Teurer Rechtsstreit mit Investmentbankern: Commerzbank muss Millionen-Boni nachzahlen

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Teurer Rechtsstreit mit Investmentbankern: Commerzbank muss Millionen-Boni nachzahlen

Kostspielige Niederlage für die Commerzbank: Nach jahrelangem Rechtsstreit muss das Institut britischen Investmentbankern 52 Millionen Euro an Boni nachzahlen. Die Klägeranwälte feierten den "Sieg von David gegen Goliath".

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Commerzbank-Chef Martin Blessing schaut angestrengt. Das Institut muss Investmentbankern dicke Boni nachzahlen.

Die Commerzbank muss 104 ehemaligen Investmentbankern in Großbritannien 52 Millionen Euro nachzahlen, die sie ihnen in der Finanzkrise als Bonus versprochen hatte. Ein Berufungsgericht in London wies die Beschwerde der Commerzbank gegen ein entsprechendes Urteil am Freitag ab.

Der Rechtsstreit zieht sich bereits seit dreieinhalb Jahren hin. Mit Zinsen und Prozesskosten kommen auf die Bank nun rund 70 Millionen Euro zu. In der ersten Instanz am High Court hatte Richter Robert Owen der Commerzbank im Mai vorgeworfen, sie habe die vertraglichen Rechte der Mitarbeiter auf dem "Altar der öffentlichen Meinung" geopfert. Anwälte der Kläger sprachen von einem "Sieg von David gegen Goliath".

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Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (SoFFin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der SoFFin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den Stillen Einlagen des SoFFin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. "Da geh ich nicht nochmal hin", sagt er und meint den SoFFin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonus-Aktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der SoFFin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • November 2012

    Die Bank kündigt an, rund zwei Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Geschäfts zu stecken.

  • März 2013

    Der SoFFin lässt die Beteiligung an der Commerzbank erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz.

  • April 2013

    Die Zahl der Aktien wird eingedampft, aus zehn Aktien wird eine.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank zahlt den Rest der stillen Einlagen des Staates und der Allianz zurück.

  • Juni 2013

    Das Management ringt den Arbeitnehmervertretern den Abbau von 5200 Stellen ab.

  • Juli 2013

    Die interne Bad Bank der Commerzbank kann ihr Portfolio britischer Gewerbeimmobilien verkaufen.

  • August 2013

    Der Aufsichtsrat beschließt die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Köpfe.

Eine Commerzbank-Sprecherin sagte dagegen, das Urteil passe nicht in die Zeit: "Gerade wegen der Forderungen der Aufsichtsbehörden, der Öffentlichkeit und von Aktionären, einen angemessenen Ausgleich zwischen dem Geschäftsergebnis einer Bank und der variablen Vergütung ihrer Mitarbeiter zu erreichen, ist das Urteil bedauerlich." Die Bank werde prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten es nun noch gebe.

Das deutsche Bundesarbeitsgericht hatte vergleichbare Klagen von Bankern mit deutschen Arbeitsverträgen abgewiesen, auch in Italien und Japan blitzten Commerzbank-Mitarbeiter bei Gericht ab. Und selbst in den USA seien entsprechende Forderungen in Schlichtungsverfahren zurückgewiesen worden, erklärte die Bank.

Weitere Artikel

In den Streitfällen ging es darum, ob die Commerzbank einen von den Verantwortlichen von Dresdner Kleinwort vor der Fusion mündlich ausgelobten Bonustopf von 400 Millionen Euro radikal zusammenstreichen durfte, nachdem sich bei der Investmentbank 2008 ein Verlust von 6,5 Milliarden Euro abzeichnete. Letztlich wurden nur jene 150 Millionen Euro ausgezahlt, die Dresdner Kleinwort den Banken fest dafür zugesagt hatte, dass sie vor dem Verkauf an die Commerzbank nicht kündigten. Der nur mündlich zugesagte Rest war nach ihrer Darstellung vom wirtschaftlichen Abschneiden der Investmentbank abhängig.

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