Untersuchungsausschuss: WestLB scheiterte am schlechten Geschäftsmodell

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Untersuchungsausschuss: WestLB scheiterte am schlechten Geschäftsmodell

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Laut Peer Steinbrück scheiterte die WestLB an ihrem mangelhaftem Geschäftsmodell.

Vor zwei Jahren wurde die WestLB zerschlagen. Wie die mächtige Landesbank scheiterte, beleuchtet ein Untersuchungsausschuss - mit prominenten Zeugen.

Die WestLB, die als einzige deutsche Großbank die Finanzmarktkrise nicht überlebt hat, ist nach Einschätzung des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück an Jahre zurückliegenden Managementfehlern gescheitert. Die WestLB habe die Zeit bis zum Wegfall der Staatsgarantien Mitte 2005 nicht genutzt, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln, sagte er am Montag bei einer Befragung des WestLB-Untersuchungsausschusses in Düsseldorf.

Dieses Versagen habe sich fortgesetzt im Kauf von vergifteten Wertpapieren. „Diese Geschäftspolitik hat der WestLB letztlich das Genick gebrochen“, sagte Steinbrück. Billiges Geld und ein unzureichendes Geschäftsmodell seien wesentliche Faktoren gewesen. „Die WestLB hat billiges Kapital genutzt in der Annahme, dass die guten Zeiten unendlich sind“, sagte er in Hinblick auf den damals überhitzten US-Immobilienmarkt, der 2007 zur Finanzmarktkrise führte.

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WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

  • Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

  • 1832

    Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

  • 1954

    Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

  • 1969

    Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

  • 1973

    Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

  • 1981

    Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

  • 1998

    Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

  • 1999

    Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

  • 2002

    Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

  • 2003

    Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

  • 2004

    Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

  • 2005

    Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

  • 2007

    Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
    Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

  • 2008

    In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

  • 2009

    Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

  • 2010

    Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

  • 2011

    Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

  • 2012

    Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Nach Schilderung des ehemaligen NRW-Finanzministers Helmut Linssen war die WestLB-Eigenkapitalplanung immer knapp. Das Einbringen des NRW-Wohnungsbaukapitals 1992 in die WestLB - um das es in der Befragung ging - habe der Expansion gedient. Im Beihilfestreit um die niedrigen Zinsen für das Wohnungsbauvermögen habe die WestLB lange darauf gesetzt, dass Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die Bedenken der europäischen Kommission abwehren könne. „Es war Vogel-Strauß-Politik, Kopf in den Sand und es wird schon gut gehen“, schilderte Linssen.

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Die WestLB musste auf Druck Brüssels wegen der zu niedrigen Verzinsung letztlich 2005 rund 1,4 Milliarden Euro Beihilfen an das Land Nordrhein-Westfalen zurückzahlen. Sowohl Steinbrück als auch Linssen waren Anfang der Neunzigerjahre Landespolitiker, aber noch nicht Finanzminister in NRW. Die krisengeschüttelte WestLB wurde nach hohen Verlusten vor zwei Jahren zerschlagen, die Abwicklung dauert an. Steinbrück war von 2000 bis 2002 NRW-Finanzminister. Anschließend war er bis 2005 Ministerpräsident. Linssen war von 2005 bis 2010 NRW-Finanzminister.

Der seit einem Jahr arbeitende Düsseldorfer Untersuchungsausschuss will beleuchten, warum es zu den Milliardenverlusten der WestLB kam und inwieweit der Niedergang der Landesbank auf fehlerhaftes Management, möglicherweise rechtswidriges Verhalten Einzelner, fehlende Kontrolle oder politische Einflussnahme zurückzuführen ist.

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