Sparkassen gegen Bankenunion: Aufstand der Biedermänner

ThemaBanken

KommentarSparkassen gegen Bankenunion: Aufstand der Biedermänner

Bild vergrößern

Georg Fahrenschon greift die spanischen Banken an, dabei ist auch das Geschäftsmodell der Sparkasse nicht so sicher wie es scheint

von Mark Fehr

Die Sparkassen mobilisieren ihre braven Sparer gegen die Brüsseler Pläne zur Bankenreform.

Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag wollen Politiker die Weichen in Richtung einer harmonisierten Finanzpolitik stellen. Auch die Regeln für den Bankensektor wären davon betroffen. Die von der Kommission unter dem Stichwort Bankenunion servierten Vorschläge stoßen jedoch auf Widerstand bei vielen deutschen Instituten. Vor allem die Sparkassen wollen ihre besondere Rolle innerhalb des deutschen Finanzsektors verteidigen.

Wenn Brüssel die großen Geldhäuser in der Eurozone unter eine zentrale Aufsicht stellt und das Geld der Sparer mit einer gemeinsamen Einlagensicherung schützt, fürchten die kommunalen Sparkassen eine Auflösung ihrer Geschäftsmodelle. Der neue Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon preist daher die Institute seines Verbands als nette Banken von nebenan, die gerade in der Krise als stabile Säule für Verbraucher und mittelständische Unternehmer dienen. Spanische Sparkassen dagegen haben sich laut Fahrenschon von diesem Geschäftsmodell entfernt, indem sie über ihren regionalen Tellerrand hinaus in riskante Immobiliengeschäfte investiert haben.

Anzeige

Verband will Kunden mobilisieren

Seine jüngste Forderung nach einer Zerschlagung großer spanischer Sparkassen ist daher ein Entlastungsangriff. Der deutsche Verband fühlt seine europäischen Institute von den Vorstößen zur Reform des Bankensektors in die Zange genommen und wehrt sich dagegen. Insbesondere die von Brüssel angeregte Gleichschaltung der Sicherungssysteme für die Spareinlagen trifft auf harten Widerstand aus dem Sparkassenlager. Deutsche Kontoinhaber sollen nicht für die Verluste von „Hasardeuren“ und „staatsgedopten Banken“ haften.

Mit diesen Argumenten will der Verband offenbar seine rund 50 Millionen Kunden mobilisieren. In der Phantasie der Sparkassenfunktionäre könnten revoltierende Massen biederer Sparer für den politischen Druck sorgen, damit die deutsche Regierung die Interessen des Sparkassenlagers in Brüssel verteidigt.

Dabei geht es allerdings nicht nur um den Schutz der privaten Konten. Die Sparkassen kämpfen auch darum, dass ihre Organisation als Finanzverbund nicht durch die neuen Kapitalregeln benachteiligt wird. In ihrem Interesse liegt es etwa, dass Forderungen der kommunalen Sparkassen gegenüber den Landesbanken nicht mit Haftungsmasse unterlegt werden müssen.

Auch Sparkassen sind überdehnt

Ausnahmen von den strengeren Bankenregeln nimmt der Sparkassenverband für seine Institute gern in Anspruch. Das Argument: Sparkassen seien krisensicher, da sie sich auf regionale Märkte sowie verbraucher- und unternehmernahe Dienstleistungen konzentrierten. Tatsächlich mussten Sparkassen keine öffentlichen Bankenhilfen in Anspruch nehmen, zahlreiche von ihrem Verbund finanzierte Landesbanken dagegen schon.

Weitere Artikel zum Thema

In Nordrhein-Westfalen etwa wird die Abwicklung der WestLB nicht nur die NRW-Sparkassen finanziell treffen, sondern auch die Steuerzahler. Der einst stolzen Landesbank waren Spekulationen mit riskanten Verbriefungen zum Verhängnis geworden. Fahrenschons Vorwurf an seine spanischen Kollegen, diese hätten ihr Geschäftsmodell überdehnt, trifft also auch auf den deutschen Sparkassen- und Landesbankensektor zu.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%