Wackelkandidaten: 25 Banken fallen durch den Stresstest

Wackelkandidaten: 25 Banken fallen durch den Stresstest

, aktualisiert 26. Oktober 2014, 12:32 Uhr

Seit Monaten wird gerechnet, seit Wochen spekuliert, nun gibt es offizielle Ergebnisse: 25 Banken sind durch den Stresstest gefallen, darunter eine deutsche Bank.

Beim europaweiten Bankencheck der Europäischen Zentralbank (EZB) sind 25 der 130 untersuchten wichtigsten Geldhäuser durchgefallen, davon neun in Italien, zwei in Slowenien, drei in Zypern, zwei in Belgien, eine jeweils in Frankreich, Österreich, Griechenland und Portugal - von den deutschen Banken ist lediglich die Münchener Hypothekenbank durchgefallen sein. Sie habe jedoch ihr Kapital bereits im laufenden Jahr deutlich gestärkt, so dass diese Lücke geschlossen sei, teilten die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin am Sonntag in Frankfurt mit. Die HSH Nordbank hingegen hat den europäischen Banken-Stresstest bestanden. Danach besitzt sie genug Kapital, um auch starken wirtschaftlichen Belastungen in den kommenden Jahren standzuhalten. Auch die Deutsche Bank hat den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) ohne ihre milliardenschweren Kapitalmaßnahmen in diesem Jahr locker bestanden.

Der Banken-Stresstest habe „in eindrucksvoller Weise“ die Stabilität des deutschen Finanzmarktes unterstrichen, teilte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, mit. Er forderte mit Blick auf mögliche künftige Tests, die Institute dürften nicht noch einmal über einen Zeitraum von sechs Monaten „derart administrativ“ belastet werden. „Sollten künftig Stresstests notwendig sein, so müssen diese transparenter und mit spürbar reduziertem Aufwand durchgeführt werden.“

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Stresstest-ABC

  • A wie Asset Quality Review (AQR)

    Der erste Teil der Bankentests. Bei diesem Bilanzcheck hatten sich die Aufseher vorgenommen, mindestens 160 000 Kreditakten in die Hand zu nehmen und Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro unter die Lupe zu nehmen.

  • B wie Bankenunion

    Die führenden Banken in den 18 Euro-Staaten werden ab November gemeinsam überwacht. Ab 2016 greifen zudem gemeinsame Regeln zur Sanierung und - im Notfall - Schließung von Banken.

  • C wie Comprehensive Assessment

    Die aktuellen Bankentests verknüpfen einen Krisentest (Stresstest) mit einem direkten Blick in die Bücher der Banken, das ist neu.

  • D wie Durchfaller

    Das Wort nehmen Aufseher und Banker ungern in den Mund. Faktisch gilt: Institute, die am Ende nicht die gefordert Kapitalquote von acht Prozent vorweisen, haben die Anforderungen der Tests nicht erfüllt und müssen Kapitallöcher stopfen.

  • E wie EZB

    Die Notenbank ist eigentlich für die Zinsen im Euroraum zuständig. Weil in der Kürze der Zeit keine neue Behörde aufgebaut werden konnte, übertrugen Europas Politiker der Europäischen Zentralbank zusätzlich die Aufgabe der zentralen Bankenaufsicht.

  • F wie Finanzkrise

    Die Krise der Jahre 2007/2008 brachte die Finanzwelt an den Rand des Kollaps. Die Rettung maroder Banken kostete die Steuerzahler Milliarden. Das soll sich nach dem Willen der EU-Politiker nicht wiederholen. Daher die harten Tests und eine strengere Aufsicht vor allem über grenzüberschreitend tätige Banken.

  • G wie Großbank

    Manche Banken sind so groß, dass ihr Kollaps das weltweite Finanzsystem in Schieflage bringen könnte. Neun dieser sogenannten global systemrelevanten Banken wird die EZB künftig direkt überwachen, darunter die Deutsche Bank.

  • H wie Heimatmarkt

    Bisher waren die Aufseher in den Ländern zuständig, in denen Banken ihre Zentrale haben. Allein der Blick auf den Heimatmarkt ist jedoch zu wenig. Grenzüberschreitend tätige Banken sollen künftig von Aufsehern aus mehreren Ländern überwacht werden.

  • I wie Immobilien

    Unter ihrer laxen Vergabe von Krediten für Bauherren und Wohnungskäufer haben vielen Banken noch heute zu knabbern. Unter anderem deshalb schauen die Prüfer bei den Tests auch darauf, ob Institute auch dann überlebensfähig sind, wenn die Immobilienpreise abstürzen.

  • J wie Joint Supervisory Teams

    Für die Beaufsichtigung der 120 führenden Banken im Euroraum werden Teams aus EZB-Mitarbeitern und Aufsehern aus den nationalen Behörden gebildet. Für große Banken, deren Kollaps das ganze System gefährden könnte, können solche Aufsichtsgremien 50 bis 70 Experten umfassen.

  • K wie Kapitalquote

    Banken sollen Risiken durch mehr eigenes Kapital absichern. Dazu zählen Gelder, die im Verlustfall uneingeschränkt zur Verfügung stehen wie Stammkapital der Eigentümer, eigene Aktien und einbehaltene Gewinne. Bei den Tests wird eine Quote von acht Prozent hartem Kernkapital verlangt. 100 Euro in Risikopositionen muss eine Bank also mit mindestens 8 Euro eigenem Geld abdecken.

  • L wie Leverage Ratio

    Auch diese Verschuldungsobergrenze soll Banken sicherer machen. Dabei sollen die Geschäfte einer Bank unabhängig vom Risikogehalt pauschal ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt werden.

  • M wie Millionenkosten

    Der Aufwand für die seit Monaten laufenden Checks ist gewaltig. 2000 Aufseher und Wirtschaftsprüfer waren allein in Deutschland mit der Überprüfung der Banken beschäftigt, europaweit waren es 6000. Dazu kommen zahllose Mitarbeiter bei den einzelnen Instituten. Viele Banken berichten von Kosten im zweistelligen Millionenbereich.

  • N wie Nouy

    Die Französin Danièle Nouy leitet die neue europäische Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB. Die 64-Jährige war zuvor Chefin der französischen Bankenaufsicht.

  • O wie Oliver Wyman

    Für die Konzeption und Durchführung der Bankentests hat die EZB das US-Beratungsunternehmen Oliver Wyman angeheuert, das im Jahr 2012 einen Stresstest für die spanischen Banken durchführte.

  • P wie Puffer

    Eigenkapital gilt als Puffer für Krisenzeiten. Seit den Erfahrungen der Finanzkrise fordern Aufseher dickere Polster.

  • Q wie Quote

    Mancher Beobachter meint, die Tests seien nur glaubwürdig, wenn es eine bestimmte Quote von Durchfallern unter den 130 von der EZB untersuchten Instituten gebe.

  • R wie Rettungsfonds

    In vielen Ländern gibt es Notfallprogramme für den Fall, dass Banken frisches Geld brauchen, es aber bei Investoren nicht bekommen. Umstritten ist, ob in letzter Konsequenz auch Gelder aus dem europäischen Schutzschirm ESM genutzt werden können.

  • S wie Stresstest

    Der Krisentest soll zeigen, ob Banken auch unter widrigen Umständen ausreichend Kapital haben, um ihr Geschäft fortzuführen. Auf Verbraucher übertragen könnte der Test so aussehen: Reichen Einnahmen, Ersparnisse oder Versicherungsschutz auch dann, wenn Auto und Waschmaschine gleichzeitig kaputtgehen, der Arbeitgeber pleitegeht und man erst im nächsten Jahr einen neuen Job findet?

  • T wie Transparenz

    Die gewaltige Datensammlung soll auch für mehr Transparenz sorgen: Welche Altlasten schlummern noch in den Bankbilanzen, wo sind die Risiken, wie groß ist der Kapitalbedarf?

  • U wie Unabhängigkeit

    Kritiker meinen, es vertrage sich nicht, dass die EZB gleichzeitig für die Zinsen im Euroraum zuständig ist - von denen Banken abhängen - und die Banken überwacht. Sie finden, Geldpolitik und Bankenaufsicht sollten deutlicher getrennt werden.

  • V wie Vertrauen

    Das ist das große Ziel der Aufseher. Investoren und Kunden sollen wieder Vertrauen in Europas Banken schöpfen.

  • W wie Wackelkandidaten

    Viele Banken haben vorgesorgt, bei manchen könnte es im Test jedoch eng werden. Wackelkandidaten gibt es in Griechenland, Spanien, Portugal. Größtes Sorgenkind unter den 23 deutschen Instituten im Test ist die HSH Nordbank.

  • X wie x-Mal

    Stresstests gehören seit Jahren zum Instrumentenkasten von Bankenaufsehern weltweit. Europas Erfahrungen sind durchwachsen. Kenner finden, die USA hätten es 2009 mit ihrem ersten Test besser gemacht: Sie zwangen 10 von 19 Häuser, ihre Kapitaldecke zu stärken.

  • Y wie Yellow

    Die EZB entwickelte ein Ampelsystem für die Rückmeldung an die Banken über die Güte der gemeldeten Daten. Gelb (englisch: „yellow“ - bei Ampeln streng genommen und so auch in der EZB-Terminologie: „amber“) signalisierte Klärungsbedarf.

  • Z wie Zeitplan

    Gerade mal etwa ein Jahr hatte die EZB, um die neue Mammutbehörde für die Bankenaufsicht mit etwa 1000 Mitarbeitern aufzubauen. Parallel lief die aufwendigste Überprüfung, der sich die Banken im Euroraum bislang stellen mussten.

Als „sehr erfreulich“ bezeichnete auch die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, das Abschneiden der deutschen Teilnehmer. Die einzige Bank mit einer Kapitallücke, die Münchener Hypothekenbank, habe ihr Kapital bereits im laufenden Jahr deutlich gestärkt, so dass die Lücke geschlossen sei. König forderte die Institute zugleich auf, sich nicht auf „ihren Lorbeeren“ auszuruhen. Insgesamt beträgt die Kapitallücke 25 Milliarden Euro, wie die EZB am Sonntag mitteilte. 13 Geldhäuser müssten die Lücke noch füllen, zwölf hätten dies bereits getan und ihre Bilanzen um 15 Milliarden Euro gestärkt. Die übrigen 13 Institute haben nun zwei Wochen Zeit der EZB einen Plan vorzulegen, wie sie das Kapitalloch schließen wollen.

Die britischen Banken haben den Stresstest der Bankenaufsicht EBA allesamt bestanden. Barclays, HSBC, Lloyds und die Royal Bank of Scotland (RBS) haben aus Sicht der Prüfer ausreichend eigenes Kapital, um im Fall einer neuen Krise abgesichert zu sein, wie die EBA am Sonntag in London mitteilte. Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Bankenaufsicht auch Häuser außerhalb der Eurozone unter die Lupe genommen, darunter auf dem wichtigen Bankenmarkt Großbritannien.

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