Svenska-Chef Uggla: „Jeder Bankenzyklus hat uns stärker gemacht“

Svenska-Chef Uggla: „Jeder Bankenzyklus hat uns stärker gemacht“

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 12:30 Uhr
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Magnus Uggla leitet das internationale Geschäft von Svenska Handelsbanken, der zweitgrößten Bank Schwedens.

von Oliver Stock und Thomas BauerQuelle:Handelsblatt Online

Inmitten einer Branchenkrise präsentiert sich das schwedische Institut Svenska Handelsbanken stabil wie nie. Magnus Uggla, Chef des internationalen Geschäfts, erklärt, warum Profit nicht vom Investmentgeschäft abhängt.

Handelsblatt: Herr Uggla, stimmt es, dass Angestellte, die seit den siebziger Jahren für Handelsbanken arbeiten, eine Million Euro zum Ruhestand bekommen?

Magnus Uggla: Das stimmt! Neun Millionen schwedische Kronen.

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Für jeden Angestellten?

Der Laufbursche und der Vorstandsvorsitzende bekommen denselben Betrag. Aber das bezieht sich auf einen Zeitraum von vierzig Dienstjahren.

Können Sie Ihr Geschäftsmodell kurz umreißen?

Handelsbanken funktioniert wie ein Verbund unabhängiger Geschäftseinheiten, die ihre Entscheidungen vor Ort treffen. Wir nennen das das Kirchturmprinzip. Du solltest keine Geschäfte außerhalb eines Gebiets betreiben, das man von der Kirchturmspitze deiner Stadt aus nicht mehr überblicken kann. Denn dann kennt man seine Kunden, man kann sie besser bedienen, man kann bessere Kreditentscheidungen treffen.

Und das funktioniert? Würden Sie das Konzept zur Nachahmung empfehlen?

Natürlich führt das Geschäftsmodell dazu, dass wir Risiken vermeiden. Bei Handelsbanken sagen wir immer: Bei vielen Banken sind Kreditverluste reine Statistik. Aber bei uns geht das seelisch an die Substanz! Wenn du die Bank als Verantwortlicher vor Ort in Schwierigkeiten bringst, musst du es selbst wieder in Ordnung bringen. Wir haben keine gesonderte Kreditabteilung, die all die faulen Kredite übernimmt. Außerdem haben wir in den vergangenen fünf Jahren das Risikoniveau beträchtlich gesenkt. Unser Handelsergebnis etwa macht jetzt nur noch vier Prozent des Gesamteinkommens aus. Das waren mal zwanzig Prozent.

In der Branche sinken die Ergebnisziele - etwa auf 15 Prozent Eigenkapitalrendite. Was ist Ihr Ziel?

Unser Ziel ist es, besser als der Durchschnitt zu sein.


„Wir gehen Schritt für Schritt voran“

Wie geht das, wenn Sie auf das Investment-Banking verzichten, das doch in guten Zeiten der Gewinnbringer ist?

Das stimmt. In guten Zeiten ist das viel schwieriger. So um das Jahr 2005 sind wir heftig dafür kritisiert worden, weil wir nicht aggressiv expandiert haben, zum Beispiel in Richtung Osteuropa. Dann kam die Krise, und die Anleger kamen zurück. Mit jedem Zyklus, den wir miterlebt haben, haben wir Selbstvertrauen gewonnen, zu sagen: „Wir hören zwar, was du sagst, lieber Kapitalmarkt, aber wir haben unser Geschäftsmodell, wir gehen Schritt für Schritt voran.“

Wie wirkt sich die Finanzkrise auf Ihre Finanzierungskosten aus?

Handelsbanken hat ein AA-Rating und wird als starke Bank angesehen. Wie Sie wissen, waren die Märkte für vorrangige unbesicherte Bankanleihen im dritten Quartal fast zu. Dann hat die Deutsche Bank eine zweijährige Emission gemacht. Ein paar Tage später haben wir eine zehnjährige Emission gebracht. Wir können auf den Kapitalmärkten Geld sehr viel billiger als die meisten anderen Banken leihen. Und das bringt uns Vorteile.

Die Personalkosten von Handelsbanken sind in den ersten neun Monaten um vier Prozent gestiegen. Sie haben die Löhne erhöht und zusätzliche Beschäftigte eingestellt. Warum das?

Wir eröffnen gerade neue Niederlassungen in Großbritannien und in den Niederlanden. Wir haben jetzt 115 Niederlassungen in Großbritannien.

Und Deutschland?

Deutschland hat einen sehr wettbewerbsintensiven Bankenmarkt. Deshalb gehen wir hier langsamer vor. Wir haben sieben Niederlassungen. Momentan sind keine weiteren Neueröffnungen vorgesehen, aber wir haben auch in Deutschland Leute eingestellt. Wir zielen auf deutsche Unternehmen mit internationaler Präsenz ab. Aber wir haben auch eine Menge Einlagen von Privatpersonen in jüngster Zeit bekommen.


„Zu ehrgeizige Bankenaufsicht kann der Realwirtschaft schaden“

Ist die europäische Bankenaufsicht Eba gut beraten, die Anforderungen zu verschärfen?

Ich kann die Logik dahinter verstehen, dass sie sicherstellen wollen, dass die Banken genug Kapital haben. Wenn man zu ehrgeizig vorgeht, kann es passieren, dass die Banken ihre Bilanzen schrumpfen. Der daraus entstehende Kreditengpass wird die Realwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.

Ihre Kreditausfallquote liegt bei 0,05 Prozent, Ihre Kernkapitalquote bei 14,7 Prozent. Haben Sie überhaupt griechische Anleihen gekauft?

Nein.

Italienische Anleihen?

Nein.

Spanische Anleihen?

Nein.

Würden Sie Euro-Bonds kaufen?

Ich weiß es nicht.

Bereitet sich Handelsbanken auf ein Ende des Euros vor?

Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor. Das schließt ein Auseinanderfallen der Euro-Zone mit ein. Wahrscheinlicher erscheint mir aber, dass es eine Kern-Euro-Zone mit stärkeren Volkswirtschaften geben könnte.

Vielen Dank für dieses Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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