Stresstest: Deutsche Bank und Commerzbank unter den schwächsten zehn Banken

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Stresstest: Deutsche Bank und Commerzbank unter den schwächsten zehn Banken

, aktualisiert 29. Juli 2016, 23:10 Uhr
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Zwischenzeugnisse für Europas Banken.

Die Bankenaufsicht hat die Ergebnisse des Stresstests veröffentlicht. Insgesamt zeigen sich Europas Geldinstitute stabil, Deutsche Bank und Commerzbank gehören allerdings zu den schwächeren.

Das italienische Institut Monte dei Paschi und zwei irische Geldhäuser haben beim europaweiten Banken-Stresstest ihren Ruf als Sorgenkinder untermauert. Monte Paschi schnitt von den 51 geprüften Geldhäusern am schlechtesten ab, wie die EU-Bankenbehörde EBA am Freitagabend mitteilte. Die Bank aus Siena hatte kurz vor der Bekanntgabe der Ergebnisse einen Rettungsplan vorgelegt. Aber auch die deutschen Banken offenbarten bei der Prüfung Schwächen. Die Commerzbank und die Deutsche Bank gehörten zu den schwächsten zehn Teilnehmern.

Die Institute mussten beim Stresstest simulieren, wie stark ihre Kapitalquoten bei einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise zusammenschmelzen würden. Von den neun geprüften deutschen Häusern schnitt die Commerzbank am schlechtesten ab. Sie kam im Stress-Szenario auf eine harte Kernkapitalquote von 7,4 Prozent. Die Deutsche Bank lag mit 7,8 Prozent in der Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz.

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Insgesamt sieht die Europäische Zentralbank (EZB) die Bankenbranche nach den Ergebnissen des jüngsten Stresstests in besserer Verfassung als noch vor zwei Jahren. Die Resultate spiegelten wider, dass die Geldhäuser inzwischen erheblich Kapital aufgenommen und ihre Bilanzen weiter repariert hätten, erklärte die oberste EZB-Bankenaufseherin, Daniele Nouy, am Freitagabend. "Der Bankensektor ist heute widerstandsfähiger und kann viel besser wirtschaftliche Schocks absorbieren als vor zwei Jahren."

So haben deutsche Banken beim Stresstest 2016 abgeschnitten

  • EZB-Bankenstresstest - die Szenarien

    Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie prüfte mit der Europäischen Zentralbank eine ganze Reihe von Kennzahlen und testeten wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften.

    Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten (Basisszenario). Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung (Adverses Szenario).

    So haben die neun geprüften deutschen Banken abgeschnitten:

  • Bayerische Landesbank

    Kernkapitalquote (2015): 11,99 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,41 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,34 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -365

  • Commerzbank

    Kernkapitalquote (2015): 12,13 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,13 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,42 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -471

  • Dekabank

    Kernkapitalquote (2015): 13,50 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,17 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,53 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -397

  • Deutsche Bank

    Kernkapitalquote (2015): 11,11 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,08 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,80 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -332

  • Landesbank Baden-Württemberg

    Kernkapitalquote (2015): 15,98 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 15,58 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,40 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -658

  • Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

    Kernkapitalquote (2015): 13,11 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,42 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 10,10 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -301

  • Norddeutsche Landesbank

    Kernkapitalquote (2015): 12,09 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,16 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,62 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -347

  • NRW.Bank

    Kernkapitalquote (2015): 42,54 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 39,44 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 35,40 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -714

  • Volkswagen Financial Services AG

    Kernkapitalquote (2015): 11,67 %

    Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,90 %

    Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,55 %

    Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -211

Auch die Bundesbank hält die deutschen Geldhäuser für gut vorbereitet, mit ihren Kapitalpolstern eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise zu überstehen. Die Banken hätten in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalbasis gestärkt und Risikopositionen abgebaut, erklärte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Freitagabend. Die Widerstandsfähigkeit habe sich damit deutlich erhöht. Das machten auch die Ergebnisse im Krisenszenario deutlich. "Der Stresstest zeigt, dass die deutschen Banken gerüstet sind, diesen ausgeprägten Schocks zu widerstehen."

Deutsche Banken unter Druck

Die großen deutschen Banken gerieten allerdings ordentlich unter Druck, auch die Deutsche Bank. Im Krisenszenario, in dem eine schwere Rezession simuliert wurde, fiel die harte Kernkapitalquote von Deutschlands größtem Geldhaus auf 7,8 Prozent. Damit schnitt das Institut allerdings noch besser ab als die Commerzbank mit 7,4 Prozent, wie die europäische Bankenaufsicht EBA am Freitagabend mitteilte. Insgesamt hatte sie 51 Institute unter die Lupe genommen, davon neun aus Deutschland.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan zeigte sich erleichtert: "Wir sind 2016 mit einem besseren Ergebnis aus dem Test herausgekommen als 2014, obwohl der diesjährige Test anspruchsvoller war", erklärte er. "Der Stresstest zeigt, dass die Bank auch für härtere Zeiten gewappnet ist." Das Management werde die Finanzpuffer wie geplant weiter stärken. "Wir sind auf einem guten Weg, bis Ende 2018 eine Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent zu erreichen."

Stresstest Wie Europas Banken gestresst werden

Freitagabend veröffentlichen Europas Bankenaufseher die Ergebnisse des Stresstests, und einige Institute werden besonders zittern müssen, darunter auch die Deutsche Bank. Die wichtigsten Antworten zur Banken-Prüfung.

Quelle: dpa

Erstmals wurde in dem Test auch das Risiko einbezogen, das sich aus dem Fehlverhalten von Bankern ergibt. Hier hat die Deutsche Bank einen besonders wunden Punkt, ist sie doch rund um den Globus in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verstrickt. Noch immer hat sie 5,5 Milliarden Euro für erwartete Vergleiche zurückgestellt, darunter den Geldwäsche-Skandal in Russland, der sogar noch in die jüngere Vergangenheit fällt.

Europaweit standen italienische Banken besonders im Fokus, da sie Schätzungen zufolge faule Kredite von 360 Milliarden Euro vor sich herschieben. Als schwächstes Institut entpuppte sich - wie beim vorangegangenen Test 2014 - Monte Paschi. Dieses Mal kam die älteste Bank der Welt bei einer simulierten Krise auf eine Kapitalquote von minus 2,4 Prozent. Die Bank hat sich nach eigenen Angaben aber bereits eine fünf Milliarden Euro schwere Finanzspritze gesichert. Zudem will sie mit dem Segen der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre faulen Kredite losschlagen.

Den insgesamt vorletzten Platz belegte die irische Allied Irish Bank (AIB), gefolgt von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) aus Österreich und der Bank of Ireland.. Die RZB kam im Stress-Szenario noch auf eine Kernkapitalquote von 6,1 Prozent. "Österreichs Banken brauchen mehr Eigenkapital, das haben wir immer gesagt", sagte Helmut Ettl, der Chef der österreichische Finanzmarktaufsicht FMA, der Nachrichtenagentur Reuters.

Anders als beim vorangegangenen Stresstest 2014 gab es dieses Mal keine Mindestkapitalquote, die Banken bei einer simulierten Krise minimal erreichen müssen - sie konnten somit auch nicht durchfallen. Nach Einschätzung von Analysten werden aber alle Banken kritisch beäugt werden, deren Quote im Stressszenario unter sieben Prozent gefallen ist. Geldhäuser aus Griechenland und Portugal nahmen dieses Mal nicht teil.

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