Bankenfusion : Dresdner-Bank-Chef Walter macht den Weg frei

KommentarBankenfusion : Dresdner-Bank-Chef Walter macht den Weg frei

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WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

Der Rücktritt von Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter ist ein konsequenter Schritt zur rechten Zeit. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp.

Als am 31. August in diesem Jahr drei Topmanager vor die Presse traten, um die größte deutsche  Bankenfusion seit Jahren zu verkünden, gab es mit dem Commerzbankchef Martin Blessing und dem Allianz-Boss Michael Diekmann zwei Gewinner.

Und einen Verlierer: Den Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter. Während die anderen die glänzenden Perspektiven der gelb-grünen Superbank ausmalten, musste er den undankbarsten Teil übernehmen: Er durfte die Details zum Stellenabbau verlesen.

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Schon da war es verwunderlich, dass Walter dem Topmanagement der neuen, großen Commerzbank überhaupt angehören sollte und wollte.

Das Team um Martin Blessing war längst eingespielt und alle fragten sich, was Walter als Marketingvorstand der Großbank eigentlich tun sollte. Vermutlich wollte er, ganz Pflichtmensch, die Integration seiner alten Bank so gut es ging begleiten. Das Signal kam nicht an. Im Gegenteil: Der Schritt wurde ihm intern und extern als Opportunismus ausgelegt.

Nun hat Walter den Diskussionen mit der Ankündigung seines Rücktritts und dem Verzicht auf seinen Vorstandsposten ein Ende gesetzt. Als offizielle Begründung dient ihm die beschleunigte Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank. „Meine Aufgabe bei der Integration ist schneller erledigt als geplant“, erklärt er in einem Interview, das heute im Intranet der Dresdner Bank veröffentlicht wurde und der WirtschaftsWoche vorliegt. „Die ersten beiden Führungsebenen sind benannt. In vielen Bereichen ist es gelungen, die Weichen früher zu stellen.“

Sechs Jahre stand Walter an der Spitze des Traditionsinstituts

Am Ende seiner Amtszeit steht dessen Ende. „Trotz der aktuellen Turbulenzen haben wir alle viel erreicht“, erklärt Walter in dem Interview.

Für die ersten Jahre seiner Amtszeit mag das stimmen. 2006 erzielte die Bank unter seiner Führung und vor allem Dank eines strengen Sparkurses, verbunden mit dem Abbau Tausender Stellen, ein Rekordergebnis.

Doch die Finanzkrise hat diese Erfolge zunichte gemacht und letztlich auch das Ende der Traditionsmarke herbeigeführt. „Auch in einer Krise dieses Ausmaßes zeigt sich, dass die Dresdner Bank solide aufgestellt ist“, sagt Walter in dem Interview.

Angesichts der jüngsten Ergebnisse ist das ein äußerst zweifelhafter Befund.

Mit rund zwei Milliarden Euro Verlust allein in den ersten neun Monaten zählt die Dresdner Bank zu den am härtesten getroffenen deutschen Instituten. Zum Verhängnis wurde ihr letztlich ihre Investmentbanking-Tochter Dresdner Kleinwort, für die sowohl der Mutterkonzern Allianz als auch der Privatkundenfachmann Walter nie ein wirkliches Konzept fanden.

Nun wird kein Manager der Dresdner Bank dem Vorstand der neuen Commerzbank angehören.

Auch auf den Ebenen darunter gibt es wenig Führungskräfte der einst zweitgrößten deutschen Bank. Der neue Chef Martin Blessing schafft so noch klarere Verhältnisse. Das erhöht die Chancen, dass der Zusammenschluss ein Erfolg wird. Die Angestellten der Dresdner Bank jedoch werden nun wohl noch mehr als bisher um ihre Zukunft fürchten. 

Walter galt einmal als Toptalent, als Jungstar unter den deutschen Bankmanagern. Das scheint Ewigkeiten her. Die Rolle hat längst ein anderer übernommen: Blessing rückt an. 

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