Bankenkrise: Siemens könnte Nachahmer finden

KommentarBankenkrise: Siemens könnte Nachahmer finden

von Mark Fehr

Der Technologiekonzern misstraut der Finanzbranche und parkt sein Geld lieber bei der EZB. Auch andere große Industrieunternehmen betreiben eigene Banken und könnten es Siemens gleich tun.

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Das Siemens-Forum in München (Foto: Peter Kneffel dpa/lby)

Das Misstrauen zwischen Europas Geldhäusern wächst. Vor allem französische Großbanken wie Société Générale, BNP Paribas oder Crédit Agricole stehen unter Verdacht, ihren Zahlungsverpflichtungen bald nicht mehr vollständig und pünktlich nachkommen zu können. Für die beiden erstgenannten Kreditinstitute hat die Ratingagentur Moody´s bereits das Bonitätsurteil herabgestuft.

Auch seitens der Industrie wächst der Druck auf die Finanzbranche. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, habe Siemens vor zwei Wochen eine halbe Milliarde Euro Guthaben von einer französischen Großbank abgezogen und auf einem Konto bei der Europäischen Zentralbank deponiert. Zwischen vier und sechs Milliarden Euro parke der Münchner Technologiekonzern größtenteils in Form von Wocheneinlagen derzeit bei der EZB, berichtet die Zeitung.

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Nur Institutionen mit Banklizenz dürfen Konten bei der Zentralbank nutzen. Da Siemens 2010 unter dem eigenen Konzerndach eine Bank gegründet hat, kann das Unternehmen nun Geschäfte mit der EZB abwickeln. Die Siemens Bank GmbH besitzt die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bankgeschäfte in Deutschland zu betreiben. Über die Bundesbank kann die Siemens-Tochter daher am geldpolitischen Instrumentenkasten der Notenbanker andocken.

Immunität gegen Krisen

Der Konzern will sich dadurch gegen Krisen im Finanzsystem immun machen. Das könnte sich jetzt auszahlen, denn angesichts der Angst vor Ausfällen von Staatskrediten an budgetschwache Euro-Staaten, trauen sich Europas Banken gegenseitig nicht mehr über den Weg. Sie parken ihr Geld lieber bei der Zentralbank als es anderen Instituten oder Unternehmen als Kredit zur Verfügung zu stellen. Siemens imitiert also, was normale Geschäftsbanken auch tun und nutzt die Option einer sicheren Geldanlage bei der Notenbank.

Zieht die deutsche Industrie ihr Geld nun in großem Stil aus dem Bankensektor ab? Noch will sich niemand outen. „Wir arbeiten nach wie vor normal mit unseren Bankpartnern zusammen“, sagt ein Sprecher der Volkswagen Bank GmbH. Auch der Autoriese betreibt eine Tochterfirma mit Banklizenz, die sich von EZB und Bundesbank mit frischem Geld beliefern lassen darf. VW könnte umgekehrt aber auch Einlagen auf dem eigenen Notenbankkonto speichern.

Weitere große Autohersteller wie Daimler, Ford oder Toyota besitzen ebenfalls Bank-Töchter. Die sollen in erster Linie den Verkauf von Fahrzeugen fördern, indem sie Kunden mit Krediten oder Leasingverträgen versorgen. Als von der Bafin zugelassene Institute stehen die Autobanken auf der EZB-Liste sogenannter Monetary Financial Institutions und können daher wie normale Geschäftsbanken oder Sparkassen alle Geldgeschäfte mit der Notenbank durchführen.

Wenn das Vertrauen in den Bankensektor weiter nachlässt, dürfte der Fall Siemens unter Industrieunternehmen also schnell Nachahmer finden.

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