
Die WestLB wird wohl zerschlagen. Doch auch bei anderen Landesbanken ist die Situation alles andere als rosig: Vier von ihnen mussten mit Milliardengarantien und Kapitalspritzen vor dem Schlimmsten bewahrt werden. wiwo.de gibt einen Überblick, was nun mit der WestLB passieren könnte – und wie es um die BayernLB, HSH Nordbank, NordLB und LBBW steht. Texte: Wilfried Eckl-Dorna, Anke Henrich, Cornelius Welp; Foto: dpa

Vier wichtige Bereiche hat die WestLB noch. Der Bereich Verbund & Mittelstand vergibt Kredite an Sparkassen, Mittelständler und öffentliche Kunden. In Zukunft könnte dieser leicht profitable Bereich mit dem Transaction Banking, in dem die Bank Dienste zum Zahlungsverkehr anbietet, zum Kern der neuen Verbundbank in Sparkassenhand werden. Foto: dpa

Im Bereich der Firmenkunden & Finanzierung wurden bisher große Unternehmen und Infrastrukturobjekte finanziert. Gerade im Bereich der Infrastrukturobjekte, der als bester gilt, könnten Finanzinvestoren hellhörig werden. So betrug der Gewinn dieser Sparte zuletzt 267 Millionen Euro (1.1. bis 30.9.2010). Foto: AP

Mit Wertpapierhandel, Produktion von Zertifikaten sowie Aktienanalyse warf das Kapitalmarktgeschäft zuletzt 488 Millionen Euro Gewinn ab. Dieser Bereich könnte verkauft oder an eine Abwicklungsbank (Bad Bank) übertragen werden, weil Banken in diesem Bereich kaum Wachstumspotential sehen. Foto: dpa

Über die Portfolio Exit Group hält die WestLB Beteiligungen am Immobilienfinanzierer WestImmo und dem Verbraucherkreditinstitut Readybank, die die WestLB schon länger verkaufen will. Sie müsste sie vermutlich mit Verlust an andere Banken oder Finanzinvestoren abgeben. Foto: dpa

Auch bei den weiteren angeschlagenen Landesbanken macht EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia Druck. Bis zum Jahresende sollten die staatlichen Hilfsmaßnahmen für BayernLB und HSH Nordbank auslaufen, meinte Almunia vor kurzem auf einer Branchenkonferenz. Möglichst bald solle die BayernLB einen Sanierungsplan ausrichten, ließ Almunia kürzlich dem neuen BayernLB-Chef Gerd Häusler ausrichten. Die Landesbank aus dem Süden muss ein Geschäftsmodell vorlegen, mit dem sie dauerhaft überlebensfähig ist. In der Finanzkrise benötigte die Bank eine Kapitalspritze von zehn Milliarden Euro. Nun gehört die Landesbank zu mehr als 90 Prozent dem Freistaat Bayern. Doch die Bayern wollen den Restrukturierungsplan möglicherweise erst im April vorlegen. Foto: dapd

Bislang hat sich die BayernLB einen Sanierungskurs verschrieben, der den Abbau mehrerer tausend Stellen und den Verkauf von Beteiligungen vorsieht. Einen Sanierungsplan hatte die Bank im Frühjahr 2009 an die EU-Kommission geschickt. Doch die Kommission will mehr Details über Gewinnentwicklung in den einzelnen Geschäftsbereichen. Die Zahlen will die BayernLB nun "so bald wie möglich der Kommission übergeben", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person dem Handelsblatt. Foto: dpa

Auch der weltgrößte Schiffsfinanzierer, die HSH Nordbank, geriet in der Finanzkrise in schwere See geraten. Zehn Milliarden Euro Garantien von Seiten der Länder und eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro benötigte die HSH, um die Insolvenz abzuwenden. Ihre Abbauportfolios hat die HSH in eine Bad Bank überführt, die sie in der eigenen Bilanz hält. Neben ihren toxischen Wertpapieren will sich die HSH aber auch von einigen Geschäftszweigen trennen: Etwa vom Leasinggeschäft, von internationalen Immobiliengeschäften und dem Kapitalmarktgeschäft. Bis zum Jahr 2013 will sie die Hälfte ihres Portfolios abgebaut haben. Nun wartet die Bank auf grünes Licht für ihren Restrukturierungsplan. Angesichts der guten Entwicklung der Abbaubank will die HSH bereits 2011 wieder Gewinne schreiben. Kritiker halten das für zumindest "sportlich ambitioniert". Foto: dapd

Zu Ende ist das Kapitel HSH Nordbank für Dirk Nonnenmacher, den heftig umstrittenen HSH-Chef. Der Top-Manager stolperte über eine Spitzelaffäre gegen eigene Mitarbeiter. Nach einer monatelangen öffentlichen Diskussion darüber drängten ihn die beiden wichtigsten Anteilseigner der Bank, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, schließlich aus dem Amt. Nonnenmacher führt die Geschäfte der Bank zwar vorerst weiter, gibt aber zum 31. März dieses Jahres seinen Posten auf. Sein Nachfolger wird der ehemalige Citigroup-Banker Paul Lerbinger. Nonnenmacher wird auch nach seinem Abgang noch für Schlagzeilen sorgen. Kürzlich kam ein Gutachten zu dem Schluss, dass Nonnenmacher seine Pflichten verletzt habe – und deshalb womöglich auf seine bereits ausgehandelte Abfindung von 2,1 Millionen Euro verzichten muss. Dagegen will Nonnenmacher mit seinen Anwälten vorgehen. Foto: dapd

Die Landesbank der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt überstand die Finanzkrise ohne größere Einschnitte. Zeitweise erhielt die Bank zehn Milliarden Euro an Staatsgarantien – Kapitalspritzen hat die NordLB aber nicht benötigt. . Faule Kredite haben die Bilanz der Bank belastet, doch im Jahr 2010 schrieb die Landesbank bereits wieder schwarze Zahlen. Den Stresstest der Bundesregierung bestand die NordLB nur knapp und versucht seither, ihr Eigenkapital deutlich aufzustocken. Ein Zusammenschluss mit anderen Landesbanken wäre für die NordLB wohl nur dann ein Thema, wenn die WestLB nicht verkauft wird. Foto: PR
Die WestLB wird wohl zerschlagen. Doch auch bei anderen Landesbanken ist die Situation alles andere als rosig: Vier von ihnen mussten mit Milliardengarantien und Kapitalspritzen vor dem Schlimmsten bewahrt werden. wiwo.de gibt einen Überblick, was nun mit der WestLB passieren könnte – und wie es um die BayernLB, HSH Nordbank, NordLB und LBBW steht. Texte: Wilfried Eckl-Dorna, Anke Henrich, Cornelius Welp; Foto: dpa
Der Untergang der WestLB wird für Steuerzahler und öffentlich-rechtliche Sparkassen zum Milliardengrab. Unter dem Strich wird die Abwicklung der einst mächtigsten deutschen Landesbank die öffentliche Hand rund 18 Milliarden Euro kosten, wie der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) mitteilte. Rund die Hälfte der Summe entfalle auf das Land. Rund sechs Milliarden Euro müssten die Sparkassen
schultern, weitere drei Milliarden der Bund.
In der Summe enthalten sind nach Angaben des Ministers alle Kosten von der Wertvernichtung durch den Niedergang der Bank in den vergangenen Jahren, über die Milliarden für Staatsgarantien bis hin zu den Pensionslasten.
Zehn Jahre Skandale und Pannen
Die einst mächtige Landesbank WestLB schrieb von 2002 bis 2011 unter dem Strich siebenmal rote Zahlen. Zwischen 2002 und 2004 sowie 2007 beliefen sich die Verluste jeweils auf über 1 Milliarde Euro. Dreimal mussten die Anteilseigner damals das Kapital aufstocken, um Löcher zu stopfen. In der Finanzmarktkrise wurde die Bank nur mit Milliarden-Garantien am Leben erhalten.
Die spektakulärsten Fälle von Missmanagement waren das Engagement der WestLB beim britischen TV-Verleiher Boxclever und dem US-Flugzeugverleiher Boullioun, für die 2002 und 2003 Abschreibungen von insgesamt mehr als eine Milliarde Euro vorgenommen wurden.
Fehlspekulationen mit Aktien belastete die Bank 2007 mit 600 Millionen Euro. 2009 lagerte die Bank Risiken im Volumen von 85 Milliarden Euro aus, Deutschland bekam seine erste Bad Bank, der Bund stieg mit drei Milliarden bei der Landesbank ein. Der Posten des WestLB-Chefs entwickelte sich zum Schleudersitz: Ein halbes Dutzend Bankmanager wurden in den vergangenen zehn Jahren ausgetauscht. Dietrich Voigtländer ist der letzte Vorstandschef der WestLB.
Die EU hat genug
Nun muss die WestLB auf Druck der EU-Kommission am Samstag, den 30. Juni, zerschlagen werden. Am Montagabend hatten sich Bund, Land und Sparkassen nach harten Verhandlungen über die Verteilung der nun noch zu schulternden Lasten geeinigt. Walter-Borjans sprach von „einer Operation am offenen Herzen, die wir hingekriegt habe“.
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