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Wahlen in Griechenland: Europas Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor

von Holger Alich, Nicole Bastian, Thomas Hanke, Axel Höpner, Gerd Höhler, Peter Köhler, Michael Maisch und Ingo Narat Quelle: Handelsblatt Online

Die Vorstände in Griechenland sind nervös. Sie bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. So können auch bereits Computersysteme im Drachmen-Modus laufen.

Griechenland steht kurz vor den Parlamentswahlen. Quelle: dpa
Griechenland steht kurz vor den Parlamentswahlen. Quelle: dpa

An der Börse in Athen dominierte gestern der Optimismus. Der Leitindex ASE stieg um gut zehn Prozent, weil Anleger einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone nach den Wahlen an diesem Sonntag wieder als wahrscheinlicher annahmen. Mit ihnen hoffen Banker und Versicherer, Notenbanker und Fondsverwalter. "Wir halten die Wahrscheinlichkeit eines Exits von Griechenland für sehr, sehr gering", sagte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause. "Natürlich haben wir uns aber auch überlegt: Was müssten wir in den ersten Stunden machen, wenn es anders kommt." Denn so ganz sicher ist sich auch niemand.

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Und so haben sich Banken, Versicherer oder Fondsanbieter in Frankfurt, London und Paris auf den Notfall vorbereitet - so gut dies bei allen Unsicherheiten über die Folgen eines solchen Austritts eben geht. Der Unternehmensberater BCG hat einen 100-Punkte-Plan aufgestellt, mit dem er Großbanken bei einer Wiedereinführung der griechischen Drachme krisenfest machen will. Auf 50 Seiten wird der Schwerpunkt bei der IT gelegt, der Informationstechnologie der Banken, wo es bei einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone viele Anpassungen gäbe.

Krause sagte, man könne etwa durchspielen, was es technisch bedeutet, wenn Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einführt. Ein Frankfurter Institut ergänzt unter der Hand, selbst für die Aussetzung des Euro-Zahlungssystems Target für einen halben Tag oder Ähnliches müssten die Institute Notfallpläne erarbeitet haben. "Aber letztlich", so Krause, "wissen wir nicht, wie die Dominosteine bei einem Exit fallen würden, ein kontrollierter Prozess wäre sicher einfacher."

Der Vorstand der Hypo-Vereinsbank hat sich für Sonntag zu einer Telefonkonferenz verabredet, um schnell reagieren zu können. Als damals die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, überwies die deutsche Förderbank KfW dennoch 320 Millionen Euro an das Institut. So etwas will jedes Institut im Fall eines Euro-Austritts Griechenlands verhindern.


Beziehungen sind gekappt

In der Londoner City bereiten sich die Investmentbanken seit Monaten auf den Ernstfall vor. In den vergangenen Wochen haben sie dafür gesorgt, dass sie innerhalb kürzester Zeit die Drachme als Währung einsetzen und Geschäfte in der neuen Devise abwickeln können. Präzise Ablaufpläne für den Krisenfall legen fest, wie die Umstellung im Detail läuft, wer wann zu informieren ist und wer bis wann welche Aufgabe zu erfüllen hat. Einige Banken haben in dieser Woche noch einmal "Notfallübungen" veranstaltet, auch wenn die wenigsten damit rechnen, dass Griechenland bereits in den Tagen nach der Wahl aus dem Euro austritt.

Die Banken gehen davon aus, dass die Hiobsbotschaft vom ersten Austritt eines Euro-Mitglieds, wenn sie denn kommt, an einem Freitagabend nach Börsenschluss an der Wall Street kommt, was der Finanzgemeinde zumindest 48 Stunden gäbe, bevor in Asien die Märkte öffnen.

Die Kreditinstitute in Griechenland selbst reden öffentlich nicht über ihre Krisenstrategien. Es ist aber kein Geheimnis, dass man sich "auf alle Eventualitäten vorzubereiten versucht", wie ein Athener Banker bestätigt. Das reicht von Probeläufen der EDV im Drachmen-Modus bis hin zu ganz praktischen Schritten: Viele Banken haben die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Zweigstellen während der vergangenen Monate verstärkt - eine Konsequenz aus den schweren Unruhen vom Februar dieses Jahres, aber auch eine Vorsorge für das, was noch bevorstehen könnte.

Die Krisenszenarien der Unternehmen reichen von der Absicherung künftiger Wechselkursrisiken über die Konzeption neuer Exportstrategien bis hin zu Plänen, den Unternehmenssitz ins Ausland zu verlagern, sollte Griechenland die Euro-Zone verlassen.

Die französischen Banken und Versicherer haben ihre Beziehungen zu Griechenland weitgehend gekappt. Die französische Großbank Crédit Agricole hat ihre Beteiligung an ihrer griechischen Tochterbank Emporiki zwar noch nicht abgeschrieben, aber die Kreditbeziehungen weitestgehend zurückgefahren. Der Verlust würde einen einstelligen Milliardenbetrag ausmachen. Crédit Agricole will Emporiki angeblich fallen lassen, wenn Athen den Euro verlässt. Société Générale würde mit seiner griechischen Tochter schlimmstenfalls einen dreistelligen Millionenverlust erleiden, heißt es.


Schweizer Banken zurückhaltend

Die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank wollen sich nicht zu Notfallplänen für den Fall eines griechischen Euro-Ausstiegs äußern. Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass bei den Zentralbanken Krisenstäbe tagen und die EZB abgestufte Notfallmaßnahmen bereithalte. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, schlägt drei Maßnahmen vor: Die EZB müsse im Fall eines ungeordneten Austritts die Leitzinsen sofort um einen halben Prozentpunkt auf dann 0,5 Prozent senken, sofort neue Liquidität für die Banken bereitstellen, etwa in Form eines neuen Dreijahrestenders, und zudem ankündigen, dass sie bereit sei, noch wesentlich weiterzugehen, um einen Lehman-artigen Kollaps auch der Realwirtschaft zu verhindern.

Einige Banken haben die Zeit seit Jahresanfang genutzt, um jeden einzelnen Vertrag mit einer griechischen Gegenpartei zu prüfen und zu analysieren, wie schnell sich die Kontrakte im Zweifel auf eine neue Währung umstellen lassen. Bei den Anwälten fragen etwa Vermögensverwalter an. "Die kommen meist aus London, denn die Fondshäuser dort haben ein Währungsrisiko bei einem Euro-Bruch", sagt Sven Zeller, Partner bei er Anwaltskanzlei Clifford Chance. "Wir haben Anfragen von Juristen amerikanischer und britischer Anlagehäuser", bestätigt Hans Stamm, Rechtsanwalt bei der Anwaltskanzlei Dechert.

Es geht um Fragen, die durch einen Euro in neuer Zusammensetzung auftreten könnten, vor allem um Auswirkungen auf existierende Verträge des Anbieters und vertragliche Grundlagen in Fonds-Dokumenten. Auch die weit verbreiteten Derivate-Positionen in den Fonds beunruhigen: "Bei einer Euro-Umstellung könnten Parteien sagen, wir fühlen uns an den Vertrag nicht mehr gebunden, weil die Grundlage nicht mehr existiert", sagt der Dechert-Experte.

Schweizer Banken zeigen sich zurückhaltend bei Notfallszenarien. "Eine neue Währung in den Systemen abzubilden ist nicht das große Problem", heißt es in Bankenkreisen. Mehr Sorgen bereiten Banken und Aufsehern die Erschütterungen an den Märkten, die wohl mit einem Griechen-Austritt verbunden wären. Um eine Massenflucht in den Schweizer Franken zu verhindern, erwägt die Schweizer Regierung gemeinsam mit der Notenbank die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen.


1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 15.06.2012, 10:46 Uhralbatros

    Was haben wir für Laffen in der Regierung. Die sollen endlich Griechenland aus der EU werfen und sich mal einen Kopf darüber machen was Sie selbst für einen Mist gemacht haben solche Länder in die Währungsunion mit aufzunehmen. Es zeigt nur, daß die Politiker Dumm, unfähig, und von Profilierungsneurosen zerfressen.
    Dieser ganze Sumpf gehört n einen Sack gesteckt und dann können alle mit Knüppeln draufhauen.Danach kann es nicht schlimmer kommen wenn die weg sind.

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