Schlechtes Geschäft: Barclays will aus Rohstoffhandel aussteigen

ThemaRohstoffe

Schlechtes Geschäft: Barclays will aus Rohstoffhandel aussteigen

Die britische Barclays Bank will offenbar den Großteil ihrer Rohstoffhandelssparte verkaufen. So sollen Energie- und Agrarrohstoffen nicht mehr gehandelt werden. Grund dafür ist jedoch nicht die Moral.

Nach anderen Großbanken zieht sich auch Barclays einem Zeitungsbericht zufolge aus Teilen des Rohstoffhandels zurück. Das britische Institut wolle das Geschäft mit Metallen, Energie und Agrar-Erzeugnissen eindampfen, berichtete die "Financial Times" am Sonntag. Dies führe auch zu erheblichen Stellenstreichungen. Hintergrund sei, dass die Bedingungen am Markt ungünstiger geworden seien. Den Rohstoffhändlern machen sinkende Einnahmen und verschärfte Auflagen der Aufseher zu schaffen. Barclays will laut dem Blatt seine Pläne am Dienstag vorlegen. Das Geldhaus äußerte sich nicht dazu.

So funktioniert der Rohstoffhandel

  • Future-Contracts

    Bei einem Future-Contract kauft der Investor Rohstoffe nicht an regulären Märkten zu aktuellen Preisen sondern handelt auf Terminmärkten wie der deutsch-schweizerischen EUREX, der Chicago Mercantile Exchange (CME) zu der die Chicago Board of Trade (CBoT) gehört oder der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Hier wird der jeweilige Rohstoff zu einem Termin in der Zukunft gekauft. Der Investor bestellt beispielsweise im Februar Kakao, der im Juli geliefert werden soll.

  • Spot-Preis

    Spot-Geschäfte mit ihren kurzen Erfüllungsfristen sind das Pendant zu den Terminmärkten. Zwischen Bestellung und Lieferung liegen maximal zwei Börsentage. Der Spot-Preis ist dementsprechend der Preis, den Händler kurzfristig für den jeweiligen Rohstoff zahlen beziehungsweise erzielen. Bei Kassa-Preis dagegenhandelt es sich um den aktuellen Preis von Finanztiteln.

  • Cost of Carry

    Die Costs of Carry bei Rohstoffen setzen sich beispielsweise aus Lager- und Speditionskosten zusammen. Der Wert eines Future-Kontrakts besteht aus dem Kassa-Preis, also dem bei Vertragsabschluss herrschendem aktuellen Kakaopreis, und den Costs of Carry. Deshalb liegen die Future-Preise bei Termingeschäften anfangs meist über den Kassa-Preisen. Wenn ein Investor im März Kakao für Dezember bestellt, entstehen schließlich Lagerkosten für neun Monate. Er zahlt also den aktuellen Preis plus die Lager- und Speditionskosten. Der Händler kann die Lagerkosten aber über die neun Monate hinweg abschreiben - je näher der Liefertermin rückt, desto stärker nähert sich der Future-Preis dementsprechend wieder dem Kassa-Preis an.

  • Nearby–Future

    Der Nearby-Future ist der Rohstoff-Kontrakt mit der kürzesten Fälligkeit. Das Gegenteil, also der Future-Kontrakt mit der längsten Laufzeit, heißt dagegen Most-Distant-Futures-Contract.

  • Rollen

    Wer direkt in Rohstoffe investieren will, kauft statt einer Aktie oder eines Zertifikats einen Future-Kontrakt mit einer bestimmten Laufzeit und einem Erfüllungszeitpunkt. Der Erfüllungszeitpunkt ist nichts anderes als der Liefertermin. Das heißt, wer ein Kakao-Future mit einer Laufzeit bis Juli 2013 kauft, bekäme im Juli 2013 auch die gekaufte Menge Kakao geliefert.

    Ursprünglich ging es bei Warentermingeschäften schließlich um den Kauf physischer Rohstoffe. Mittlerweile sind viele der Kontrakte Spekulationsgeschäfte. Wer nur Geld verdienen und nicht auf zig Tonnen Kakao sitzen möchte, muss also vor Ende der Laufzeit seinen Kontrakt verkaufen und einen neuen mit einem späteren Liefertermin kaufen. Dieser Vorgang nennt sich rollen.

  • Rollrendite

    Beim Rollen können Anleger sowohl Gewinne als auch Verluste machen: Wer seinen alten Kontrakt günstig verkauft und den neuen Kontrakt teuer kauft, erwirtschaftet eine negative Rollrendite, macht also Rollverluste. Verkauft er dagegen teuer und kauft billig, fällt die Rollrendite positiv aus, er macht Rollgewinne.

  • Contango

    Bei einer Contango-Situation ist der Spot-Preis geringer als der ausgemachte Preis bei Fälligkeit des Future-Kontrakts. Wenn ein Anleger seinen Vertrag in so einer Situation weiterverkauft und in einen Most-Distant-Futures-Contract investiert, kann er Gewinne abgreifen. Wer dagegen bei niedrigem Spot-Preis und hohem Terminpreis seine Kontrakte abstößt und Kontrakte mit nächstmöglicher Lieferzeit kauft (Nearby-Futures) riskiert Verluste.

    Das Gegenteil von Contango ist eine Backwardation.

  • Backwardation

    Bei der Bachkwardation-Situation liegt der Preis der Future-Kontrakte unter denen am Kassamarkt. Der Anleger verkauft also vor Liefertermin seinen Kontrakt bei aktuell hohem Preis und kann günstig einen den Nearby-Future erstehen. Er verbucht also Rollgewinne.

Barclays ist ohnehin auf Schrumpfkurs und steht nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr unter erhöhtem Spardruck. Dazu stellte Vorstandschef Antony Jenkins auch das Kapitalmarktgeschäft auf den Prüfstand und erwägt nach Informationen aus dem Umfeld des Instituts eine weitere Verkleinerung durch den Rückzug aus kapitalintensiven Bereichen.

Anzeige

Weitere Artikel

Zuletzt hatten sich bereits die US-Großbanken JPMorgan und Morgan Stanley aus ähnlichen Gründen aus diesem Geschäft zurückgezogen. Auch die Deutsche Bank fährt ihren Rohstoff-Bereich zurück: Bei Deutschlands Nummer eins sollen ebenfalls Energie- und Agrarrohstoffe aus dem Portfolio verschwinden, nur Edelmetalle und Derivate sollen bleiben.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%