Zerschlagung am 1. Juli: Wie sich die WestLB selbst abwickelt

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Zerschlagung am 1. Juli: Wie sich die WestLB selbst abwickelt

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Die Tage der WestLB in Düsseldorf sind gezählt: Handwerker montieren den Schriftzug an der Zentrale ab

von Anke Henrich, Konrad Fischer, Cornelius Welp und Silke Wettach

Noch nie machte in Deutschland eine so große Bank dicht. Bei der WestLB wird der Weg ans Ende begleitet von Schmerz, Streit und der vagen Hoffnung, dass doch noch ein gewisser Rest überlebt. Wie die Abwicklung funktioniert.

Das blaue Logo der WestLB, das Jahrzehnte einen ganzen Straßenzug im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt dominierte, ist schon abmontiert. Das ist auf den ersten Blick alles, was sich sichtbar ändert, wenn am 30. Juni die größte deutsche Landesbank schließt. Am Montag darauf, am 2. Juli steigt an selber Stelle die Portigon AG aus der Asche. Die WestLB-Mitarbeiter, die am Freitag durch die Drehtür an der Herzogstraße das Haus verließen, kehren dann als Mitarbeiter von Portigon zurück. So heißt die neu gegründete Dienstleistungsgesellschaft, die als Nachfolgerin der WestLB fortbesteht, um 2016 endgültig dahinzuscheiden.

Doch die Geräuschlosigkeit täuscht. Hinter den Kulissen fahren der Vorstand und die 4200 Mitarbeiter emotional Achterbahn. Was bislang in Deutschland als undenkbar galt, wird im Herzen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Realität: Die WestLB, einst so stolze Haus- und Hofbank des bevölkerungsreichsten Bundeslandes, wird nach dem Willen der EU-Kommission zerlegt, in Resten verkauft und in Teilen abgewickelt. Alles Unverkäufliche landet in einer eigens eingerichteten Bad Bank, die schauen muss, möglichst viel davon zu versilbern.

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Keine Blaupause

Und Vorstandschef Dietrich Voigtländer, letzter in einer langen Reihe von WestLB-Lenkern, wird zum Testamentsvollstrecker. Bitter sagt er: „Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es auch mal heftige Tiefschläge gibt“. An ihm liegt es nun, das große Aufräumen zu leiten – ein Job ohne Vorbild.

Dietrich Voigtländer Der WestLB-Chef rechnet ab

Dietrich Voigtländer, der Chef der zerschlagenen Landesbank WestLB, geht mit den Sparkassen, den Ministerpräsidenten und der Bundesregierung hart ins Gericht. Gerade aus Berlin hätte er mehr Hilfe gebraucht.

Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche

Seit 1969 war die Westdeutsche Landesbank Girozentrale die unheimliche Macht am Rhein. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia und seinen Vorgängern galt der Gigant aber als rotes Tuch; als Prototyp einer politisierten Bank, die am Wettbewerb vorbei vom Staat subventioniert wurde; als eine Art Trutzburg, deren Herren sich wie Zweit-Fürsten aufführten.

Jetzt ist das alles nur noch sehr, sehr teurer Ballast. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) nannte jetzt endlich Zahlen: 18 Milliarden Euro kostet die Abwicklung, das Land NRW trägt neun Milliarden, seine Sparkassenverbände übernehmen sechs Milliarden Euro und der Bund drei Milliarden. Trotzdem atmete Walter-Borjans auf: „Mit dem Geld wurde ein Desaster von weit größerem Ausmaß verhindert.“

Der Plan, das Desaster vergessen zu machen, sieht nun vor: Das verbliebene Geschäft der WestLB, das mit 168 Milliarden Euro in der Bilanz steht, wird zum 30. Juni auf drei unabhängige Einheiten verteilt. Die eine Einheit ist die sogenannte Verbundbank, die das Privat- und Firmenkundengeschäft mit den Sparkassen übernimmt. Die zweite Einheit ist die neu gegründete Portigon AG. Sie offeriert künftig als externer Anbieter Servicedienstleistungen für andere Banken, zum Beispiel Portfoliomanagement, Controlling, Finanzberichterstattung.

Alle anderen Bereiche der WestLB wie auch die Immobilientochter WestImmo gehen in die dritte Einheit. Das ist die schon existierende Erste Abwicklungsanstalt, die Bad Bank, ihr Vermögen soll bis zum Jahr 2025 verkauft werden.

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