Sal. Oppenheim: Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus

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Die Ermittlungen um die Sal. Oppenheim ziehen immer weitere Kreise. Nun wird auch gegen Es-BaFin-Chef Sanio ermittelt

von Cornelius Welp

Die Staatsanwaltschaft Köln hat ihre Ermittlungen im Zusammenhang mit der Schieflage der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim ausgeweitet.

Die Behörde bestätigte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass sie wegen Untreue, Erpressung und Beihilfe zur Untreue gegen Ex-Führungskräfte der Bank, ihrer früheren Tochter BHF und einen ehemaligen hochrangigen Finanzaufseher ermittelt. Bei diesem soll es sich laut Finanzkreisen um den früheren Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, handeln. Eine über die BaFin an ihn gerichtete Anfrage der WirtschaftsWoche beantwortete Sanio nicht. Die BHF-Bank wollte sich zu den Verfahren nicht äußern. Insider bestätigten jedoch, dass sich die Ermittlungen gegen im Sommer 2009 amtierende Vorstände des Instituts und damit auch gegen den aktuellen BHF-Chef Björn Robens richten.

Bei den Ermittlungen geht es um eine Transaktion zwischen der früheren Privatbank und der BHF. Im Sommer 2009 war Sal. Oppenheim in eine schwere Krise geraten. In ihrer Not drängten die Kölner Banker ihre Frankfurter Tochter, ihnen kurzfristig mit einem Kredit auszuhelfen. Die BHF überwies 100 Millionen Euro zur Stabilisierung an Sal. Oppenheim. Eine Woche später floss das Geld zurück. Der damalige Finanzchef Ingo Mandt meldete rechtliche Bedenken an und trat zurück, als man seiner Warnung nicht folgte.

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Aufstieg und Niedergang von Sal. Oppenheim

  • 1789

    Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

  • 1798

    Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

  • 1904

    Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

  • 1929

    Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

  • 1938

    Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

  • 1947

    Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

  • 1964

    Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

  • 1993

    Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

  • 1999

    Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

  • 2005

    Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

  • 2008

    Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

  • 2009

    Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die Kreditvergabe geschah Insidern zufolge in enger Abstimmung mit der BaFin. Der damalige BaFin-Chef Sanio selbst soll die BHF-Banker zur Stützung ermuntert haben. Damit wollte er in der Finanzkrise die Stabilität des deutschen Bankensystems sichern. Entsprechend ungehalten soll der seit Ende 2011 pensionierte Spitzenbeamte auf die Vorwürfe reagiert haben. Ob die Vorwürfe zutreffen, ob es zu einer Anklage kommt, ist offen. Die Kölner Ermittlungen wären das erste Verfahren, bei dem ein Aufseher wegen einer Bankenrettung während der Finanzkrise ins Visier von Strafverfolgern gerät.

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