
DüsseldorfDas Ende der Ära Ackermann kommt schneller als gedacht: Die Deutsche Bank hat heute Thorsten Strauß als neuen Kommunikationschef von Deutschlands größtem Geldhaus verpflichtet. Strauß war bis Mitte Oktober vergangenen Jahres Leiter der Unternehmenskommunikation des Medienkonzerns Bertelsmann. Er wird bereits im März seine Arbeit beginnen. Allerdings möchte er sich zunächst hinter den Kulissen einarbeiten und für die Bank dann offiziell ab Juni die Sprecherrolle von seinem Vorgänger Stefan Baron übernehmen.
Strauß wird eine komplizierte Aufgabe haben, da er sich als Diener zweier Herren erweisen muss. Ab Ende Mai lenkt bei der Deutschen Bank eine Doppelspitze aus dem bisherigen Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen und dem Investmentbanker Anshu Jain die Geschäfte. Strauß' Vorgänger Baron verlässt das Unternehmen gemeinsam mit dem bisherigen Vorstandschef Josef Ackermann und geht zum 31. Mai in den Ruhestand.
Strauß sicherte sich die Zuständigkeit für die externe und interne Kommunikation sowie den Bereich Corporate Social Responsibilty der Bank, also die Kontaktpflege zur Politik in Berlin und anderen Hauptstädten. Eine zunächst angedachte Doppelspitze im Kommunikationsbereich wurde - offenbar auch auf Drängen von Strauß - wieder fallen gelassen. Der bisherige Sprecher von Investmentbank-Chef Anshu Jain, Michael Golden, wird Stellvertreter von Strauß und soll von London nach Frankfurt umziehen. Nach einem monatelangen Auswahlverfahren für die Sprecherposition bei der Deutschen Bank entschieden sich Fitschen und Jain für ihn.
Strauß hatte seine Karriere als Journalist begonnen und unter anderem als Lokalredakteur der ostwestfälischen Regionalzeitung „Die Glocke“ gearbeitet. Dann diente er im Bertelsmann-Konzern in verschiedenen Kommunikationspositionen. Er ist ein enger Vertrauter des ehemaligen Konzernchefs Hartmut Ostrowski. Dessen Aufstieg vom Spartenvorstand zum Konzernsprecher beförderte Strauß mit Geschick und Schlitzohrigkeit. Als Ostrowski das Unternehmen Ende Oktober vergangenen Jahres verlassen hatte, ging auch Strauß.
Privat ist Strauß bereits mit der Deutschen Bank vertraut
Strauß ist bodenständig im besten Sinne des Wortes. Obwohl er jahrelang mit Ostrowski durch das weltweite Medienimperium jettete, bewahrte er sich eine volksnahe Sicht der Dinge, die in der jetzigen Lage helfen könnte, die Sprachlosigkeit zwischen Bankenwelt und Gesellschaft zu überwinden. Strauß ist ein professioneller Menschenfänger, der auch Andersdenkende umarmt und Konflikte stets konstruktiv bewältigt. Der 44-Jährige ist jemand, der undogmatisch agiert und auch in der Lage ist, sich bei guten Argumenten vom Gegenteil überzeugen zu lassen.
Viele unterschätzten in Gütersloh den Ehrgeiz von Thorsten Strauß. Als er seinen Journalistenjob an den Nagel hängte und zunächst zu Arvato, dem Druck- und Mediendienstleister von Bertelsmann, wechselte, gaben ihm manche Bertelsmann-PR-Kollegen nur wenige Jahre. Doch Strauß verstand es, mit Fleiß und Energie sich durchzubeißen. In dieser Zeit entwickelte er ein sicheres Gespür für Macht. Dass Hartmut Ostrowski sich im Wettbewerb um den Chefsessel bei Bertelsmann im Jahr 2008 durchsetzte, war auch ein Verdienst der Beratertätigkeit von Strauß. Während andere PR-Manager für ihre Kandidaten trommelten, spannte Strauß im Hintergrund die Fäden. Am Ende stand der Erfolg: Sein Chef wurde der Konzernlenker.
Für Strauß ist die Finanzwirtschaft bislang „terra incognita“. Selbst zu Bertelsmann-Zeiten war er kein Zahlenmensch.
Privat ist Strauß durchaus mit der Deutschen Bank vertraut. Sein jüngerer Bruder Bruder Frank, zuvor Vorstand bei der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG, ist seit 1. Juli 2011 Vertriebsvorstand der Postbank.













