Bankenkrise: Verkehrte Finanzwelt

KommentarBankenkrise: Verkehrte Finanzwelt

von Mark Fehr

Die Diskussion über öffentliches Zwangskapital für Banken zeigt: Der Finanzsektor ist immer noch nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft vor Risiken zu schützen. Ein Kommentar von Mark Fehr.

Jetzt haben es die Banker schriftlich: Auch bei der nächsten Schieflage werden die Steuerzahler zur Rettung eilen, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. So fordert Brüssels oberster Bankenaufseher in einem Brief an die Wirtschafts- und Finanzminister der EU, die gewaltigen Mittel des für die Schuldenstaaten aufgespannten Rettungsschirms notfalls direkt in die kriselnden Institute zu pumpen.

Bei den Instrumenten, die der ehemalige italienische Notenbanker Andrea Enria vorschlägt, handelt es sich weder um öffentliche Garantien für Bankverbindlichkeiten noch um Staatskredite zu vergünstigten Konditionen. Was Enria meint, ist die ultimative Hilfsmaßnahme: Injektion von reinem Eigenkapital aus dem 725 Milliarden Euro schweren Notfonds EFSF. Das auf diesem Weg in die Branche gepumpte Geld stünde den Instituten dauerhaft zur Verfügung und würde vollständig für Verluste haften. Zinsen werden keine fällig.

Anzeige

Neue Instrumente gesucht

Angesichts des grassierenden Misstrauens zwischen den europäischen Banken, die ihr freies Geld derzeit lieber bei der Zentralbank bunkern als es anderen Instituten auszuleihen, denken die Finanzaufseher angestrengt über neue Rettungsinstrumente nach. Die aktuelle Diskussion zeigt, dass die Geldhäuser immer noch nicht in der Lage sind, sich aus eigener Kraft vor Risiken zu schützen. Wie sehr die Finanzwelt zu einer verkehrten Welt geworden ist, wird auch an der jüngsten Forderung von Christine Lagarde deutlich.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds hält Europas Banken für unterkapitalisiert und will daher öffentliche Kapitalspritzen verschreiben. Falls die Patienten dankend ablehnen, sollen sie notfalls zwangsernährt werden. Das heißt: Die Infusion von rettender Haftungsmasse soll im Zweifel auch gegen den Willen des Managements oder der Alteigentümer durchgeführt werden.

Mangelnder Ansporn

Plakativer können die Regulatoren Lagarde und Enria nicht signalisieren, dass sie solche Maßnahmen für alternativlos halten. Die Banken dürfen ihre Rettung durch Steuergeld daher insgeheim schon jetzt fest einplanen, selbst wenn sie sich nach außen hin dagegen verwahren, jemals Staatsgeld anzunehmen.

Enrias Freibrief aus Brüssel mag daher die nervösen Märkte vorübergehend beruhigen. Er zerstört aber den Ansporn für die Institute, Risikoherde aus ihren Portfolios zu verbannen und selbst Kapitalpolster für eine neue Krise aufzubauen.

Erst im Juli hatten Enria und seine Leute die 90 größten europäischen Finanzhäuser einem Stresstest unterzogen. Die Krisensimulation enthüllte Risiken vor allem bei den südeuropäischen Banken, die massiv in Staatsanleihen hochverschuldeter EU-Staaten investiert haben. Als die Angst vor Staatsinsolvenzen durch das schlechtere Rating für die USA weltweit eskalierte und die Börsen in der Folge abstürzten, wurde der Brüsseler Banken-Stresstest schneller zum Ernstfall als Finanzaufseher und die teilnehmenden Institute gedacht hatten.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%