Schlechtes Schlussquartal: Der Problemhaufen der Deutschen Bank

KommentarSchlechtes Schlussquartal: Der Problemhaufen der Deutschen Bank

von Cornelius Welp

Das überraschend schlechte Ergebnis erhöht die Zweifel am Zukunftskonzept von Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Und damit an der Substanz der Bank.

Die Deutsche Bank ist derzeit immer für Überraschungen gut. Und zwar für schlechte. Meist geht es um Sünden der Vergangenheit, um die Verwicklung in mögliche Manipulationen des Devisen- und Goldhandels etwa. Aber auch jenseits der Altlasten kann die Bank negativ auffallen: Zehn Tage vor der eigentlich geplanten Veröffentlichung gab sie  am späten Sonntagabend die Ergebnisse für das vierte Quartal und damit auch für das Gesamtjahr 2013 bekannt. Sie zog den Termin vor, weil sie deutlich schlechter ausgefallen sind als erwartet.

Statt eines von Analysten prognostizierten Gewinns in deutlich dreistelliger Millionenhöhe machte das Institut zwischen Oktober und Dezember einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr verdiente die Bank damit noch rund zwei Milliarden Euro vor Steuern. Die Quittung folgte prompt. Der Aktienkurs, der in den Wochen zuvor noch deutlich gestiegen war, krachte um vier Prozent nach unten.

Anzeige

Schon in den Quartalen zuvor hatte es jenseits des regulären Geschäfts hohe Belastungen gegeben. Die stammten vor allem aus den Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, die auf dem Höhepunkt rund vier Milliarden Euro  erreichten. Mit rund 500 Millionen Euro  kam hier jetzt noch mal ein großer Batzen hinzu. Daneben sorgen jedoch noch eine ganze Reihe anderer Faktoren für den unerwarteten Einbruch. 

Allen voran die interne Abwicklungseinheit, bei der allein in den letzten drei Monaten 2014 ein Verlust von mehr als einer Milliarde anfiel.  Seit dem Start im Sommer 2012 hat die Bank mehr als die Hälfte der ursprünglich hier geparkten Vermögenswerte von 120 Milliarden Euro abgestoßen.

Schwache Zahlen Altlasten ziehen Deutsche Bank im Schlussquartal 2013 tief ins Minus

Bei der Deutschen Bank drücken die zahlreichen Baustellen im Konzern weiter auf die Bilanz. Im letzten Quartal 2013 verbuchte das Institut einen hohen Verlust. Auch das Gesamtjahr blieb unter den Erwartungen.

Bei der Deutschen Bank drücken die zahlreichen Baustellen im Konzern weiter auf die Bilanz. Im letzten Quartal 2013 verbuchte das Institut einen hohen Verlust. Auch das Gesamtjahr blieb unter den Erwartungen. Quelle: dpa

Die Bankführung hat einmal mehr in das Schlussquartal gepackt, was an Belastungen anfiel. So erklären die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen 2013 denn auch zum „zweiten Jahr in Folge, in dem wir in das künftige Wachstum sowie die weitere Stärkung unserer Kontrollen investieren und Altlasten abarbeiten.“ Wie 2012 soll also auch das abgelaufene Jahr ein Jahr des Übergangs sein. Einzelne Fortschritte sind durchaus sichtbar. So hat die Bank etwa ihre Bilanz deutlich verkleinert und dadurch ihre Kapitalbasis gestärkt. Auch ihre Kosten hat sie deutlich reduziert, bleibt allerdings immer noch deutlich weniger effizient als angestrebt.

So bleibt viel zu tun. Auch 2014 dürfte es kaum Ausreißer nach oben geben. Die Bank hat die kommenden zwölf Monate erneut zu einer Zeit der Herausforderungen erklärt. An  ungünstigen äußeren Bedingungen wie  dem Niedrigzinsumfeld dürfte sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Das Investmentbanking, immer noch der wichtigste Geschäftsbereich, schwächelte vor allem wegen des mauen Geschäfts mit Zins- und Währungsprodukten. Ob und wann sich dieses wieder erholen wird und welche Renditen hier aufgrund der regulatorischen Vorgaben noch möglich sind, ist unklar.

weitere Artikel

Die Bank bleibt so bis auf weiteres eine Großbaustelle. Wenig ist derzeit noch vom unerschütterlichen Selbstbewusstsein Josef Ackermanns übrig, der das Institut in seiner Amtszeit stets als Gewinner der Krise verkaufte. Den Anspruch auf die Champions League halten Jain und Fitschen mit ihrer Strategie 2015 zwar weiterhin aufrecht.

Und sie investieren ordentlich in die Zukunft - 1,4 Milliarden Euro haben sie 2013 allein für ihre  neue Plattform ausgegeben. Allerdings stellt sich bei jedem von Renovierungsarbeiten gedrückten Ergebnis die Frage, ob die Substanz für die Weltliga überhaupt reicht. Oder ob sich die Bank nicht doch dort einreihen muss, wo sie nach ihrer Börsenbewertung  schon lange steht: Im internationalen Mittelmaß.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%