Steueraffäre: Commerzbank sortiert 400 Kunden aus

Steueraffäre: Commerzbank sortiert 400 Kunden aus

Die Commerzbank will einen Schlussstrich unter die Steueraffäre in Luxemburg ziehen. Finanzkreisen zufolge setzt die dortige Tochter rund 400 Kunden wegen mutmaßlicher Schwarzgeld-Konten vor die Tür.

Diese Kunden hätten nicht auf wiederholte Aufforderungen der Bank reagiert, ihre steuerliche Situation zu klären und transparent zu machen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch und bestätigten damit Berichte unter anderem der "Süddeutschen Zeitung" und des "Handelsblatt". Die Kündigungen würden zum 30. April wirksam. "Dann geht nichts mehr - es sei denn, jemand kann auf einmal nachweisen, dass er schon immer steuerehrlich war", sagte einer der Insider. Die Commerzbank wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Steueroasen

  • Bahamas

    Ein echtes Paradies: Viel Sonne, Strand und keine Steuern für Unternehmen, Werktätige und Privatiers

  • Dublin

    Irische Spezialität: doppelter Firmensitz mit direktem Zugang in die Karibik

  • Amsterdam

    Keine Steuern auf Lizenzen! Der Fiskus bietet geheime "Tax Rulings" zu Sonderkollektionen an

  • Berlin

    Nie mehr geteilt: Unternehmen vererben ohne Steuer. Gilt auch für privates Geld-, Aktien-, Immobilienvermögen

  • Guernsey

    Kanalinsel im Kronbesitz von Elisabeth II. ohne Mehrwert-, Kapitalertrag- und Erbschaftsteuer. Milde Tarife für Unternehmen

  • Antwerpen

    Flamen mögen forschungsintensive Firmen: nur 6,8 Prozent Steuern. Plus: Fiktive Eigenkapitalzinsen drücken den Gewinn

  • Stockholm

    Auf den ersten Blick teuer, aber reizvolle Doppelbesteuerungsabkommen mit Polen oder Südkorea

  • Cook Islands

    Gerade wer mit Kunst handelt, liebt die Finanzverwaltung der Insel für ihre Flexibilität und Verschwiegenheit

Im Februar war bekannt geworden, dass Angestellte der Luxemburger Tochter im Verdacht stehen, über viele Jahre Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Der Fall ist deshalb pikant, weil die Commerzbank in der Finanzkrise mit Milliardensummen durch die Steuerzahler gerettet wurde und den Bund noch immer als Großaktionär hat. In der Steueraffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln. Bei bundesweiten Razzien war im Februar auch die Frankfurter Zentrale von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus durchsucht worden. Die Ermittler stellten Kundendaten sicher und wollten herausfinden, wer in der Bank was wusste. Die Commerzbank erklärte damals, mit den Behörden zur Aufklärung der Affäre zusammenzuarbeiten.

Wie die Insider nun berichten, wurden die Kündigungen im Januar verschickt. Sie sind demnach der Schlusspunkt in einer ganzen Serie von Briefen, die die betroffenen Kunden seit Mai 2013 von der Bank erhielten. Das Institut habe sich 2013 zu diesem Schriftverkehr entschlossen, um das Steuerthema zu eskalieren, sagte einer der Insider. Der bis dato stattfindende Dialog mit den Kunden habe zu unbefriedigenden Ergebnissen geführt und viel zu viel Zeit gekostet. Etliche Altfälle mit unklarem Steuerstatus stammten zudem aus der mitten in der Finanzkrise übernommenen Dresdner Bank, erläuterte ein anderer Insider.

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Das habe die Aufarbeitung zusätzlich erschwert. Den Informationen zufolge hat sich die Commerzbank inzwischen auch von einer kleineren Anzahl von Mitarbeitern der Luxemburger Tochter getrennt, die den Aufräumprozess nicht unterstützten. Auch dazu äußerte sich die Commerzbank nicht. Steuerermittlungen ziehen sich mitunter über Jahre hin. Insofern könnten die aussortierten 400 Kunden ein interessanter Anhaltspunkt für die Steuerfahnder sein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln betonte am Mittwoch jedoch, vorerst gebe es keinen neuen Sachstand. Laut "Handelsblatt" hat die Commerzbank die Zahl der Luxemburg-Kosten drastisch geschrumpft: 2008 waren es noch 19.250 - davon 242 von Panama-Briefkastenfirmen. Bis Ende 2014 verringerte sich die Zahl der Luxemburg-Konten demnach auf 4635. Darunter seien noch 63 Panama-Konten, auf denen 83 Millionen Euro lagerten.

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