, sagte Vollmert mit Blick auf das Steuergeheimnis ebenfalls nicht. Dem „SZ“-Bericht zufolge sollen wohlhabende Anleger mit Hilfe von Sal. Oppenheim bei Geschäften mit Luxemburger Fonds den deutschen Fiskus ausgetrickst haben.

Laut Verdacht sollen systematisch Steuern hinterzogen worden sein. Es werde gegen Kunden wegen Steuerhinterziehung sowie gegen 14 aktuelle oder frühere Beschäftigte der Bank wegen Beihilfe dazu ermittelt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Ermittlungen und dem seit zwei Jahren laufenden Untreue-Strafprozess gegen die frühere Bankenführung gebe es nicht, sage Vollmert. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, es sind vollkommen andere Vorgänge, die jetzt untersucht werden.“

Aufstieg und Niedergang von Sal. Oppenheim

  • 1789

    Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

  • 1798

    Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

  • 1904

    Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

  • 1929

    Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

  • 1938

    Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

  • 1947

    Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

  • 1964

    Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

  • 1993

    Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

  • 1999

    Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

  • 2005

    Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

  • 2008

    Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

  • 2009

    Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Sal. Oppenheim und eine eingeschaltete Wirtschaftskanzlei sollen auf verdächtige Transaktionen gestoßen sein, berichtete die „SZ“. Die Bank teilte dazu auf Anfrage mit, sie habe im Rahmen von internen Untersuchungen „Hinweise auf Vorgänge mit potenziell steuerlichen Auswirkungen bei bestimmten Fondsanlagen erhalten“. Man habe die zuständigen Behörden darüber informiert, der Staatsanwaltschaft angeforderte Unterlagen zu diesen Geschäftsvorgängen zur Verfügung gestellt und werde umfassend kooperieren.

Weitere Artikel

Die einst größte europäische Privatbank war mit ihrem Engagement beim inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor in den Abwärtssog geraten und in der Finanzkrise 2008 fast kollabiert. Seit Anfang 2010 gehört das Geldhaus in stark verkleinerter Form als Tochter zur Deutschen Bank.

Bei der Deutschen Bank in Frankfurt hatte es in der vergangenen Woche ebenfalls eine Razzia gegeben, bei der Material gegen mutmaßliche Steuerbetrüger gesammelt worden war. Hier gebe es keinen Zusammenhang, sagte Vollmert.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%