Sparkasse statt Großbank: Die Commerzbank erfindet sich neu

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Sparkasse statt Großbank: Die Commerzbank erfindet sich neu

Fieberhaft sucht das Management der Commerzbank nach Ertragsquellen. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten, in den Regulatoren, Politik und Verbraucher es Banken nicht leicht machen.

Stellenabbau? Filialschließungen? Neuer Slogan? An diesem Donnerstag (8.11.) will die Commerzbank Antworten geben. Seit Monaten feilen Konzernchef Martin Blessing und seine Vorstandskollegen an einer neuen Strategie für die geschrumpfte Nummer zwei der deutschen Bankenbranche. Dass das teilverstaatlichte Institut den Rotstift ansetzen muss, scheint sicher: Schon zur Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August war von Sparkurs die Rede.

Im Privatkundengeschäft haben sich vier Jahre nach Übernahme der Dresdner Bank die großen Hoffnungen nicht erfüllt. Trotz elf Millionen Kunden verdient die Commerzbank mit ihren Filialen kaum Geld. Im zweiten Quartal 2012 wäre die Sparte ohne die Online-Tochter Comdirect sogar in die roten Zahlen gerutscht. In den Medien wird über die Streichung von bis zu 1800 Stellen im Privatkundengeschäft spekuliert. Gerade die Zusammenlegung mit der Dresdner hat in manchen Abteilungen die Personalausstattung aufgebläht.

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Was bleibt übrig von der Commerzbank?

Blessing macht keinen Hehl daraus, dass er auf seine Zunft magere Zeiten zukommen sieht: „Die Profitabilität in der Branche wird zurückgehen.“ Dass die Commerzbank wie andere Institute - etwa die Deutsche Bank - auch Jobs streichen muss, halten Experten für unausweichlich. „Der Stellenabbau in der Branche wird weitergehen, auch bei der Commerzbank“, sagt ein Branchenkenner.

Die Frage ist, was von der Commerzbank übrig bleibt. Die Schiffs- und Gewerbeimmobilienfinanzierung werden abgewickelt. Das Auslandsgeschäft ist jenseits der erfolgreichen BRE-Bank in Polen praktisch aufgegeben. Im Investmentbanking besetzt das Institut nur noch Nischen. Übrig bleiben als Schwerpunkte das Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Unternehmen. Die Commerzbank, als „zweiter nationaler Champion“ nach der Deutschen Bank gedacht, musste sich schon vorwerfen lassen, zu einer großen Sparkasse zu werden.

Ziemlich sicher wird die Commerzbank Hand an ihr Filialnetz legen. Ein Kahlschlag wird zwar nicht erwartet, denn im umkämpften deutschen Markt ist Beratung um die Ecke ein Aushängeschild. „Ohne Filialen kann man das Geschäft nicht machen“, sagen die Strategen. Doch das Netz, das nach Zusammenführung mit ehemaligen Dresdner-Filialen Ende dieses Jahres noch 1200 Standorte haben soll, müsse flexibler werden. Als denkbar gilt, dass sich einzelne Filialen auf bestimmte Themen spezialisieren, etwa auf Immobilienfinanzierung oder Anlageberatung.

Zu hohe Erwartungen

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Auch das Thema Öffnungszeiten wird wieder diskutiert. Es gebe durchaus Standorte, an denen ein Service am Samstag Sinn mache, heißt es. Mitte März 2007 hatte die Commerzbank testweise erstmals an einem Samstag ihre Schalter geöffnet. Pläne, dies zur festen Institution zu machen, scheiterten am Betriebsrat. Privatkundenchef Martin Zielke hatte im Dezember 2011 gesagt: „Ich bin nicht pauschal für längere Öffnungszeiten. Entscheidend ist immer die Kundennachfrage.“

Verabschieden dürfte sich der Dax-Konzern von seinen Plänen, im Privatkundengeschäft eine Milliarde Euro zu verdienen. Den Aktionären, die seit Jahren auf Dividende verzichten und mit einem mickrigen Aktienkurs leben müssen, dürfte Realismus recht sein. Mit dem Fahrplan nach der Dresdner-Übernahme 2008, der „Roadmap 2012“, seien zu hohe Erwartungen geschürt worden, kritisierte Anlegerschützer Klaus Nieding bei der diesjährigen Hauptversammlung: „Heute wissen wir, dass diese Roadmap eher 2015 oder 2020 heißen müsste und dass dieser Vorstand besser mal die Straßenkarte beiseitelegen sollte und ein Navigationssystem benötigt.“

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