Schuldenkrise: Wo die Banken sich schön rechnen

Schuldenkrise: Wo die Banken sich schön rechnen

von Yvonne Esterházy

Die Stimmen werden lauter: ESM-Rettungsgelder sollen die Banken stützen. Dabei schlummern im Bankensektor der EU-Staaten gigantische Mengen fauler Kredite – selten offener, meistens versteckter als in Deutschland. Die Tricks der Buchhalter.

Die irische Regierung gründete schon im September 2009 eine Bad Bank – als erstes europäisches Land. Die National Asset Management Agency (NAMA) übernahm von den Krisenbanken Irlands Immobilienkredite für 47 Milliarden Euro, die dort mit einem Wert von 73,8 Milliarden Euro in den Büchern standen. Die Summe war gigantisch für das Land: Sie entsprach knapp 45 Prozent des irischen Bruttoinlandsprodukts. Die NAMA – und damit der irische Steuerzahler – erwarb 11.000 Hypothekenkredite, damit wurden de facto 17,5 Prozent aller irischen Immobilien verstaatlicht. Außerdem fielen der NAMA ausländische Immobilien, darunter einige Londoner Luxushotels, zu.

Die NAMA-Gründung war Folge jenes verhängnisvollen 30. September 2008. An diesem Tag gewährte die damalige Regierung eine Garantie für die gesamten Einlagen aller irischen Banken, die nach dem Platzen der Immobilienblase zu kollabieren drohten. Ein Jahr später machte Dublin reinen Tisch und zwang die fünf Banken Allied Irish Banks, Bank of Ireland, Anglo Irish Bank, Irish Nationwide Building Society und EBS Building Society ihre faulen Kredite mit einem Wertabschlag von durchschnittlich 57 Prozent an die NAMA zu verkaufen.

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Der irische Staat musste einspringen

Der Verkauf riss allerdings tiefe Löcher in die Eigenkapitaldecken der Banken, die wiederum vom Staat aufgefüllt werden mussten. Weil der irische Staat damit überfordert war, mussten die EU und der Internationale Währungsfonds IWF mit einer Finanzspritze von 67,5 Milliarden Euro einspringen.

Heute gibt es in Irland nur noch zwei große Banken: die Bank of Ireland und die Allied Irish Banks, die die EBS übernommen hat. Die Anglo Irish Bank sowie die Irish Nationwide Building Society werden abgewickelt. Inzwischen hat die NAMA damit begonnen, die Immobilien in ihrem Portfolio zu veräußern, was derzeit in Irland fast unmöglich ist. Lediglich die Londoner Luxushotels fanden schnell einen Käufer.

Die vorläufige Bilanz der NAMA: Bis zum 31. März wurden Immobilienverkäufe im Wert von insgesamt acht Milliarden Euro genehmigt – 90 Prozent davon betrafen Objekte im Ausland. Eingenommen hat die NAMA (Stand September 2011) bisher allerdings nur 2,7 Milliarden Euro. Die Finanzspritze kommt aus dem EU-Rettungsschirm und vom IWF, die dem kleinen Land einen strikten Sparkurs verordneten, um das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung zu drücken.

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