WestLB-Nachfolger: Portigon im Visier der Libor-Ermittler

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WestLB-Nachfolger: Portigon im Visier der Libor-Ermittler

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Wenige Monate nach dem Start hat die WestLB-Nachfolgegesellschaft Portigon Ärger mit dem Libor-Skandal.

Die weltweiten Ermittlungen wegen der Manipulation des Referenz-Zinsatzes Libor weiten sich aus. Auch der WestLB-Nachfolger Portigon sei von Behörden kontaktiert worden, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Instituts am Freitag.

"Wir stehen in engen Gesprächen mit den verantwortlichen Stellen", sagte er. Zu Details könne sich Portigon jedoch nicht äußern. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" haben die Staatsanwaltschaften in New York und Connecticut im Sommer ihre Libor-Ermittlungen ausgeweitet und Auskunftsersuchen an die WestLB und acht weitere Institute verschickt. Die Zahl der Libor-Skandal kontaktierten Banken erhöhe sich damit auf 16.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Portigon ist der Rechtsnachfolger der Mitte 2012 zerschlagenen WestLB, die neben der Deutschen Bank als einziges Institut aus der Bundesrepublik an der Festsetzung des Libor beteiligt war. Der Zins wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten.

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Noch nie machte in Deutschland eine so große Bank dicht. Bei der WestLB wird der Weg ans Ende begleitet von Schmerz, Streit und der vagen Hoffnung, dass doch noch ein gewisser Rest überlebt.

Quelle: dpa

Bislang hat lediglich das britische Geldhaus Barclays ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt. Das Top-Management musste daraufhin gehen, zudem wurde der Bank eine Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar aufgebrummt.

Welche Anlagen vom Libor-Skandal betroffen sind

  • Aktien

    Unternehmen haben eher zu niedrige Zinsen für Kredite bezahlt, Aktionäre also über höhere Gewinne ihrer Firmen profitiert.

  • Anleihen

    Variabel verzinste Papiere sind in der Regel an den Euribor oder Libor gekoppelt, Anleger haben deshalb bei diesen Papieren zu wenig Zins kassiert.

  • Fonds

    Insbesondere Geldmarkt- und Rentenfonds haben weniger eingebracht.

  • Zertifikate

    Betroffen sind Papiere, die sich direkt auf Euribor/Libor beziehen, sowie weitere Papiere über Rückkoppelungseffekte.

Mit falschen Angaben bei der Festsetzung des Libor, auf dem Finanztransaktionen im Volumen von geschätzt 500 Billionen Euro beruhen, haben Händler wahre Refinanzierungskosten verschleiert und Gewinne eingestrichen. Die weltweltweiten Ermittlungen konzentrieren sich derzeit schwerpunktmäßig auf das Jahr 2008, in dem sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei.

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