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Bankenkrise: Zwangsrettung angedroht

von Mark Fehr, Silke Wettach, Christian Ramthun und Cornelius Welp

Politiker wollen Europas Banken mit neuen Milliarden stützen – notfalls auch gegen deren Willen. Wie sinnvoll das ist, wie die Zwangsrettung ablaufen könnte, und wie teuer das Steuerzahler und Aktionäre kommt.

Josef Ackermann und Wolfgang Quelle: dpa
Josef Ackermann und Wolfgang Schäuble Quelle: dpa

Geht es um die Finanzbranche, reagieren Politiker derzeit gereizt. Das zeigte sich kürzlich in Wiesbaden, als die Immobilienbank Aareal den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) zum geselligen Abendessen lud. „Regulierung muss mit Augenmaß erfolgen“, bemerkte der gastgebende Aareal-Chef Wolf Schumacher in seinem Grußwort, nicht alle Institute dürften über einen Kamm geschoren werden. Der Ministerpräsident konterte härter, als der festliche Empfang im besten Haus am Platz erwarten ließ. „Die Wähler verlangen hartes Durchgreifen“, entgegnete Bouffier schroff. Für Ausnahmen hätten Bürger und Sparer kein Verständnis mehr.

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Der Ausnahmen ist auch Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen überdrüssig, der sich für seinen künftigen Job im Präsidium der Europäischen Zentralbank (EZB) warmläuft. „Die Rekapitalisierung muss auf verpflichtender Basis für alle systemrelevanten Banken in der gesamten EU erfolgen“, forderte der designierte EZB-Chefvolkswirt vergangene Woche in schönstem Finanzjargon vor dem Europaparlament.

Unfreiwillige Medizin

Was das konkret bedeuten könnte, skizzierte kurz darauf EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: Liefert der Markt, sprich die Investoren, das benötigte Kapital nicht, sollen die Heimatstaaten ihren betroffenen Banken die Medizin notfalls gegen den Willen der Eigentümer einflößen. Reichen die Mittel der nationalen Regierungen nicht, muss der Euro-Rettungsfonds mit seinem Volumen von bislang 440 Milliarden Euro einspringen. Und: Boni sowie Dividenden bleiben gestrichen, bis das Haftungspolster aufgestockt ist.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, dass beide Regierungen „absolut entschlossen“ seien, die Funktionsfähigkeit der Banken zu gewährleisten. „Letztlich muss man auch bereit sein, Druck auszuüben“, pflichtete Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bei.

Drei Jahre nachdem die Staaten weltweit das Überleben der Banken nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers mit Milliarden sicherten, geht es nur noch um das Wie und nicht mehr um das Ob erneuter Hilfszahlungen aus den Staatskassen an die Banken. So sollen die Institute auf eine mögliche Pleite Griechenlands vorbereitet und ein Flächenbrand verhindert werden.

Dass eine ganze Reihe von ihnen eine weitere Verschärfung der Krise nicht aus eigener Kraft überstehen würde, ist unzweifelhaft. Zu schmerzhaft wären weitere Abschreibungen auf Staatsanleihen, vor allem, wenn diese nicht wie bisher nur auf griechische, sondern auch auf Papiere Italiens oder Spaniens erforderlich wären. Zu hart würden vor allem südeuropäische Institute zudem Kreditausfälle von Unternehmen wegen einer Rezession treffen. Nur mit staatlicher Stütze lässt sich wohl auch das wachsende Misstrauen der Kunden gerade in den Ländern Südeuropas bekämpfen. Dort haben bereits etliche, vor allem wohlhabende Anleger ihre Konten leer geräumt und sind mit ihrem Geld in Länder wie die Schweiz geflüchtet.

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28 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.10.2011, 20:30 UhrAnonymer Benutzer: Karin Jürgens

    Ausgerechnet Obama - von wegen ungesicherte CDS!
    bloomberg meldete am Mittwoch, daß Merrill Lynch (jetzt bank of America) Derivate im Wert von 75 billionen USD (trillions!) in eine Einrichtung verlegt hat, die von der Einlagensicherung abgedeckt wird - zahlt im bedarfsfall also der Steuerzahler. Es sollen vor allem Wetten auf Staats- und bankpleiten in Europa sein. Ähnliche Papiere im Werte von 79 billionen USD hat JP Morgan unter den Schutz von FED und FDiC gestellt - zahlt bei Fälligkeit also auch der Steuerzahler. Da die Aktionen heimlich erfolgten - ergibt Sinn, denn die FED gehört Privatbanken - wird bernanke inzwischen für verrückt erklärt und das Verschieben für gesetzeswidrig. Ganz Amerika regt sich darüber auf, denn dieser "Rettungsschirm" von 154 billionen USD würde bei Fälligkeit die Pleite der USA bedeuten. Aber im gesamten Deutschen blätterwald war nicht eine Zeile darüber zu lesen - merkwürdig, oder? Jetzt wird auch klar, warum Europas Regierungsmannschaft gegen alle ökonomische Vernunft handelt, wer will schon Schuld daran sein, daß die USA pleite gehen. Und auch auf Geithners hektischen Europabesuch kann man sich einen Reim machen. Angela Merkel (und damit wir) hängt schwer in der Klemme, vor allem weil sie ja alles andere als mutig ist.
    Wer sich informieren will: "Gaertner's blog - Chaos im billionen-Club", die Links führen zu den Originalseiten.

  • 19.10.2011, 17:49 UhrAnonymer Benutzer: Pauly1

    Habe ein paar Tausender Schulden ( Häuschen ).
    bitte höflichst um Zwangskapitalisierung, bitte lieber Schäuble hilf.
    ick zahle garantiert irgendwann zurück.

  • 19.10.2011, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: EUdSSR: "Endphase bin ich": EU der Staatschefs [1]

    Hier zunächst kleine "Krisen"-Historie für diejenigen bald WAHRE URSACHEN Vergessenden:

    1. bis heute ungezügelte US-Geldmengenvermehrung durch jahrzehntelang schamlos glühende Geldpressen ohne jegliche Realdeckung (seit Anfang der 70er mit Aufgabe von bretton Woods)
    Dies fast exklusiv nur wg. so kostenlosen Finanzierung der US-Kriege ab Vietnam bis heute, was der Welt laut OECD nur seit 1980 eine bis jetzt mind. 20x Geldmenge vs. max. 2x reales industriewachstum (vs. 0% REALEN Lohnzuwachs in DE) bescherte!

    2. Unterwanderung der US-Regierung und Administration durch Ex-investmentbanker mit so immer stärkeren Einflussnahme auf folgende Finanzderegulierung (siehe u.a. Michael Moores "Kapitalismus: eine Liebesgeschichte" mit der "Goldman-Regierung")!

    3. Aufgabe des Glass-Steagall Acts (Trennung von investment u. Geschäftsbanken zum Schutz der Sparer) unter Clinton, ab wo vorher besichertes Spar-/Kreditgeschäft nun "systemisch" insolvenzverhindernd "zur besseren Risikostreuung" mit restlichem Untergangsmüll vermischt wurde!
    Fundament für heutige finale Entfesselung des investmentbanking mit in Öffentlichkeit immer noch weit unbeachteten Weltuntergangs-Glücksrad der 1.000.000 Mrd$ (20x WELT-biP oder 1500x EU-Geldumlauf) in Krise VOLL UNGEDECKTEN CDS-Kreditausfallwetten!
    Dieses nach 2008 dank der unter 2. genannten Kräfte nun über zentrale CDS-Clearingstellen (CCPs), mit direktem Anschluss an Notenbank-Geldpressen bei Ausfall der CDS-Emittenten, meist auch derselben investmentbanken (bei ca. 0,05% EK-"besicherung")!

    4. Erst dann, nach 3. in Einheit mit 1., durch die monströs aufgepumpte weltweit vagabundierende Geldmenge ohne Realdeckung, indirekt weitgehend in Hand der o.g. investmentbanken, die nun nicht mehr gewinnbringend allokiert werden kann, entstehen ständig blasen in wenigen Monaten!
    SO ERST "Subprime"-/immobilenkrise mit "luftig" DERiVATEN immo-CDOs durch o.g. iNVESTMENTbANKEN!
    ..

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