ThemaBanken

alles zum Thema
_

Zinsskandal: Libor-Ermittler locken mit Straffreiheit

Im Zuge der Ermittlungen rund um den Libor-Skandal hat die US-Staatsanwaltschaft einigen Mitarbeitern der Schweizer Bank UBS offenbar Straffreiheit angeboten, wenn sie mit den Ermittlern zusammenarbeiten. Durch die internationale Affäre haben schon einige Bankmitarbeiter ihre Jobs verloren.

Im Zuge der US-Ermittlungen zum Libor-Skandal hat die UBS bereits knapp 20 Händler entlassen. Quelle: dapd
Im Zuge der US-Ermittlungen zum Libor-Skandal hat die UBS bereits knapp 20 Händler entlassen. Quelle: dapd

Bei den US-Ermittlungen gegen die Schweizer Bank UBS zum Libor-Skandal hat die Staatsanwaltschaft einem Zeitungsbericht zufolge einigen ehemaligen sowie aktuellen Mitarbeitern Straffreiheit angeboten. Im Gegenzug müssten die Betroffenen mit den Ermittlern zusammenarbeiten, berichtete das „Wall Street Journal“. Das Angebot sei Mitarbeitern auf untergeordneter Ebene gemacht worden, berichtete das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf eine Gewährsperson, die mit den Ermittlungen vertraut ist.

Anzeige

Nur wenige der UBS-Angestellten, gegen die wegen möglicher Zinsmanipulationen ermittelt wird, arbeiteten noch bei dem Finanzinstitut, erklärte eine weitere Gewährsperson der Zeitung.

Im Zuge der vierjährigen Ermittlungen habe die Bank etwa 20 Händler und Manager entlassen oder vom Dienst suspendiert. Eine Sprecherin des US-Justizministeriums wollte zu den Angaben keine Stellung nehmen. Aus dem Bericht ging nicht hervor, um welche UBS-Manager es geht.

Weltweit stehen zahlreiche Banken im Verdacht, wichtige Referenz-Zinssätze wie den Libor und den Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben - darunter auch die Deutsche Bank. Auslöser der Affäre war die aufgeflogene Beeinflussung des Libor durch Beschäftigte der britischen Barclays-Bank.

Am vergangenen Freitag hat die staatseigene Royal Bank of Scotland erstmals Entlassungen von Mitarbeitern wegen des Skandals um Zinsmanipulationen bestätigt. Die Untersuchungen hätten ein Fehlverhalten einiger Banker ans Tageslicht gebracht, teilte das britische Institut mit, ohne Details zu nennen. „Das Thema ist auf unserer Agenda“, sagte Bankchef Stephen Hester. Der Skandal zeige, wie Fehler Einzelner und mangelnde Kontrollsysteme dem Ruf der Banken schaden könnten.

Händler der RBS, die zu 82 Prozent dem Staat gehört, stehen wie Mitarbeiter des Rivalen Barclays Regulierungskreisen zufolge im besonderen Fokus der Ermittler. Finanzkreisen zufolge hat die Bank wegen des Skandals vier Händler entlassen. Barclays ist bislang als einziges Geldhaus in dem Skandal zu einer Strafe verurteilt worden und zwar in Höhe von fast einer halben Milliarde Dollar. Barclays-Aufsichtsratschef Marcus Agius trat bereits zurück. In einer Stellungnahme erklärte Agius, es tue ihm aufrichtig Leid, dass Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre „im Stich gelassen“ worden seien. Barclays kündigte eine interne Untersuchung der Vorfälle an. Ein neuer, verpflichtender Verhaltenskodex soll entwickelt werden.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Die Zinsen beruhen auf den Refinanzierungskosten der Banken, die diese einmal täglich melden. Der Libor allein dient als Maßstab für Finanztransaktionen von mehr als 500 Billionen Dollar. Die Ermittler gehen Hinweisen nach, dass die Institute von 2005 bis 2009 die Sätze nach unten verzerrt haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat eine Sonderprüfung eingeleitet; allerdings erwartet die Behörde keine schnellen Resultate. Im Moment prüft die Bafin Millionen von Datensätzen, E-Mails und Dokumenten. „Es ist schwierig, den Schaden zu beziffern, weil man nicht weiß, wie hoch Libor oder Euribor ohne mögliche Manipulationen gewesen wären“, sagt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz. „Es gibt keinen Referenzzinssatz, um den Schaden zu berechnen.“

Behördenchefin Elke König sagte dem „Handelsblatt“, zukünftig müsse man über Alternativen für den Libor nachdenken, die auf „realen Transaktionen basieren“.

weitere Fotostrecken

Blogs

Individueller Twitter-Trailer aus animierten Tweets, Fotos & Videos
Individueller Twitter-Trailer aus animierten Tweets, Fotos & Videos

Mit wenigen Mausklicks ermöglicht ein neuartiges Tool die Erstellung eines kurzen Clips aus eigenen Tweets und Bildern....

    Folgen Sie uns im Social Web

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.