Sparprogramm: Zwist um Abfindungen bei BHF-Bank

Sparprogramm: Zwist um Abfindungen bei BHF-Bank

, aktualisiert 28. Dezember 2011, 15:22 Uhr
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Die Zentrale der Deutschen Bank, Mutterkonzern von BHF.

von Peter Köhler und Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Das Klima bei der Deutsche-Bank-Tochter ist belastet. Leitende Angestellte, die entlassen werden sollen, beklagen zu geringe Entschädigungen. Intern gibt es aber auch Verständnis für die Linie des Vorstands.

FrankfurtBei der BHF-Bank ist die Stimmung zum Jahreswechsel gedrückt. Die Zukunft des Traditionshauses bleibt ungewiss, weil der angestrebte Verkauf des Instituts durch die Mutter Deutsche Bank noch nicht abgeschlossen wurde. Gleichzeitig werden Mitarbeiter entlassen. Als ob das nicht schon belastend genug wäre, gibt es zusätzlichen Ärger mit leitenden Angestellten. Sie fühlen sich zu billig abgespeist angesichts der offerierten Abfindung. „Der entscheidende Baustein in der Berechnung der angebotenen Abfindung ist deutlich niedriger als für den Rest der Belegschaft“, klagt ein Manager.

Die Bank will in den kommenden Jahren kräftig sparen, um sich attraktiver zu machen, und baut bis Anfang 2015 rund 270 der aktuell noch gut 1300 Arbeitsplätze ab. In einem Brief an die Mitarbeiter hatte Vorstandschef Björn Hendrik Robens im Herbst die Belegschaft auf einen harten Sparkurs vorbereitet. Für dauerhaftes Wachstum sei es zwingend notwendig, die operativen Kosten signifikant zu reduzieren. So soll die Bank wieder die Gewinnzone erreichen.

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Doch das interessiert die Manager, die entlassen werden sollen, wenig. Sie fühlen sich benachteiligt. Der Grund: Das durchschnittliche Monatseinkommen für die leitenden Angestellten soll nur noch mit dem Faktor 0,5 multipliziert werden, bei den anderen Mitarbeitern komme dagegen im Mittel der Faktor 1,0 zum Tragen, hieß es aus der Belegschaft der Bank. Die daraus resultierende Summe werde dann mit der Anzahl der Betriebsjahre multipliziert. Ein Sprecher der BHF-Bank wollte zu den Informationen keine Stellungnahme abgeben.

In Bankkreisen hieß es, potenziell betroffen von der schlechteren Abfindungsformel seien rund zwei Dutzend leitende Angestellte. Für die Mehrheit der Beschäftigten habe man dagegen mit dem Betriebsrat eine einvernehmliche, faire Lösung gefunden. Gleichzeitig wird gegen die leitenden Angestellten argumentiert: Sie hätten in den vergangenen Jahren das Vielfache eines normalen Mitarbeiters verdient und müssten deshalb auch ein höheres Risiko tragen, heißt es in den Bankkreisen weiter.

Der Ärger bei den betroffenen Führungskräften unterhalb des Vorstands ist groß, nachdem die Manager auch in den schwierigen letzten eineinhalb Jahren der BHF die Treue gehalten haben. „Es passt nicht zum Stil des Hauses, dass das Top-Management so mit lang gedienten Mitarbeitern umspringt“, sagt ein Manager.


Die Deutsche Bank will BHF schon seit Jahren verkaufen

Im Hintergrund bei der BHF-Bank agiert die Deutsche Bank. Ihr fiel das Geldhaus bei der Rettung des in Not geratenen Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim zu. Die Deutsche will die BHF schon seit über einem Jahr verkaufen. Aber der Prozess ist ins Stocken geraten. In diesem Jahr werde nicht mehr mit einem Durchbruch gerechnet, heißt es in Verhandlungskreisen.

Die Deutsche Bank geht weiter von einem erfolgreichen Abschluss aus, wie ein Sprecher sagte. Anfang Juli hatten die Deutsche Bank und der Finanzinvestor RHJ International mitgeteilt, dass man sich auf exklusive Verhandlungen geeinigt habe. Der erste Anlauf zum Verkauf der BHF-Bank war im Frühjahr daran gescheitert, dass die Finanzaufsicht Bafin die Liechtensteiner Fürstenbank LGT als unzuverlässig ablehnte.

Der Streit um die Abfindungen für die BHF-Bankmanager wird angesichts der befürchteten Entlassungen im nächsten Jahr in der Branche für Diskussionen sorgen. Normalerweise gelte „die Faustformel ,ein Monatsgehalt Abfindung pro Jahr der Betriebszugehörigkeit', wobei wir in der Praxis Abweichungen sehen, bei denen das durchschnittliche Monatsgehalt mit Faktoren von 0,8 bis 1,2 gewichtet wird“, sagt Nils Wilm, Managing Partner bei Banking Consult, dem Handelsblatt. Da die Abfindungen sich nach den Festgehältern richten und diese im Zuge der Finanzkrise zulasten der Boni um 30 bis 40 Prozent gestiegen seien, kletterten in der Branche die Abfindungen, ergänzt Wilm.

Hohe einmalige Geldzahlungen für Bankmanager, um ein Arbeitsverhältnis zu beenden, könnten 2012 aber auch für Diskussionen in der Politik sorgen, weil die Banken im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise in die Kritik geraten sind. Außerdem stellen sich deutsche Bankmanager gegenüber ihren angelsächsischen Kollegen in der Regel besser, weil ihnen das hiesige Arbeitsrecht in die Hände spielt. Ein deutscher Banker habe etwa aus amerikanischer Sicht mehrere Vorteile. Er bekomme den gleichen Bonus wie sein amerikanischer Kollege, sagt ein Personalmanager. Dieser Bonus beinhalte eine Risikoprämie für tägliche Kündbarkeit, die in Deutschland aber gar nicht greife, da der deutsche Banker im Fall der Fälle einfach auf deutsches Arbeitsrecht verweise und noch eine Abfindung obendrauf bekomme.

Trotz der Sparprogramme und der Finanzkrise gibt es in der Bankenbranche derzeit kaum Anzeichen, dass die Manager bei den neuen Arbeitsverträgen Zugeständnisse machen müssen. „Die Verträge haben sich nicht geändert: Kandidaten mit starker Verhandlungsposition gelingt es, die Bank davon zu überzeugen, die Probezeit aus dem Vertrag zu nehmen“, nennt Andreas Halin von der Personalberatung Global Mind ein Beispiel.

Quelle:  Handelsblatt Online
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