Umstrittene Bankengeschäfte: "Investmentbanking wurde jahrelang schön gerechnet"

InterviewUmstrittene Bankengeschäfte: "Investmentbanking wurde jahrelang schön gerechnet"

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Dieter Hein ist Bankenexperte beim unabhängigen Analystenhaus fairesearch

von Mark Fehr

Der Analyst Dieter Hein sorgt mit einer Studie für Aufregung, in der er Großinstituten wie der Deutschen Bank eine Abschaffung des Investmentbankings empfiehlt.

WirtschaftsWoche Online: Herr Hein, das Investmentbanking galt Jahrzehnte als Geldmaschine. Jetzt kommen Sie mit einer Studie, die das krasse Gegenteil zeigt. Wie konnten sich Bankchefs und Aktionäre so lange täuschen?

Dieter Hein: Die angeblich hohen Profite im Investmentbanking wurden jahrelang schön gerechnet. Möglich wurde das unter anderem durch ständige Änderungen in den Regeln für die Rechnungslegung der Banken. In den zurückliegenden zwanzig Jahren gab es vier Wechsel der Buchführungsvorschriften: Vom deutschen Handelsrecht zu den internationalen Rechnungslegungsstandards IAS, dann zu den amerikanischen Grundsätzen US-GAAP und schließlich zu überarbeiteten internationalen Vorschriften unter dem Kürzel IFRS.

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Um die Verwirrung perfekt zu machen, haben sich Anforderungen für die Kapitaldecken der Banken ständig geändert.

Richtig. Der Baseler Bankenausschuss hat mit immer neuen Kapitaldefinitionen auf die Krisen der Vergangenheit reagiert. Ergebnis sind allein fünf unterschiedliche Formeln für die Eigenkapitalquote, wie Kernkapital, hartes Kernkapital und verschiedene Abstufungen dieser Kennziffern. Selbst Analysten, die sich täglich mit Bankbilanzen beschäftigen, blicken hier nicht mehr durch.

Wo liegt das Problem immer strengerer Kapitalvorgaben?

Die Kapitalanforderungen sollen mit dem neuen Rahmenwerk des Baseler Bankenausschusses zwar steigen, doch noch ist gar nicht klar, wie Basel III konkret umzusetzen ist. Problem ist die Definition der riskanten Vermögensgegenstände. Danach gelten etwa bei der Deutschen Bank 2011 nur 18 Prozent der Bilanzsumme als Risikovermögen. Nach dieser Logik wären also 82 Prozent des Vermögens risikofrei.

Ist das realistisch?

Wie unrealistisch das ist, zeigt etwa die Behandlung von Staatsanleihen. Sie gelten immer noch als risikolose Anlagen, für die kein Haftkapital reserviert werden muss, und dass, obwohl die Schuldenkrise längst gezeigt hat, dass auch öffentliche Schuldner ausfallen können. Industrieunternehmen sitzen auf Eigenkapitalpolstern von 20 bis 30 Prozent oder höher, während Banken mit erschreckend dünnen bilanziellen Eigenkapitalquoten im niedrigen einstelligen Prozentbereich unterwegs sind.

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Wie gelang es den Banken, ihr Investmentbanking schön zu rechnen?

Die Deutsche Bank zum Beispiel hat nach meiner Schätzung 2,2 Milliarden Euro an Personalaufwand in Form von Boni für das Geschäftsjahr 2011 nicht in den Aufwendungen berücksichtigt – die Erträge allerdings schon. Das Argument: Gezahlt würden diese Vergütungen erst in späteren Jahren, sodass sie erst dann abgezogen werden müssten. Das ist wohl konform mit den international geltenden Rechnungslegungsstandards IFRS, allerdings verstößt das aus meiner Sicht gegen die in Deutschland üblichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung.

Was ist die Konsequenz?

Da das Investmentbanking bei ehrlicher Betrachtung vor allem wegen der höheren Kapitalanforderungen meiner Meinung nach unprofitabel wird, gibt es aus Sicht der Aktionäre nur eine Lösung:Der Geschäftsbereich muss eingestellt werden.

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