Überweisungen per Smartphone: Deutschland hat beim Mobile Banking Nachholbedarf

Überweisungen per Smartphone: Deutschland hat beim Mobile Banking Nachholbedarf

Nicht erst seit Apple seinen eigenen Mobile-Payment-Dienst vorgestellt hat, sind mobile Zahlungen in den Fokus der Banken gerückt. Deutschland hat hier aber Nachholbedarf – das Tempo in Europa gibt Großbritannien vor.

Smartphones und Tablets haben schon so manche Branche durcheinandergewirbelt. Über die Mobilgeräte werden unterwegs Nachrichten über Soziale Netzwerke verschickt, News sind immer und quasi überall verfügbar, auch der Einkauf über das Smartphone gehört längst zum Alltag. Bei einem Punkt sind die Deutschen aber noch zurückhaltend: Mobile Banking.

Während in Großbritannien laut der British Bankers' Association im März 2015 10 Prozent mehr tägliche Logins über Banking-Apps als das Online Banking erfolgt sind, ist Deutschland in diesem Sektor weit abgeschlagen. Wie eine Auswertung des Mobile-App-Analysehauses App Annie zeigt, wurden im ersten Quartal diesen Jahres die zehn führenden Apps für das Privatkundengeschäft in Großbritannien driemal so oft heruntergelanden wie die in diesem Bereich zehn erfolgreichsten Apps in Deutschland – der Gesamtmarkt für Apps ist in Großbritannien aber nur um 15 Prozent größer.

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Studie Warum die Deutschen ihre Bank wechseln

Immer mehr Nicht-Banken machen den klassischen Instituten Firmenkunden streitig, wie eine aktuelle Studie von Ernst & Young zeigt. Doch die Banken können sich wappnen - etwa, indem sie die mobilen Dienste verbessern.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat eine Banken-Studie durchgeführt Quelle: dapd

"Vorausgesetzt, der Erfolg der Banken in Großbritannien lässt sich wiederholen, ist dies eine erhebliche Chance für diejenigen Banken, die aus der Schlacht um App-Nutzer in Deutschland als Gewinner hervorgehen", heißt es in der Auswertung. In Großbritannien werden bereits mit Banking-Apps 2,9 Milliarden Pfund pro Woche überwiesen.

In Deutschland zählt Sicherheit

Die Studie zeigt aber auch erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Ländern, weshalb ein Erfolg in Großbritannien kaum direkt nach Deutschland übertragen werden kann. Während auf dem britischen Mobile-Banking-Markt vor allem innovative App-Funktionen gefragt sind, zählt in Deutschland in erster Linie Sicherheit.

Drei der zehn führenden Apps in Großbritannien kommen von der Großbank Barclays, unter anderem eine App für Peer-to-Peer-Überweisungen zwischen zwei Geräten – inzwischen sind sogar Zahlungen an Personen über verknüpfte Twitter-Konten möglich. Der Wunsch nach einem reibungslosen Mobilerlebnis ist so groß, dass die iOS-Apps der Royal Bank of Scotland und NatWest den Login ausschließlich per Fingerabdruck über die Touch-ID erlauben.

Die beliebtesten Mobile-Banking-Apps in Deutschland

  • Platz 10

    Bank: Volksbanken und Raiffeisenbanken
    App: Online Filiale

    Quelle: App Annie, Downloads im ersten Quartal 2015 aus iOS App Store und Google Play Store zusammengefasst

  • Platz 9

    Bank: Commerzbank
    App: Commerzbank Kontostand

  • Platz 8

    Bank: ING-Direct
    App: ING-DiBa Banking + Brokerage

  • Platz 7

    Bank: Deutsche Kreditbank
    App: DKB-pushTAN

  • Platz 6

    Bank: Sparkassen
    App: S-pushTAN

  • Platz 5

    Bank: Deutsche Bank
    App: Meine Bank

  • Platz 4

    Bank: Commerzbank
    App: Commerzbank

  • Platz 3

    Bank: Postbank
    App: Postbank Finanzassistent

  • Platz 2

    Bank: Volksbanken und Raiffeisenbanken
    App: VR Banking

  • Platz 1

    Bank: Sparkassen
    App: Sparkasse

In Deutschland liegt der Fokus hingegen auf der Sicherheit. Zwei der Top-Ten-Apps hierzulande (S-pushTAN von der Sparkasse und DKB-pushTAN von der Deutschen Kreditbank) dienen nur dazu, ein Einmalkennwort für den Zugang zu der eigentlichen Mobile-Banking-App zu erzeugen. "Dies steht in scharfem Kontrast zu den Banken in Großbritannien, deren besonderes Augenmerk sich auf die Beseitigung von Anmeldeschritten richtet, um eine reibungslose Mobile-Banking-Erfahrung zu gewährleisten", schreiben die Experten. Ein anderes Beispiel: Die App Commerzbank Kontostand dient nur dazu, den Kontostand abrufen zu können – falls das Smartphone verloren geht, können auch keine nutzbaren Informationen wie Kontoname oder -nummer ausgelesen werden.

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"Die Bereiche Mobile Banking und mobile Zahlungen entwickeln sich rasant, selbst nach den Maßstäben des schnelllebigen App-Markts", bilanzieren die Studienautoren. "Angesichts des steigenden Wettbewerbsdrucks von außen sind auf den bestehenden Beziehungen und dem Vertrauen zwischen Banken und Kunden aufbauende Innovationen unerlässlich, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden."

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