Umstrittene Fusion: Deutsche Börse und NYSE bieten EU Zugeständnisse an

Umstrittene Fusion: Deutsche Börse und NYSE bieten EU Zugeständnisse an

, aktualisiert 18. November 2011, 07:44 Uhr
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Die New York Stock Exchange.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Börse und die NYSE Euronext haben der EU-Kommission laut Verhandlungskreisen weitreichende Zugeständnisse angeboten, um ihre umstrittene Fusion doch noch zu retten.

Frankfurt/New YorkDie Deutsche Börse und die NYSE Euronext seien bereit, das Geschäft mit Aktienderivaten in Teilen Europas abzugeben und Konkurrenten wie der Londoner LSE Zugang zu ihrer Clearing-Sparte zu verschaffen, wie mehrere mit der Transaktion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am späten Donnerstagabend sagten.

Den Wettbewerbshütern in Brüssel ist die beherrschende Position der beiden Unternehmen ein Dorn im Auge. Die Fusionspartner hätten ihr Vorhaben kurz vor dem Ende der von der EU gesetzten Frist am Donnerstag eingereicht, hieß es in den Verhandlungskreisen weiter. Beide Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

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Die Zustimmung der EU gilt als größte Hürde auf dem Weg zu der neun Milliarden Dollar (rund 6,7 Millionen Euro) schweren transatlantischen Börsenfusion. Noch mehr als am Abwicklungs- (Clearing) und Aktienverwahr-Geschäft der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream stößt sich die Kommission an der dominierenden Stellung der Derivate-Börsen Eurex (Deutsche Börse) und Liffe (Nyse Euronext) im börsengestützten Handel etwa von Terminkontrakten (Futures). Dort kommen sie zusammen auf Marktanteile von nahezu 90 Prozent. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte vergeblich für seine Auffassung geworben, dass die wahre Konkurrenz Marktplätze außerhalb der geregelten Börsen sind - dort finden mehr als drei Viertel des Handels statt.

Die EU hatte im vergangenen Monat große Bedenken gegen die Fusion geäußert. Sie betrachtet dabei nur den Handel über die Börsen, weil sie den Handel mit den hochspekulativen Produkten dort konzentrieren oder zumindest abwickeln lassen will. Die Konzessionen, zu denen Francioni und sein Nyse-Kollege Duncan Niederauer bereit sind, seien „den Einwendungen angemessen“, sagte einer der Insider.

Das Tauziehen um die Fusion dauert seit Februar an, als die beiden Unternehmen ihre Pläne bekanntgegeben hatten. Das Votum aus Brüssel wäre eigentlich am 22. Dezember fällig, durch die Prüfung der Zugeständnisse könnte sich die Frist aber bis zum 23. Januar verlängern. Die EU kann nun noch einmal betroffene Dritte um ihre Meinung zu den Konzessionen fragen, die beiden Partner können eine weitere Anhörung verlangen. Konkret will sich die noch namenlose transatlantische Börse von den sich überlappenden Teilen des Aktienderivate-Handels in Frankreich, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien trennen, wie es in Verhandlungskreisen hieß - je nach Land vom Liffe- oder dem Eurex-Teil des Geschäfts. Für tabu erklären die Fusionspartner aber die Aktivitäten der Liffe in Amsterdam und Paris sowie das Eurex-Geschäft in Frankfurt. Francioni hatte zuletzt darauf gepocht, dass der Derivatehandel ein globaler Markt sei - die EU hat aber eher den Wettbewerb in Europa im Blick.

Liquiditäts-Staubsauger

Zudem wollten Deutsche Börse und Nyse der Konkurrenz begrenzt Zugang zur Eurex Clearing gewähren, die Derivate auf Zinsprodukte und Aktienindizes abwickelt - aber nur für solche Produkte, die als „neu und innovativ“ eingestuft werden. Damit soll der Furcht begegnet werden, dass die Riesenbörse so viel Liquidität an sich bindet, dass andere Handelsplätze gleichsam auszutrocknen drohen. Zugleich soll verhindert werden, dass die Londoner LSE oder die CME Group aus Chicago einfach die Abwicklung ihrer bestehenden Derivate auf die Eurex verlagern. Futures und Optionen auf Zinsprodukte, Aktien und Aktienindizes machen einen großen Teil ihres Geschäfts aus.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte zuletzt die „Silo-Struktur“ der Deutschen Börse kritisiert, die den Handel und die Abwicklung zugleich kontrolliere. Von großen Teilen der Nyse-Abwicklungstochter BClear wollen sich Francioni und Niederauer den Kreisen zufolge trennen. Den Verkauf der gesamten Liffe oder Eurex hatte Niederauer - der Vorstandschef der gemeinsamen Börse werden soll - vor kurzem ausgeschlossen. „An einem bestimmten Punkt geht die Logik des Zusammenschlusses nicht mehr auf, wenn wir zu viel aufgeben müssen.“ Die erhofften Einsparungen ließen sich dann nicht mehr realisieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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