Wölfe der Wall Street kommen : Die Milliardenmaschine Goldman Sachs

Wölfe der Wall Street kommen : Die Milliardenmaschine Goldman Sachs

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Lloyd Blankfein, CEO der erfolgreichsten Bank der Welt, Goldman Sachs.

von Martin Seiwert, Cornelius Welp und Stephanie Heise

Goldman Sachs ist die mächtigste Bank der Welt. Nach Imagepolitur und Rückkehr des Erfolgs greift die US-Investmentbank in Deutschland an. Wir haben exklusiv mit den neuen Deutschlandchefs gesprochen.

Die mächtigste Bank der Welt hat nach ihrer dubiosen Rolle in der Finanzkrise und etlichen Skandalen wieder Oberwasser. Die Geschäfte laufen rund, Vorstandschef Lloyd Blankfein sitzt fest im Sattel und versucht, seinen lange verhassten Investmentbankern ein freundlicheres Image zu verpassen. Doch neue Enthüllungen wecken begründete Zweifel daran, dass die Wall-Street-Wölfe wirklich zahm geworden sind.

Die erstaunliche Karriere des Bankers Lloyd Blankfein zerfällt in zwei Phasen. Die erste erzählt den Aufstieg eines Jungen aus Brooklyn, der als Sohn eines Postangestellten aufwächst, öffentliche Schulen besucht, mit einem Stipendium nach Harvard geht, Geschichte und später Jura studiert, einige Jahre als Anwalt arbeitet und dann bei einem kleinen Rohstoffhändler an der Wall Street anheuert. Den kauft die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs, deren Chef Blankfein 2006 als Krönung seines Berufslebens wird.

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Die zweite Phase beginnt 2008, dauert bis heute und ist im Ergebnis genauso erstaunlich wie die erste: Der 60-jährige Blankfein ist immer noch da.

Nach der Finanzkrise 2008 hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Da war Blankfein der Hexenmeister und seine Bank das Symbol für all das Böse, das die Finanzindustrie ausgebrütet hatte. Die „riesige Vampirkrake“, als die sie das US-Magazin „Rolling Stone“ titulierte, konkurrierte allenfalls noch mit BP um den zweifelhaften Titel des unbeliebtesten Unternehmens. Dem Ölkonzern war damals immerhin gerade die Bohrplattform Deepwater Horizon explodiert.

Goldman ist nicht brav geworden

Mittlerweile hat sich das Bild gedreht: Mit geschickter Öffentlichkeitsarbeit, einer Charmeoffensive, mehr internen Kontrollen, Veränderungen im Geschäftsmodell und vor allem der Rückkehr des Erfolgs hat die Bank ein gutes Stück ihres Dunkelmann-Images abgelegt. Doch sind die wildesten Wölfe der Wall Street wirklich gezähmt? Tatsächlich ist Goldman in weniger Gerichtsverfahren verwickelt als viele Konkurrenten, und die Strafen, die die Bank an Aufsichtsbehörden zahlen musste, sind im Vergleich gering. Dennoch bleiben Zweifel. Einzelne Deals und neue Vorwürfe in den USA zeigen, dass Goldman keinesfalls brav geworden ist. Das Geschäftsmodell ist weiter darauf ausgelegt, Grenzen genau auszuloten und dabei schneller und schlauer zu sein als Regulierer und Konkurrenten.

Die Milliardenmaschine läuft so erfolgreich wie vor der Krise: In den ersten neun Monaten 2014 spuckte sie Erträge von 27 Milliarden und einen Gewinn vor Steuern von neun Milliarden Dollar aus. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Der Aufschwung erfreut auch die rund 30.000 Angestellten, die bis Ende September elf Milliarden Dollar Gehalt kassierten. Auch Blankfein zählt wieder zu den ganz großen Verdienern. 2013 strich er rund 23 Millionen Dollar ein.

Während europäische Konkurrenten immer noch unter unverarbeiteten Altlasten aus der Krise 2008 leiden, ziehen US-Banken davon. Dank Milliardengewinnen auf ihrem Heimatmarkt können sie auch im Ausland aufdrehen. „Wir haben den Ehrgeiz und den Anspruch, unsere sehr gute Marktposition in Deutschland in allen Geschäftsfeldern zu halten und weiter auszubauen“, kündigt Wolfgang Fink, der neue Co-Chef des Deutschland-Geschäfts, im Interview an.

Diese Ex-Goldman-Banker stehen an der Spitze von Politik und Wirtschaft

  • Marcus Schenck

    Ab Mai 2015 neuer Finanzvorstand bei der Deutschen Bank

  • Carsten Kengeter

    Ab Mai neuer Chef bei der Deutschen Börse

  • Dorothee Blessing

    Seit Juli 2014 Spitzenjob im Europageschäft bei JP Morgan

  • Theodor Weimer

    Seit 2009 Vorstandsvorsitzender bei der Hypovereinsbank

  • Mario Draghi

    Seit Ende 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank

  • Mark Carney

    Seit Sommer 2013 ist der Kanadier Chef der Bank of England

  • Paul Achleitner

    Seit 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank

  • Gary Gensler

    Von 2009 bis 2014 Chef der US-Wertpapieraufsicht CFTC

  • Philip Murphy

    Von 2009 bis 2013 US-Botschafter in Deutschland

  • Hank Paulson

    Von 2006 bis 2009 Finanzminister der Vereinigten Staaten

  • Robert Rubin

    Von 1995 bis 1999 Finanzminister der Vereinigten Staaten

  • William Dudley

    Seit 200 Präsident der Federal Reserve Bank of New York

Zuflucht bei den Ex-Kollegen

Mit Neid dürfte Paul Achleitner das selbstbewusste Auftreten seiner ehemaligen Kollegen beobachten. Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank leitete Ende der Neunzigerjahre selbst das Deutschlandgeschäft von Goldman. Sein aktueller Arbeitgeber will zwar in der gleichen Liga mitspielen, steht aber deutlich schlechter da. Die Deutsche Bank verdiente bis Ende September nur knapp drei Milliarden Euro vor Steuern, der Aktienkurs ist 2014 um fast 25 Prozent gefallen. Prozesse ramponieren das Image, und Wachstum ist nicht in Sicht.

In seiner Not nimmt Achleitner Zuflucht bei Rezepten seiner Ex-Kollegen. Mit Marcus Schenck hat er dort einen neuen Finanzvorstand abgeworben. Das von ihm und den Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain forcierte Konzept des Kulturwandels hat Goldman so ähnlich schon von 2010 an vorgelebt. Ebenso die Treue zu einem umstrittenen Chef. Jain war vor der Krise oberster Investmentbanker der Deutschen Bank. Da dort fast alle Prozesse und Aufsichtsverfahren wurzeln, steht er seit seinem Amtsantritt 2012 in der Kritik.

Die ist allerdings läppisch im Vergleich zu dem Sturm der Wut, der Blankfein traf. Ausgerechnet ihn, der so viel Wert auf das Urteil seiner Umgebung legt und den sein Vorgänger wegen seiner „positiven Unsicherheit“ für den Job empfahl. Der Studenten rät, „komplette Persönlichkeiten“ zu werden, Shakespeare zu lesen und mal einen Kunstkurs zu belegen. Und der Kollegen mit seinem Humor in schwierigen Situationen immer wieder aufheitert.

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6 Kommentare zu Wölfe der Wall Street kommen : Die Milliardenmaschine Goldman Sachs

  • In dem Zusammenhang äußerst empfehlenswert:

    "Goldman Sachs - ein Bank regiert die Welt."

    Eine der besten und spannendsten Dokumentationen der letzten Jahre bei ARTE.

    Über Youtube, Vimeo, Arte etc.

    Wie nett Goldman Sachs tatsächlich ist, sieht man aktuell auch an deren Beteiligung bei der hyperaggressiven Ekelfirma Uber.

  • Weswegen sollte diese Branche jemals wieder Akzeptanz erfahren?
    Man sollte sich vielmehr die Namen der Mitarbeiter gut merken und sie endlich aus allen Ämtern entfernen.

  • Wir sollten den gegenwärtigen, globalen Kapitalismus wegen des maßgeblichen Einflusses von Goldman Sachs, Blackrock u.a. und auch in Abgrenzung zum "Rheinischen Kapitalismus" als Wall Street Kapitalismus zu bezeichnen.

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