Vor den Gewinnzahlen: Deutsche Bank muss zurück auf Los

Vor den Gewinnzahlen: Deutsche Bank muss zurück auf Los

von Cornelius Welp, Yvonne Esterházy und Angela Hennersdorf

Am Donnerstag verkündet die Deutsche Bank ihre Gewinnzahlen für 2012. Optimismus ist fehl am Platz, Mitarbeitern drohen Stellenstreichungen und Nullrunden. Kann das Institut seinen Platz in der Ersten Banken-Liga behaupten?

Die äußeren Umstände waren glamourös: Ein Tisch bei der Preisverleihung der britischen Fachzeitschrift „IFR“ an die besten Banken des Jahres im Londoner Edelhotel Grosvenor House am vergangenen Mittwoch kostete umgerechnet 7560 Euro, Prinzessin Anne persönlich verteilte die Auszeichnungen. Zu den Prämierten zählte auch die Deutsche Bank. Doch während in den Vorjahren Anshu Jain, jetziger Co-Vorstandschef und damals Leiter des Investmentbankings, die Preise selbst entgegennahm, schickte er dieses Mal Manager aus der zweiten Reihe vorbei. Bei anderen Instituten war es ähnlich, und auch das Spendenaufkommen für wohltätige Zwecke fiel niedriger aus.

Die Bescheidenheit hat ihren Grund. In der sonst zwangsoptimistischen Branche war zuletzt Tristesse angesagt. Vor allem in den Finanzzentren London und New York haben Investmentbanken Tausende Stellen abgebaut und Boni gestrichen.

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Draghi, der Retter

Doch mittlerweile scheint der Boden erreicht. Das verdanken die Banker vor allem Mario Draghi. Seit der Präsident der EZB ankündigte, den Euro notfalls mit unbegrenzten Anleihekäufen zu verteidigen, sind die Aktienkurse auf ein noch vor einem Jahr kaum für möglich gehaltenes Niveau gestiegen. Und mit ihnen die Hoffnungen der Investmentbanker, dass für sie der Tiefpunkt demnächst überwunden ist. Sie rechnen wieder mit Börsengängen, Übernahmen und anderen Deals, die Unternehmen wegen der Unsicherheit aufgeschoben hatten. Zudem, so die Hoffnung, könnten sich Investoren aus China oder dem Nahen Osten endlich aufraffen und in Europa auf große Einkaufstour gehen.

Für Experten ist jedoch klar, dass nur eine kleine Zahl von Banken von der Wiederbelebung des Investmentbankings profitieren wird. Viele werden gar nicht mehr in der Lage sein, weltweit alle Vorgaben der Regulierer zu erfüllen und Kunden bei komplizierten Transaktionen über Grenzen hinweg zu betreuen. Schon jetzt teilen die zehn größten Institute deutlich mehr als die Hälfte des Geschäfts unter sich auf.

Beschäftigte im Investmentbanking in London

Beschäftigte (in Tausend) und Bonuszahlungen (in Milliarden Pfund) im Investmentbanking in London

Banken auf Gewinn-Diät

Die Konzentration dürfte sich fortsetzen. Nur wenige Banken können auch künftig Gewinne einstreichen, wie sie in der Vergangenheit üblich waren. Zu ihnen zählen die großen US-Häuser wie Goldman Sachs und JP Morgan – und vermutlich auch die Deutsche Bank, die an diesem Donnerstag ihre Bilanz für 2012 vorlegt. Der Gewinn, das hat die Bank bereits im Dezember angekündigt, wird jedoch eher mickrig ausfallen. Altlasten und Risiken drücken das Ergebnis und gefährden den angestrebten Durchmarsch an die Weltspitze.

2012 gehörte der deutsche Branchenprimus mit einem weltweiten Marktanteil im Investmentbanking von rund fünf Prozent zu den ersten Adressen. Für Jain ist klar, dass das von ihm geführte Institut die Position verteidigen wird. Auf einer Podiumsdiskussion vergangene Woche präsentierte er sich zwar mit gemäßigtem, aber doch deutlichem Selbstbewusstsein. So könne sich sein Haus etwa anders als früher leisten, zum Vorreiter eines vernünftigen Bezahlwesens der Investmentbanker zu avancieren. Denn als einer der unumstrittenen Marktführer sei die Bank auch jenseits monetärer Verlockungen weltweit ein attraktiver Arbeitgeber.

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