Studie: Wie BlackRock & Co. den Wettbewerb zwischen Banken einschläfern

Studie: Wie BlackRock & Co. den Wettbewerb zwischen Banken einschläfern

von Mark Fehr

Institutionelle Großanleger können den Wettbewerb ausbremsen, wenn sie sich gleichzeitig an mehreren Banken beteiligen. Deren Kunden zahlen höhere Gebühren und kassieren niedrigere Guthabenzinsen.

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BlackRock in den USA

Bisher gingen Ökonomen und Kartellbehörden davon aus, dass der Wettbewerb funktioniere, wenn sich genug annähernd gleich starke Anbieter im Markt tummeln. Neue Forschungsergebnisse aus den USA legen aber den Schluss nahe, dass auch die Eigentümerstruktur eine Rolle spielt. Ökonomen beleuchten nun die Auswirkungen von Beteiligungen durch Großinvestoren wie den Vermögensverwaltern und Fondsgesellschaften BlackRock, State Street, Fidelity und Vanguard auf die Wettbewerbssituation.

Beteiligen sich solche Großinvestoren an mehreren Unternehmen derselben Branche, schränkt das den Wettbewerb ein. Die Ankerinvestoren stacheln Manager nicht mehr zu aggressiver Geschäftspolitik an, sobald sie gleichzeitig an Konkurrenten beteiligt sind.

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Aus Sicht der Kunden sind diese Simultanbeteiligungen daher nachteilig, sagt eine im Januar fertig gestellte Studie zum amerikanischen Bankenmarkt. Autoren des Papers sind die Ökonomen Martin Schmalz und Sahil Raina von der Universität Michigan sowie José Azar vom Beratungsunternehmen Charles River Associates.

Trotz starkem Wettbewerb keine günstigen Konditionen

Den gleichen Effekt haben Schmalz und Azar bereits für die US-Flugbranche nachgewiesen. Jetzt haben sie Daten von 9600 Banken aus den Jahren 2002 bis 2013 ausgewertet. Ergebnis: In den dünn besetzten Märkten des Mittleren Westens wetteifern Banken stärker um Kunden und zahlen höhere Einlagenzinsen als in strukturstarken Regionen der Ostküste und Kaliforniens. Auch bei zwölfmonatigen Festgeldern gab es deutliche regionale Zinsunterschiede bis zu einem Prozentpunkt, obwohl die niedrigen Leitzinsen der US-Notenbank Fed das Zinsniveau stark gesenkt und Zinsdifferenzen eingeebnet hat. Zugleich waren die Kontogebühren in strukturstarken Märkten höher.

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Das Ergebnis überrascht, denn laut traditioneller Wettbewerbstheorie wären in den Märkten und Regionen, in denen sich viele Anbieter tummeln, eigentlich mehr Wettbewerb und damit günstigere Konditionen für die Kunden zu erwarten. Den Grund sehen die Wissenschaftler in der Eigentümerstruktur der untersuchten Banken. Die in strukturstarken Regionen aktiven Großbanken wie JP Morgan Chase, Bank of America oder Citigroup befinden sich hauptsächlich in Händen einer kleinen Gruppe institutioneller Anleger. So sind im boomenden New Yorker Stadtteil Manhattan zwar sehr viele Großbanken vertreten, allerdings haben diese fast immer die gleichen Ankereigentümer an Bord. Zu den fünf größten Aktionären der fünf größten US-Banken zählen regelmäßig die gleichen vier Namen: die Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften BlackRock, State Street, Fidelity und Vanguard.

Die Forschungsergebnisse legen nahe, die Eigentümerstruktur von Unternehmen aufmerksamer durch die Wettbewerbsaufsicht prüfen zu lassen. Bei großen Fusionen und Übernahmen schauen die Wettbewerbshüter regelmäßig genau hin, während in den meisten Ländern Minderheitsbeteiligungen nicht von den Kartellbehörden unter die Lupe genommen werden. In Deutschland werden immerhin gegenseitige Beteiligungen zwischen denselben Unternehmen wettbewerbsrechtlich überprüft. So hat das Bundeskartellamt 2015 eine gegenseitige Beteiligung des Verlags M. DuMont Schauberg und der Druckerei H. Neusser von jeweils gut neun Prozent untersagt, weil daraus ein erheblicher Markteinfluss entstanden wäre.

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