Schweiz: Millionen Franken zu vergeben

Schweiz: Millionen Franken zu vergeben

von Annina Reimann

Die Schweiz hat die Suche nach Besitzern und Erben herrenloser Konten gestartet – und im Internet die Namen von hunderten Bankkunden veröffentlicht, die sich seit Jahren nicht mehr bei ihrem Geldhaus gemeldet haben.

Die Uhr tickt. Denn seit dem heutigen Mittwoch hat die Schweizerische Bankiervereinigung eine Internetseite freigeschaltet, über die vor allem Erben nach dem verschollenen Geld ihrer Vorfahren suchen können. Mit Hilfe der Internetseite www.dormantaccounts.ch wollen Schweizer Banken aber auch die Inhaber von Konten und Schließfächern finden, zu denen der Kontakt verloren gegangen ist.

Dass der eigentliche Kunde noch lebt, ist jedoch in vielen Fällen unwahrscheinlich. Denn veröffentlicht werden nur Namen und Nummernkonten von Kunden, zu denen der Kontakt seit 60 Jahren oder länger abgerissen ist. So ist unter den gut 2600 jetzt veröffentlichten Namen zum Beispiel ein 1881 geborener Deutscher.

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Bislang durften Banken solche herrenlosen Konten weiterführen. Anfang 2015 aber ist in der Schweiz ein Gesetz in Kraft getreten, wonach Banken noch in diesem Jahr die Daten von Kunden veröffentlichen müssen, die seit 1955 oder länger keinen Kontakt mehr zu ihrem Haus hatten. Die Namen von Prominenten oder Politikern dürfen allerdings geheim bleiben.

Herrenlose Konten Der brisante Schatz der Schweizer Banken

In der Schweiz liegen Millionen Franken auf herrenlosen Konten, vielleicht Milliarden. Tausende Kontoinhaber sollen jetzt publiziert werden. Wem gehören die Vermögen? Und wie finden Erben sie wieder? Eine Spurensuche.

Anwalt Moritz Hummel geht in der Schweiz auf Schatzsuche - nach herrenlosen Konten. Quelle: Tanja Demarmels für WirtschaftsWoche, proaurum-Pressebild

Ein Jahr haben Betroffene und Erben ab heute Zeit, auf der Internetplattform des Verbandes Guthaben einzufordern. Dazu müssen sie Unterlagen hochladen, die belegen, dass sie der rechtmäßige Eigentümer sind. Bei Vermögenswerten, deren letzter Kundenkontakt im Jahr 1954 oder früher stattgefunden hat, haben Betroffene fünf Jahre Zeit. Meldet sich keiner, geht das Geld an den Staat. „Mit der Publikation versuchen die Banken ein letztes Mal den Kontakt zum Kunden wiederherzustellen", sagt Claude-Alain Margelisch, Chef der Bankiervereinigung.

Guthaben unter 500 Franken gehen an den Staat

Wer den Namen eines Vorfahren findet, darf sich freuen. Er ist dann höchstwahrscheinlich um mindestens 500 Franken reicher. Denn Konten mit kleineren Beträgen werden gar nicht erst veröffentlicht, das Geld wird sofort an die Staatskasse überwiesen.

Auf der Webseite, die am Mittwoch zeitweise überlastet war, können Interessenten nach Vornamen, Namen, Firmennamen und Orten suchen. Allerdings sind die Angaben zu den Kontoinhabern oft recht dürftig. In vielen Fällen ist nicht mal das Geburtsdatum eingetragen.

Die jährliche Geldsuche kann sich lohnen: Banken werden fortan jedes Jahr neue Namen und Konten veröffentlichen müssen. Denn jedes Jahr fallen neue Konten unter die 60-Jahres-Frist.
Insgesamt sollen auf den Konten 44 Millionen Franken schlummern. Aufgenommen wurden auch rund 80 Schließfächer, deren Inhalt nicht bekannt ist.

Insgesamt dürften in der Schweiz allerdings deutlich mehr als jene 44 Millionen Franken herrenlos herumliegen. Denn besonders die alten Konten aus der Zeit des zweiten Weltkrieges sind schon mehrfach durchforstet und zugeteilt worden. Hier schlummern also nur noch Restbeträge.
Um welche Summe es auf jüngeren Konten gehen könnte, lassen Zahlen des Bankenombudsmanns ahnen. Er hilft Kunden seit 2001 bei der Suche nach verschollenen Vermögen. Bis 2014 hat er 357 Konten mit 52,5 Millionen Franken vermittelt, im Schnitt 147.059 Franken pro Konto.

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Wären mit dieser Summe nur 30.000 Konten noch offen, würden über 4,4 Milliarden Franken in der Schweiz liegen, die niemand abgeholt ab. Ein Insider, der vor allem kleinere Häuser kennt, sagt: „Schon kleine Banken in der Schweiz haben 600 bis 1000 nachrichtenlose Konten." Angesichts von mehr als 300 Banken wären Hunderttausende solcher Konten realistisch; hochgerechnet müsste so ein mindestens mittlerer zweistelliger Milliardenbetrag zusammenkommen.

Die Branche stapelt lieber tief, das Thema ist politisch brisant. „Hat die Bank den Kontakt zum Kunden verloren, kann der Kunde Einkünfte nicht versteuern - die Bank verwaltet in dem Moment Schwarzgeld", sagt Thierry Boitelle von der Schweizer Kanzlei Bonnard Lawson. Seitdem die Regierung darauf poche, dass Banken nur noch „weißes Geld" verwalten, sei das ein Problem.
Anwälte haben vor allem auf jüngeren Konten immer wieder Millionenbeträge gefunden. Mehr dazu lesen Interessierte in unserem großen Report.

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