
Deutsche Bank und Deutsche Post haben sich angesichts der Finanzkrise auf neue Konditionen für den Verkauf der Post-Tochter Postbank geeinigt. Die Deutsche Bank muss dadurch ihr Eigenkapital nicht mehr so stark belasten, die Post kommt „schneller und mit weniger Risiko aus dem Bankgeschäft“, wie beide Konzerne am Mittwoch mitteilten. Zugleich wird indirekt auch der Staat, dem zum Teil die Deutsche Post gehört, an der größten deutschen Bank beteiligt.
Die Finanzkrise hatte die Deutsche Bank 2008 tief in die roten Zahlen abstürzen lassen. Zudem waren alle Finanztitel in den vergangenen Monaten drastisch eingebrochen, so dass der Frankfurter DAX-Konzern für seine Postbank-Beteiligung deutlich mehr hätte zahlen müssen, als das Institut derzeit am Markt wert ist.
Der Vertrag werde nun in drei Teilen umgesetzt, teilten beide Institute mit. In einem ersten Schritt wird die Deutsche Bank einen Anteil von 22,9 Prozent an der Postbank erwerben. Zeitgleich zeichnet die Deutsche Bank eine Pflichtumtauschanleihe über weitere 27,4 Prozent der Postbank-Aktien: Das heißt, sie zahlt die Anteile zum Zeitpunkt des Closings, erhält sie aber erst nach Ablauf von drei Jahren, wenn die Anleihe in Postbank-Aktien getauscht wird.
Für die restlichen 12,1 Prozent, die die Post im Zuge der Kapitalerhöhung der Postbank Ende des Jahres übernommen hatte, bestehen weiterhin Kauf- und Verkaufsoptionen. Die Transaktion werde jetzt insgesamt mit 4,9 Milliarden Euro bewertet. Gemäß den im September vereinbarten Bedingungen lag der Maximalpreis bei 4,6 Milliarden Euro. Inzwischen hatte die Post für ihre Anteilsaufstockung an der Postbank im Dezember aber eine Milliarde Euro bezahlt.
Kapitalbasis geschont
Mit den neuen Bedingungen schont die Deutsche Bank ihre Kapitalbasis: Den ersten Schritt der Übernahme zahlt das Institut in neuen Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Euro. Die Post erhält damit einen Anteil von rund 8 Prozent am Bankenprimus. Insgesamt reduziere sich die Kapitalbelastung für die Deutsche Bank von ursprünglich 2,2 Milliarden auf 1,0 Milliarde Euro.Von den 3,8 Milliarden Euro an liquiden Mitteln, die die Post für die ersten zwei Schritte der Übernahme unmittelbar erhält, sei bereits am 2. Januar der Großteil von 3,1 Milliarden Euro geflossen. Die Verkaufsoptionen für die restlichen Anteile seien durch 1,1 Milliarden Euro besichert. Die Fristen für diesen dritten Schritt liegen zwischen drei und vier Jahren nach Abschluss der Transaktion.
Schnelle Trennung von der Postbank
Für die Deutsche Post bedeutet die neue Vereinbarung mit der Deutschen Bank eine schnellere Trennung von ihrer Tochter Postbank. Sie sei für die Post auch mit weniger Risiko verbunden, erklärte Post-Finanzchef John Allan in Bonn. Beide Seiten profitierten von den neuen Bedingungen noch stärker. „So können wir mehr Ressourcen freisetzen, um uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren. Gleichzeitig schafft die neue Struktur die Basis für eine klare Eigentümerstruktur bei der Postbank.“
Die schwindende Aussicht auf ein attraktives Abfindungsangebot der Deutschen Bank hat die Aktionäre der Postbank am Mittwoch enttäuscht. Aktienverkäufe drückten die Titel des Bonner Instituts um 18,5 Prozent auf ein Rekordtief von 11,70 Euro. Die Aktien des deutschen Branchenprimus rutschten um 8,3 Prozent auf 22,27 Euro ab.
Die Bundesregierung will keinen Einfluss auf das Tauschgeschäft zwischen der Deutschen Bank und der Post beim Verkauf der Postbank nehmen. Die Vorstellung, das Management der Unternehmen müsse beim Finanzminister oder bei der Kanzlerin um Erlaubnis für so ein Geschäft bitten, sei „schlicht abwegig“, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, am Mittwoch in Berlin. Daran ändere auch die indirekte Beteiligung des Bundes an der Post nichts. „So funktionieren Aktiengesellschaften in diesem Land nicht.“ Kritik, der Staat mische sich in der Krise zu stark ins Bankenwesen ein, wies er zurück. Die Bundesregierung wolle keine Banken aktiv leiten. „Wir kommen nicht, um Banken zu übernehmen, sondern Banken kommen zum SoFFin, weil sie Hilfe wollen.“









