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Stellenabbau: Bankern droht Kündigungswelle

von Mark Fehr und Cornelius Welp

Bisher lief der Jobabbau bei den Geldhäusern schleichend. Nun könnten bald Tausende deutscher Bankangestellte auf der Straße stehen.

Für Bankangestellte brechen düstere Zeiten an. Die kommende Abbauwelle wird wohl vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen. Quelle: dpa
Für Bankangestellte brechen düstere Zeiten an. Die kommende Abbauwelle wird wohl vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen. Quelle: dpa

Die Kreissparkasse Euskirchen kehrt aus: Ein Dutzend Geschäftsstellen hat das Institut bei Bonn im Frühjahr dichtgemacht und teilweise durch Automaten ersetzt. Übrig bleiben 17 Filialen sowie sieben Selbstbedienungsstandorte.

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Getrieben von Rationalisierungsdruck und strengeren Eigenkapitalregeln dünnen nicht nur Sparkassen, sondern auch andere Institutsgruppen ihr Filialnetz aus und reduzieren die Zahl der Mitarbeiter. Walter Sinn, Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Bain & Company, geht davon aus, dass in zehn Jahren ungefähr ein Viertel der bestehenden Bankfilialen in Deutschland verschwunden sein wird.

Bisher wurden Stellen im Geldgewerbe, ob in Euskirchen oder Berlin, möglichst lautlos und sozialverträglich reduziert – wie Altersteilzeit oder den Verzicht auf Nachfolger für regulär ausscheidende Mitarbeiter. Die Instrumente des schonenden Abbaus sind jedoch weitgehend ausgereizt, was auf der Arbeitnehmerseite für Unruhe sorgt.

Goldman Sachs

Bedrohte Stellen: unbekannt

Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen.

Bild: dpa

„Die Beschäftigten im Kreditgewerbe stehen vor einer Zäsur, wir befürchten, dass es einen weiteren Stellenabbau geben wird“, sagt Beate Mensch, im Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zuständig für die Beschäftigten in der Finanzbranche. Grund sei, dass viele Institute ihre Strategie etwa im schwächelnden Privatkundengeschäft ändern wollen.

Tausende Jobs werden überflüssig

„Kommende Abbauwellen würden vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen“, sagt die Gewerkschafterin. Bei denen sei die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gern genutzte Altersteilzeit nicht anwendbar. Damit ist der Konflikt programmiert. „Gegen betriebsbedingte Kündigungen“, droht Mensch, „würden wir uns mit allen Mitteln wehren.“

Zahl der Bankmitarbeiter und Filialen in Deutschland
Zahlen der Bankmitarbeiter und Filialen in Deutschland (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Anzeichen für einen unruhigen Herbst bei den Banken sind unübersehbar. Die Commerzbank will sich im September zu neuen strategischen Maßnahmen äußern, die HypoVereinsbank will dies Ende des Jahres tun.

„Sollte es 2013 zu einer Rezession kommen, fürchten wir einen weiteren deutlichen Abbau“, sagt Klaus Grünewald, der für Verdi seit zehn Jahren im Aufsichtsrat der zur italienischen UniCredit gehörenden HypoVereinsbank sitzt und bereits zahlreiche Stellenstreichungen erlebt hat. Vor allem im Firmenkundengeschäft und Investmentbanking könnte es laut Grünwald zu weiteren Jobverlusten kommen.

Auch bei der von der Deutschen Bank übernommenen Postbank blicken die Beschäftigten bang in die Zukunft. Mit starken Einschnitten ins Filialnetz rechnen sie zwar nicht. Doch die Informatiker arbeiten an einer neuen, gemeinsamen IT-Plattform von Mutter und Tochter. Wenn die in den nächsten Jahren anläuft, werden wohl einige Tausend Jobs überflüssig.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.08.2012, 06:59 UhrJoselyn

    Es ist erschreckend zu lesen, wie auf diese Weise wieder tausende von Menschen arbeitslos werden. Natürlich werden die Arbeitsplätze wie immer nur bei den normalen Angestellten abgebaut, damit die in den "Führungspositionen" noch mehr Geld bekommen.

    Es ist bereits jetzt so, dass Bankkaufleute, die nach der Ausbildung übernommen werden oder neu eingestellt werden, oftmals auf Provision mit einem kleinen Grundgehalt oder sogar ganz ohne Grundgehalt nur auf Provision eingestellt werden. Das man da keine Beratung und keinen Service mehr erwarten kann ist wohl jedem klar. Taxmeifyoucan hat Recht damit, dass das zu Armut, Chaos und Kriminalität führt wie in den USA. Leider.

    Schließlich haben wir auch in Deutschland 1,5 Millionen Jugendliche, die arbeitslos sind. Dazu kommen noch die vielen Menschen, die arbeitslos sind oder nur sehr wenig verdienen.


    Second Magazine vom 08.04.12:
    Aufgrund des Artikels (Thema Arbeitslosigkeit in Deutschland) hatten wir eine tiefergehende Analyse vorgenommen, und wir kamen zu dem Schluss, das darf doch nicht wahr sein:
    5,4 Millionen Menschen empfangen ALG I+II. (Statistisches Bundesamt)
    8,8 Millionen Menschen ernähren sich unterhalb des Mindestlohnes (DGB 14.03.12)
    18 Millionen Menschen bekommen Geld zur Grundsicherung (Statistisches Bundeamt)
    nicht weniger als 32 Millionen Menschen haben im Monat weniger als 400,00 €. Das lässt sich auch nicht mit den immer wieder gefälschten Zahlen beschönigen.

  • 28.08.2012, 20:47 Uhrtaxmeifyoucan

    @VerySeriousSam

    Sie haben ja so Recht! Warum wird nie bei den Geldsäcken der oberen Etagen gekürzt? Da würde sicher ein ordentlicher Batzen zusammenkommen.

    Weil diese aber den anderen die Stellen vernichten, sollten wir sie mit deftigen Zwangsanleihen belegen und ihnen vieles unter dem Arsch wegsteuern.

    Das halte ich für richtig! Auch darüber brauchen wir endlich eine Diskussion.

    die fahren mit steuerlich subventionierten Dienstwagen, sorgen dafür, dass es weniger Arbeitsplätze gibt, sich selbst gönnt man aber gigantische Boni, üppige Festgehälter und das große Fressen.

    es muss wie nach 1932 wieder für eine angemessene Besteuerung gesorgt werden -- so war es in den USA auch bis 1980. Das Ruder muss wieder herumgerissen werden, sonst erleben wir nur noch zivilisatorische Rückschritte.

    die Gesellschaften sind nur durch eine starke Mitte reich geworden - Neofeudalismus führt in Armut, Chaos und Kriminalität. Das sieht man doch überall bereits -- Zerfallserscheinungen in den USA und Europa.

  • 28.08.2012, 20:13 UhrJeremyRifkin

    Dort dürften Banken per Automatisierung die Personaldecke um 20 bis 30 Prozent reduzieren“, sagt Reinhard Messenböck, Experte für Retailbanking bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, schreibt er.

    Endlich kriegt man mal life mit, wie genau die IT-Revolution Arbeitsplätze wegrationalisiert und wegautomatisiert. Sonst glaubt einen das ja immer keiner. Wir müssen endlich mal drüber offen und ehrlich diskutieren, wie wir eine Gesellschaft organisieren, in der Technik viele Arbeitskräfte nicht mehr benötigt. Ich vermisse die ehrliche Diskussion dazu. In Wirklichkeit ist der demographische Wandel ein SEGEN für uns! Die weniger Kinder werden es evtl. - bei angemessener Bildung - doch wieder etwas leichter haben. Damit das Sozialgefüge nicht auseinanderfliegt, muss man aber neue Regeln aufstellen. Eine gut sichernde Grundrente für die Verlierer gehört mit dazu. Ebenfalls eine Umverteilung von Arbeit. Wenn das Arbeitsvolumen sinkt, dann muss es nunmal Verteilung geben. Diejenigen in schlechter bezahlten Jobs müssen mit Abgaben entlastet werden,das muss auf stärkere Schultern übertragen werden. Statt nur über Arbeit muss man sich neue Finanzierungen für den Sozialstaat überlegen - bis hin zu Zwangsanleihen.

    "Das Ende der Arbeit" mal lesen. Und als nächstes kommen die Supermärkte ohne Kassierer überall -- in Dänemark ist schon der Erste ganz ohne!

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